Starthilfe für nachhaltige Gründungen

Mit seinen verschiedenen Förderprogrammen, Accelerator-Initiativen und Innovationsorten ist Braunschweig für Start-ups schon ziemlich gut aufgestellt – das bestätigen die Gründer:innen der Löwenstadt immer wieder. Das Programm next.loop (Öffnet in einem neuen Tab) soll die bisherige Start-up-Infrastruktur nun um einen weiteren Baustein ergänzen – und wendet sich direkt an junge Unternehmen, die sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben haben.

Wer den DenkRaum (Öffnet in einem neuen Tab) noch nie gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen. Im Wilhelmsgarten 1, unweit des Rathauses und gewissermaßen im Herzen Braunschweigs, hat sich seit einigen Jahren ein Ort entwickelt, wo einiges möglich scheint und Kreativität viel Raum bekommt. Hier wird auf rund 550 Quadratmetern getagt, gearbeitet und diskutiert (und gelegentlich auch meditiert), hier finden Workshops, Netzwerkabende und Ideenfindungs-Events statt. „Drink&Think“ heißt so etwas dort zum Beispiel – da macht schon der Name Lust auf eine Teilnahme!

Der DenkRaum, Heimat des next.loop-Programms, bietet viel Platz zum Arbeiten und Brainstormen.© Christoph Matthies / BSM

Pascal Abel, der die gemeinnützige UG mitgegründet hat und in ehrenamtlicher Tätigkeit verwaltet, betont, dass es sich beim DenkRaum um keinen klassischen Co-Working-Space handelt, aber auch nicht um eine reine Veranstaltungshalle. Ihm kommt eher das Bild eines Zeichensaals in den Sinn. Seine Mitstreiterin Amelie Hinz erinnert der etwas versteckte, über einen Hinterhof erreichbare Ort manchmal an eine WG. „Aber auf jeden Fall ist es ein Raum, um sich auszuprobieren“, sagt sie. Dass der DenkRaum sich nicht in eine Schublade stecken lässt, stattdessen noch irgendwie unfertig und ständig in Entwicklung zu sein scheint, macht ihn vielleicht gerade so interessant. Auch in Sachen Innenausbau und Einrichtung wird in der einstigen Druckerei des Oeding-Verlags noch ordentlich getüftelt und gewerkelt – und das DenkRaum-Team, voll dem DIY-Gedanken verschrieben, übernimmt dabei viele Arbeiten selbst.

Amelie Hinz (links) und Pascal Abel haben das next.loop-Programm gemeinsam mit ihrem Team aus der Taufe gehoben.© Christoph Matthies / BSM

Von der Idee zum Netzwerk

Dieser Wandel, diese ständige Bewegung, die den DenkRaum bestimmt, hat mit next.loop nun einen roten Faden bekommen. Ein Leuchtturm-Projekt, wenn man so will. „Es wird unser größtes Programm, und ein identitätsstiftendes“, sagt Abel über die Initiative. Sie richtet sich explizit an Gründer:innen, die mit ihrem Start-up dem Prinzip der (ökologischen) Nachhaltigkeit gerecht werden wollen, und will diese mit einem Accelerator, einem zunächst auf drei Monate ausgelegten „Gründungs-Bootcamp“, wie es auf ihrer Website (Öffnet in einem neuen Tab) heißt, unterstützen. Bestehen soll dieses etwa aus einem „loop.in“-Weekend, verschiedenen Workshops und Coachings. Natürlich profitieren die „grünen“ Gründer:innen aus der Region auch von der professionellen Arbeitsumgebung und Infrastruktur, die der DenkRaum bietet. 

Alles, was man zum Arbeiten und Tagen braucht, ist hier zu finden.© Christoph Matthies / BSM

Im September 2020 erfolgte mit einem „Barcamp“, das wegen der Corona-Pandemie nur im digitalen Raum stattfand, der Startschuss für next.loop. Ursprünglich noch als „Projekt N“ an den Start gegangen, bekam das Programm rasch nicht nur einen neuen Namen, sondern wurde zunehmend auch mit Ideen, Inhalten und Leben gefüllt. „Wir hatten am Anfang kein Konzept, nichts. Und trotzdem haben wir Unternehmen gefunden, die gesagt haben: Wir fördern das“, erinnert sich Abel. „Bei allen Projekten, die ich bisher gestartet habe“, darunter etwa die Partizipations-Plattform Sandkasten (Öffnet in einem neuen Tab) der TU Braunschweig, „habe ich noch nie so viel Zuspruch erfahren. Wir laufen nur in offene Arme“, berichtet der 35-jährige Miterfinder von next.loop mit Begeisterung.

Wer zwischendurch mal abschalten möchte, kann sich mit Basketballkorb, Dartscheibe oder Spielkonsolen amüsieren.© Christoph Matthies / BSM

Mittlerweile ist aus der anfänglichen Idee längst ein richtiges Netzwerk geworden. Zu den Initiatoren gehören außer dem DenkRaum auch der Trafo Hub (Öffnet in einem neuen Tab), ein beliebter Gründer- und Co-Working-Ort in der Sophienstraße, sowie die Agenturen Eventives (Öffnet in einem neuen Tab) und pionira (Öffnet in einem neuen Tab). Als Förderer und Sponsoren sind bislang die Innovationsgesellschaft der TU Braunschweig (iTUBS) (Öffnet in einem neuen Tab), die Braunschweigische Landessparkasse (Öffnet in einem neuen Tab), das Entsorgungsunternehmen Alba (Öffnet in einem neuen Tab) und die Steuerberatung Böke & Partner (Öffnet in einem neuen Tab) dabei. Das Ziel sei es, skizziert Abel, irgendwann rund 20 Unternehmen an Bord zu haben, die sich nicht nur als Geldgeber, sondern als Teil einer Community begreifen und dem Programm auch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Eine öffentliche Förderung erhält next.loop indes nicht. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, weil wir einfach loslegen wollten und nicht noch 100 Jahre warten“, sagt Hinz schmunzelnd. Die 24-Jährige, die im Landkreis Celle aufgewachsen ist, hat ihr Studium des Technologie-orientierten Managements (TOM) jüngst um ein Jahr verlängert, um sich voll dem neuen Gründungsprogramm widmen zu können. „Wir machen das mit Herzblut und weil wir Bock darauf haben“, beschreibt sie ihre Motivation.

Ende Mai 2021 traf sich das next.loop-Team erstmals in Präsenz, um gemeinsam am Konzept des Programms zu feilen.© next.loop

Bewusstseinswandel in den Unternehmen

Aus vollem Herzen widmen sich Hinz und Abel auch dem Thema Nachhaltigkeit. Wenn man sich mit dem DenkRaum-Duo unterhält, merkt man schnell, dass das ökologische Bewusstsein in ihrer Kreativoase keineswegs nur grüne Fassade ist, sondern aktiv gelebt und umgesetzt wird – etwa in den Bereichen Müllvermeidung, Ressourcenschonung oder nachhaltiger (Bio-)Lebensmittel. „Dieser Ansatz war nicht von vornherein da, sondern hat sich bei uns nach und nach entwickelt“, erklärt Abel. Der demnächst zweifache Vater hat diesen Bewusstseinswandel nicht nur bei sich selbst festgestellt, sondern gesamtgesellschaftlich – und eben auch in der Wirtschaft. So wendet sich next.loop auch an „etablierte Unternehmen, die noch nachhaltiger werden wollen“, erklärt Hinz, aber insbesondere an Start-ups. Die betreuten und geförderten Unternehmen müssten dabei gar nicht notwendigerweise das ganz große Hi-Tech-Rad drehen. Als gutes Beispiel für ein nachhaltiges Konzept, das direkt vor Ort für Veränderung gesorgt hat, nennt Abel etwa den Braunschweiger Unverpackt-Laden (Öffnet in einem neuen Tab). Auch und gerade solche vermeintlich kleinen Gründungen möchte der gebürtige Lüneburger gern bei next.loop begrüßen.

Natürlich darf im DenkRaum auch eine moderne Küche nicht fehlen.© next.loop

Die Bewerbungsphase für die Premiere des Accelerator-Programms läuft noch bis zum 15. Juli. Die next.loop-Initiator:innen gehen mit dem Anspruch „Qualität vor Quantität“ an die Auswahl – für die erste Runde sollen nicht mehr als vier oder höchstens fünf Teams ausgewählt werden. Gut zwei Wochen später, am letzten Juli-Wochenende (30. Juli bis 1. August), soll dann schon das „loop.in“-Weekend stattfinden, mit dem das dreimonatige Programm eingeläutet wird. Dabei wird Dr. Ralf Utermöhlen, ein anerkannter Fachmann für Green Economy und Nachhaltigkeitsmanagement, die Jungunternehmer:innen mit Blick auf ihre Geschäftsideen beraten. Pascal Abel und Amelie Hinz freuen sich auf ein arbeitsintensives Wochenende in ihrem DenkRaum, an dem aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen soll. Und bei dem sie auch selbst vom Wissen der Expert:innen profitieren wollen, wie die Studentin betont: „Wir sind ja auch keine Nachhaltigkeits-Gurus – da werden wir selber also auch noch ganz viel lernen.“

Text: Christoph Matthies, 28.06.2021


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