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Erinnerungsstätte für verfolgte und ermordete Braunschweiger Sinti

Im Rathaus - Altbau der Stadt Braunschweig befindet sich ein symbolischer Raum des Erinnerns und Gedenkens, der den Braunschweiger Sinti gewidmet ist. Das Leiden dieser Menschen unter der nationalsozialistischen Herrschaft war lange Zeit fast vergessen. Die Erinnerungsstätte gibt daher nicht nur dem offiziellen Gedenken einen Rahmen, sondern ist auch Anstoß für die individuelle Suche nach Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus.

Der Entschluss des Rates der Stadt, eine Erinnerungsstätte für die verfolgten und ermordeten Braunschweiger Sinti zu schaffen, resultierte aus einem intensiven Dialog mit dem Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti e.V., in dem würdevolle Formen des Umgangs mit der Vergangenheit gesucht wurden.

Der gemeinsame Wunsch, einen würdigen Erinnerungsort zu finden, führte zur Ausschreibung eines künstlerischen Wettbewerbs. Eine Jury unter Vorsitz des Präsidenten der Hochschule für Bildende Künste, Prof. Dr. Michael Schwarz, wählte den Entwurf des Braunschweiger Künstlers Ohannes Tapyuli zur Umsetzung aus. Parallel dazu initiierte die Stadt ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Geschichte der Braunschweiger Sinti. Um die Opfer der Anonymität zu entheben und eine bewusste, konkrete Beschäftigung mit dem Geschehenen anzuregen, wurden die im Rahmen dieses Forschungsprojekts recherchierten 124 Opfernamen Bestandteil der Erinnerungsstätte.

Im Erdgeschoss des Rathauses hat diese Stätte der Erinnerung und des Gedenkens einen Platz in der Öffentlichkeit. Zugleich findet sich hier aber auch eine Atmosphäre, die Stille und Trauer zulässt.

Historischer Hintergrund

Die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma wurde vom nationalsozialistischen Regime systematisch betrieben. Die Basis der Vernichtungspolitik bildete ein biologistisches Rassedenken, für das insbesondere die 1936 gegründete "Rassenhygienische Forschungsstelle" des Neurologen und Psychiaters Robert Ritter die Argumente lieferte. Seit 1934 wurden nach dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" Sterilisationen an Sinti und Roma vorgenommen. Mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 wurden die "Zigeuner" zur "außereuropäischen Fremdrasse" erklärt. Die daraus resultierende Diskriminierung und Ausgrenzung, die vollständige Erfassung und die seit 1939 erfolgende "Festsetzung" der Sinti in sogenannten Sammellagern waren Schritte auf dem Weg zur Vernichtung dieser Menschen. Auch in Braunschweig-Veltenhof wurden Sinti in einem solchen Lager ghettoisiert. Im März 1943 wurden sie von dort zum Braunschweiger Bahnhof gebracht und in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Nur wenige überlebten.
Diejenigen, die zurückkehrten, hatten alles verloren:

"Dann bin ich aus dem Zug ausgestiegen und bin da hingegangen, nach Veltenhof... Da hab ich nicht einen Wohnwagen gesehen! Und wo unser Wohnwagen gestanden hat, da ist eine Bombe reingefallen. Stellen Sie sich mal vor, ich komme da an und sehe keinen Menschen! Kein Mensch war da."

Elvira R., Braunschweiger Sintizza.
Aus: "Es war unmenschenmöglich". Sinti aus Niedersachsen erzählen - Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus und Diskriminierung bis heute. Hrsg. vom Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti e.V., Hannover 1995, S. 38f.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Stadt Braunschweig
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38100 Braunschweig
Telefon 0531-470 4840
Fax 0531-470 4809
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