In den vergangenen Jahren ist der Anteil der demenziell erkrankten Menschen in den stationären Einrichtungen der Altenhilfe stark angestiegen. Für diesen Personenkreis müssen neue und innovative Versorgungs- und Betreuungsansätze gefunden werden. Auch in der Stadt Braunschweig ist bei den Trägern und Institutionen der Altenhilfe diese Notwendigkeit erkannt worden.
Dabei findet der milieutherapeutische Ansatz hier immer mehr Beachtung und Anerkennung. Leitziel der Milieutherapie ist es, den äußeren Rahmen und die Ebenen der Begegnung an den Krankheitsprozess anzupassen und nicht die Krankheit an die Bedingungen einer Einrichtung. Sowohl das räumliche als auch das soziale Umfeld sollen zu einer „prothetischen“ Umwelt werden, um die sensorischen, emotionalen, kognitiven und physischen Einschränkungen des Erkrankten auszugleichen. Milieutherapeutische Wohnformen stellen so etwas wie eine tief greifende institutionelle Reform-Maßnahme dar, die für eine besonders bedürftige Bewohnergruppe ein Weniger an „Heim“ und ein Mehr an „Daheim“ schafft und Lebensqualität ermöglicht.
Im Jahre 2003 sind in der Stadt Braunschweig zwei spezifizierte Einrichtungen entstanden, die sich explizit der Zielgruppe der schwersterkrankten Dementen zuwenden und die in ihren Konzepten nicht mehr nur die Pflegequalität, sondern auch die Lebensqualität der Bewohner in den Mittelpunkt stellen. So werden in zwei gerontopsychiatrischen Wohngruppen des DRK Seniorenheim Steinbrecherstraße 15 Personen betreut. Der Verein ambet e. V. hat die erste stationäre Einrichtung in Braunschweig eröffnet, die sich ausschließlich dem Personenkreis der Demenzerkrankten widmet. Hier können insgesamt 35 Personen betreut und versorgt werden.
Eine Studie des Seniorenbüros der Stadt Braunschweig hat ergeben, dass Menschen mit einer Demenz von diesen neuen und innovativen Wohnformen profitieren, da hier kein soziales Reglement „normgerechte“ Verhaltensweisen einfordert. Insgesamt haben alle Beteiligten - BewohnerInnen, Angehörige und auch MitarbeiterInnen - von dem milieutherapeutischen Konzept einen großen Nutzen.
Die Studie ist als 41. Braunschweiger Heft zum Jugend-, Sozial und Gesundheitswesen herausgegeben worden. Sie gibt interessierten Fachkräften der Altenhilfe einen Leitfaden mit Tipps und Hinweise für die Umsetzung milieutherapeutischer Konzepte in der stationären Altenpflege an die Hand. Institutionen und Trägern der Altenhilfe kann hiermit nur Mut gemacht werden, mit Kreativität und Flexibilität neue Wege in der Versorgung und Betreuung dementer Menschen zu beschreiten.



