
Sammlungen
Eine ausführliche Beschreibung unseres Bestandes ist im Handbuch der historischen Buchbestände veröffentlicht.
Johann Camman (1584-1649), der "gelehrteste Mann der Stadt im 17. Jahrhundert" ¹, war nach dem Jurastudium 1612 in den Dienst der Stadt Braunschweig eingetreten. Seine umfangreiche Bibliothek von schließlich mehr als 11.000 Titeln in fast 4.000 Bänden, die hauptsächlich theologische und juristische Literatur enthielt, blieb nach seinem Tode zunächst viele Jahrzehnte in Familienbesitz, bis sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts an die Stadt Braunschweig überging. Sie stellt eine "der wenigen unversehrt erhaltenen Privatbibliotheken des 17. Jahrhunderts in Norddeutschland" dar. ¹
Die Bibliothek des Geistlichen Ministeriums war 1570 auf Anregung des Stadtsuperintendenten und Reformators Martin Chemnitz (1522-1586) gegründet worden. Sie enthielt vorwiegend lutherische Literatur, die der gesamten Stadtkirche zur Verfügung stand. 1753 wurden ihr auf Befehl von Herzog Carl I. neben den Beständen aller Pfarrbibliotheken auch die Reste der ehemaligen Andreana zugeschlagen, einer einst bei St. Andreas untergebrachten geistlichen Bibliothek vorwiegend des Mittelalters, die durch Vernachlässigung im Laufe der Jahrhunderte fast gänzlich eingegangen war. Als die Ministerialbibliothek zum Bestand der neuzugründenden Stadtbibliothek kam, umfasste sie 8.675 Titel in 3.584 Bänden.
Diese beiden Bestände sind durch handschriftliche alphabetische Kataloge erschlossen, die in den Jahren 1888-1893 von Heinrich Nentwig erstellt wurden. Von den Inkunabeln und Handschriften wurden 1891 bzw. 1893 gedruckte Kataloge veröffentlicht.
Im Internet finden Sie diese Titel im Verzeichnis der Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts (VD 16 / VD 17).
Winter, über dessen Person nichts weiter bekannt ist, hatte der Bibliothek bereits zu Lebzeiten etwa 670 Bände geschenkt.
Die Bibliothek war 1822 gegründet worden und stellte eine "stets mit großem Verständnis gepflegte und daher sehr wertvolle Sammlung" ¹ dar. Als das Offiziercorps infolge der Revolution 1918/19 das Offiziercasino an der Fallersleber Straße, in dem die Bibliothek bisher aufgestellt gewesen war, aufgeben muss, kommen die Bücher zunächst als Depositum in die Stadtbibliothek. Später gehen sie endgültig in ihren Besitz über.
Der "Große Club" war eine gesellige Vereinigung des 18. Jahrhunderts, in der es keine starren Standesgrenzen gab. Hier trafen sich Adlige, Beamte, Professoren des Collegium Carolinum und wohlhabende Kaufleute. Auch Gotthold Ephraim Lessing war Mitglied des "Großen Clubs". "Von Anfang an war dort ein Lesezimmer mit vorwiegend historisch-politischen Journalen und Zeitungen vorhanden. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die literarische Komponente verstärkt, eine Bibliothek mit Büchern, Zeitschriften und Karten eingerichtet [...]." ¹
Die Wilhelm-Bracke-Bücherei war Eigentum des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (Verwaltungsstelle Braunschweig) gewesen und in der Öffentlichen Bücherei aufgestellt worden. 1933 sollte sie wegen ihres marxistischen Inhalts aufgelöst werden. Ein Teil der Bestände kam in die Stadtbibliothek zur nichtausleihbaren Verwahrung und entging so der Vernichtung.
Die Stadtbibliothek erhält die Bibliothek Wilhelm Raabes, das Stadtarchiv den handschriftlichen Nachlass. In Raabes letzter Wohnung in der Leonhardstraße wird eine Wilhelm-Raabe-Gedenkstätte eingerichtet.
In den nächsten Jahren kann die Stadtbibliothek auch die Bibliotheken einiger Raabeforscher übernehmen, so 1947 etwa 1500 Bände aus dem Nachlass von Wilhelm Fehse (1880-1946) und 1964 400 Bände aus dem Nachlass von Theodor Abitz-Schultze (1878-1963).
Neben zahlreichen pädagogischen, philosophischen, genealogischen und literarischen Werken sowie Brunsvicensien enthält diese Bibliothek vor allem "umfangreiche Schopenhauer-Literatur, die Borch als Bibliograph des Schopenhauer-Jahrbuchs gesammelt hat und die die Stadtbibliothek im Besitz von Schopenhaueriana nach Frankfurt am Main an die zweite Stelle rückt", wie Richard Moderhack 1961 schrieb. ¹
Ewald Banse (1883 Braunschweig -1953 Braunschweig), der Geographie und Zoologie studiert hatte, unternahm fünf ausgedehnte Forschungsreisen nach Afrika, Vorderasien und in den Vorderen Orient. 1918 kehrte er nach Braunschweig zurück und lebte hier als Privatgelehrter. 1932 erhielt er eine Honorarprofessur an der Technischen Hochschule Braunschweig, ab 1934 lehrte er außerdem auch an der Technischen Hochschule Hannover.
"Banse war einer der ersten Geographen, der die Geographie als interdisziplinäre Wissenschaft verstand. Er vertrat eine organische Denkweise, indem er Länder- und Völkerkunde als eine Einheit betrachtete. [...] Problematisch ist jedoch die ab ca. 1920 zum Durchbruch gelangende Betonung des völkischen und rassischen Gedankens, die in seine Begriffe der Landschafts- und Volksseele mit einfließt." ¹
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