Die Wilkes - eine Künstlerfamilie der Moderne aus Braunschweig
Zum 100. Todestag des bekannten Simplicissimus-Zeichners Rudolf Wilke (1873-1908) zeigt das Städtische Museum erstmals Werke der gesamten Künstlerfamilie Wilke.
Rudolf Wilke gehörte zu den bekanntesten Karikaturisten der Jahrhundertwende. In Braunschweig geboren, studierte Wilke in München und Paris, und ab 1895 in München zunächst für die berühmte Zeitschrift "Jugend", ab 1899 schließlich für die satirische Zeitschrift "Simplicissimus". Insbesondere hier schuf er Zeichnungen, die zu den Höchstleistungen des Genres gehören. Ab 1906 war Wilke Mitinhaber des "Simplicissimus".
Weniger bekannt sind jedoch die weiteren Familienangehörigen der Familie Wilke. Rudolfs Brüder Hermann (1876-1950) und Erich (1879-1936) waren ebenfalls als Zeichner tätig, zum Teil auch als Mitarbeiter für den "Simplicissimus". Gerade der Vergleich zwischen den Arbeiten Rudolfs mit denen seiner Brüder offenbart aber unterschiedliche Zeichentalente. Während Rudolfs Zeichnungen wesentlich skizzenhafter wirken, arbeiten seine Brüder stärker mit Umrisslinien und dem Einsatz von Farbflächen.
Rudolfs Frau Mally (1876-1954), eine Enkeltochter des bekannten spätromantischen Braunschweiger Landschaftsmalers Heinrich Brandes, studierte ebenfalls in München und in Paris, wo sie ihren späteren Ehemann kennenlernte. Sie war einerseits als Porträtistin und Kopistin Alter Meister tätig. Andererseits zeigen ihre Zeichnungen deutlich französische Prägung der Académie Julien. In Braunschweig gab sie nach dem Ersten Weltkrieg die satirische Zeitschrift "Eulenspiegel" heraus, in der Zeichnungen von der Künstlerfamilie Wilke erschienen.
Die beiden Kinder Charlotte Gmelin-Wilke (1906-1982) und Ulfert Wilke (1907-1987) waren ebenfalls künstlerisch tätig. Beide studierten bei Willy Jaeckel in Berlin. Ulfert war früh erfolgreich und erhielt bereits im Alter von 20 Jahren den Albrecht-Dürer-Preis der Stadt Nürnberg. Nach einer Reise 1938 in die USA blieb er bei Kriegsausbruch dort und wurde amerikanischer Staatsbürger. Seine Kunst entwickelte sich von frühen, unter der Wirkung der Neuen Sachlichkeit entstandenen Werken sukzessive zu einer immer abstrakteren Formensprache. Charlotte arbeitete dagegen eher im Verborgenen und schuf Buchillustrationen sowie melancholisch wirkende Straßenszenen von Paris.
In der Ausstellung werden erstmals Werke aller Mitglieder der Familie Wilke vereint, um einerseits stilistische Gemeinsamkeiten, aber vor allem künstlerische Unterschiede herauszuarbeiten. Neben unbekannten Werken von Rudolf Wilke zeigt das Städtische Museum auch die bislang völlig unbeachteten Vertreter der Wilkes. Die Zusammenschau ermöglicht einen ganz persönlichen Gang durch die Kunstgeschichte von den Karikaturen der Kaiserzeit bis in die Zeit des abstrakten Expressionismus nach dem 2. Weltkrieg.
Eröffnung der Ausstellung: am 13. November 2008.
Dauer: 14. November 2008 – 15. Februar 2009
Es erscheint ein Katalog, der für 9,90 € im Museum erhältlich ist.
Kontaktadresse
Städtisches Museum Braunschweig und Sammlung Bönsch
Eintritt frei! Gruppenführungen (ab 10 Personen, 1,50 € p. P.) auf Anfrage: 0531-470 45 05 |
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| Telefon | 0531-470 45 05 |
| Fax | 0531-470 45 55 |
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| Öffnungszeiten | Di - So 10 – 17 Uhr |


