Sonderausstellung im Städtischen Museum Braunschweig vom 25.02. bis 17.06.2007
Glas – seit Jahrtausenden fesselt dieses Material den Betrachter durch seine Transparenz, Brillanz, Festigkeit und gleichzeitig filigrane Zerbrechlichkeit. Seit der Antike forderte die Glasgestaltung die Künstler zu Höchstleistungen ihrer Fertigkeiten heraus. Das Städtische Museum Braunschweig zeigt ab Februar Gläser von der Antike bis zur Gegenwart aus einer seiner berühmtesten Sammlungen, der "Formsammlung Walter und Thomas Dexel, Braunschweig".
Die Formsammlung, 1942 im Auftrag der Stadt Braunschweig von Walter Dexel gegründet und 1955 von seinem Sohn Thomas Dexel weitergeführt, weist historisches und modernes Gebrauchsgerät auf, welches sowohl im Handwerk als auch in der Industrie gefertigt worden ist. Die Sammlung umfasst heute – nach sechzigjähriger Sammlungsgeschichte – über fünftausend Einzelstücke aus Metall, Keramik, Glas sowie weiteren Materialien und liefert dadurch ein umfassendes Bild nicht nur der europäischen, sondern auch – dank der außereuropäischen und frühgeschichtlichen Objekte – der universalen Formgeschichte. Das Glasgerät stellt dabei einen besonderen Höhepunkt innerhalb dieser international renommierten Sammlung dar.
Die Ausstellung im Städtischen Museum präsentiert in einem ausführlichen Überblick die Entwicklung und Vielfältigkeit der europäischen Glasgeschichte. Der Besucher wird einen Reichtum an den unterschiedlichsten Gläsern aus den letzten zwei Jahrtausenden vorfinden, bei denen stets die reine Form und nicht der Dekor im Vordergrund steht, wie es dem Charakter der Sammlung entspricht. Neben Enghalskrügen und Rippenschalen aus der römischen Kaiserzeit sind typische Vertreter des mittelalterlichen Waldglases zu sehen, weiterhin verschiedenste Gebrauchsglasformen des 16. und 17. Jahrhunderts, die Zeugnis von der Tisch- und Trinkkultur der frühen Neuzeit ablegen. Die mit dem späten 19. Jahrhundert aufkommenden gepressten Schalen und Teller sind ein Beleg für den Aufbruch in ein neues Zeitalter, in dem die industrielle Fertigung fast jede Formgebung und Materialzusammensetzung erlaubte. Konsequenterweise wurden somit aus der Formsammlung auch säure- und hitzebeständige Laborgläser nicht ausgeschlossen
Einen weiteren Schwerpunkt bilden Kelchglasserien, Vasen und Schalen, die während der 1950er- und 1960er-Jahre von so namhaften Designern wie Wilhelm Wagenfeld, Wilhelm Braun-Feldweg und Heinrich Löffelhardt für die deutschen Firmen WMF, Peill & Putzler, Schott Zwiesel entworfen wurden. Fehlen dürfen auch nicht farbenfrohe Vasen und Karaffen von Venini aus Murano bei Venedig sowie die Schalen und Vasen mit klaren Linien, die so typisch für das skandinavische Design sind – entworfen für Iittala, Nuutajärvi und Orrefors von Künstlern wie Tapio Wirkkala, Nanny Still und Kaj Franck.
Stellvertretend für das deutsche Glasdesign der Nachkriegsjahrzehnte stehen die Gläser der Wiesenthalhütte. Die Formsammlung ist im Besitz fast der gesamten Produktion, wodurch der Besucher noch einmal sowohl das typische dünne, blaugrüne Glas der 1950er-, die klaren Linien und Farben der 1960er- als auch das schwere, gediegene Glas der 1970er- Jahre wieder erleben kann.
Zur Ausstellung erscheint ein Bestandskatalog der ca. 2.000 Einzelgläser umfassenden Sammlung, welcher von Nina Brakhahn bearbeitet wurde.



