Hier erhalten Sie eine Übersicht über die im Roten Saal gezeigten Dokumentarfilme.
Archiv 2012
Bekenntnisse eines Öko-Terroristen
USA 2011 | Regie: Peter Brown | 90 Min.| OmdU
Paul Watson ist der wohl berühmteste Umweltpirat der Welt. Seit über 30 Jahren kennen er und seine Crew der „Sea Shepherd“, die sich 1977 von Greenpeace abgespalten hat, auf den Weltmeeren kein Pardon, rammen Walfangschiffe, attackieren Robbenfänger oder zerstören illegale Treibfangnetze. Immer an Watsons Seite: Peter Jay
Brown und seine Kamera. Er sammelte über die Jahre einmalige Bilder von den waghalsigsten Aktionen der „Seehirten“, die von viel Entschlossenheit zeugen, und bringt sie nun erstmals an die Öffentlichkeit - jede Menge Seemannsgarn und Sarkasmus inklusive.
Verwegen offen schildert Brown Tricks und Lügen, Medienmanipulation und Showeffekterzeugung. Der Film bietet somit auch eine Lehrstunde in cleverem Marketing.
John Irving - wie er die Welt sieht
Deutschland 2011 | Regie André Schäfer | 90 Min. | OmdU
John Irving gehört zu den meistgelesenen Autoren der Welt. Mehr als 10 Millionen Exemplare seiner bisher 12 Romane sind in über 30 Sprachen verkauft worden.
Der Dokumentarfilm über die Romane von John Irving, der im Jahr 2012 seinen 70. Geburtstag feiert, macht sichtbar, was an seinen Werken begeistert und was ihn zu einem Weltliteraten macht: die enge Verflechtung einer bodenständigen,für jedermann zugänglichen Wirklichkeit mit den Figuren und Erfindungen einer überschäumenden Fabulierlust.
Das Filmteam begleitet den US-Amerikaner auf einer Lesetour durch Europa und privat in sein Zuhause in Vermont, wo er von der Herangehensweise und Konstruktion seiner Charaktere erzählt, deren Leben sich immer in die unglaublichsten Richtungen wendet. Irving baut seine Helden auf realen Figuren auf, wie Organisten, Polizisten und Tätowierer, die in dem Film ebenfalls zu Wort kommen. Entstanden ist eine Reise zu den Personen und Orten, die das Material für die Welt des preisgekrönten Schriftstellers liefern.
INFINITE SPACE - Der Architekt John Lautner
USA 2008 | Regie: Murray Grigor | 91 Min. | FSK: ab 0 | OmdU
Die Häuser von John Lautner gehören zum Aufregendsten, was die amerikanische Architektur hervorgebracht hat. Einem unbedingten Schönheitsideal verpflichtet, wirken ihre Räume unendlich – aus der Perspektive der Bewohner, denn Lautners Architektur ist für den Menschen gemacht. Jedes Haus ist ein Kunstwerk für sich, definiert das Verhältnis von Innen- und Außenraum neu. Viele sind auch als Filmkulissen berühmt geworden: James Bond lief in den 1960ern durch das „Elrod House“, Tarantino belebte für Pulp Fiction ein „Googie“-Restaurant wieder und Colin Firth’s Oscar-prämierte Darstellung in „A Single Man“ wurde in der „Schaffer Residence“ gedreht.
Der Film führt durch die Karriere Lautners, arbeitet die wichtigsten Prinzipien seines Werks heraus, lässt ihn selbst mithilfe von Audio-Archivmaterial seine Arbeiten kommentieren und befragt wichtige Weggefährten des Architekten: seine Familie, seine Mitarbeiter und
ehemalige Bauherren, außerdem berühmte Lautner-Fans wie Frank O. Gehry. Die heutigen Hausbesitzer ließen Murray Grigor und seinen Kameramann Hamed Shams den Zauber und die unvergängliche Schönheit von John Lautners unendlichen Räumen einfangen.
Empire me - Der Staat bin ich
<p>Österreich, Luxemburg, Deutschland 2011, Regie: Paul Poet, 100 Min., OmdU Der Traum von Utopia, vom besseren Leben im irdischen Paradies wird vom Menschen schon lange und in immer neuen Versionen geträumt. Doch die engmaschigen Lebensprinzipien der globalisierten Weltordnung lassen kaum Alternativen und Visionen zu. Ein Phänomen macht damit Schluss: Das Gründen von Gegengesellschaften. Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur bauen sich hunderte Do-It-Yourself-Staaten ihre eigenen kleinen Welten. Mikronationen, Eco-Villages und Sezessionisten beschreiten mit realen Territorien und Gemeinschaften alternative Wege des Zusammenlebens. Über 500 haben sich seit den späten Neunzigern formiert, manche kaum größer als eine Schaf-Farm, eine Meeresplattform oder ein Laptop. In „Empire me“ unternimmt der Autor Paul Poet eine Reise zu sechs dieser Gegenwelten. Der dokumentarische Abenteuerfilm begibt sich auf der Reise zu Miniatur-Königreichen, Dschungel-Kommunen und Wikinger-Bünden.
Archiv 2011
Herz des Himmels, Herz der Erde
Deutschland 2011 | Regie: Frauke Sandig, Eric Black | 98 Min.| OmdU
Das Ende des Maya-Kalenders am 21. Dezember 2012 ist schon jetzt Teil unserer Medien-Mythologie: Weltuntergangsfilme und esoterische Bücher über 2012 überfluten seit Jahren den Markt. Doch um den Ursprung der Misere zu sehen, lohnt ein zweiter Blick. Die Heimat der etwa neun Millionen heutigen Maya in Mexiko und Guatemala ist ein perfekter Mikrokosmos, um zu zeigen, wie die ungehinderte Ausplünderung die Erde zerstört.
Der Film folgt sechs jungen Maya in ihrem Alltag, ihren Zeremonien und ihrem Widerstand gegen die Bedrohung ihrer Kultur und Umwelt, ausgehend von einer Kosmovision, die das Andere, Mensch, Tier, Natur, nicht als losgelöstes Gegenüber, sondern als Teil des eigenen Seins begreift. Nicht als unabwendbare Prophezeihung verstehen sie das Ende des Maya-Kalenders, sonders als Schließen eines Kreises – als Möglichkeit einer neuen Zeit.
My Reincarnation
USA, CH, D, I, NL 2010 | Regie: Jennifer Fox | 100 Min. | OmeU | FSK: o. A.
Was tun, wenn man bei Geburt als Reinkarnation eines buddhistischen Meisters erkannt wird? Sich dem Erbe stellen? Oder lieber sein eigenes Leben führen?
20 Jahre begleitet die international vielfach ausgezeichnete Regisseurin Jennifer Fox den tibetischen Meister Chögyal Namkhai Norbu, einer der letzten Rinpoches und seinen in Italien geborenen Sohn Yeshi und dokumentiert ihre Geschichte: Der Film schildert den packenden Werdegang eines der letzten reinkarnierten und in Tibet ausgebildeten Lehrer und die trotzige Ablehnung des Sohns, in seines Vaters Fussstapfen zu treten. Yeshi wurde als Reinkarnation eines berühmten spirituellen Meisters erkannt, wollte aber nie etwas von diesem Erbe wissen. Die lebenslange Entwicklung der beiden Männer macht aus „My Reincarnation“ eine berührende Geschichte über Väter und Söhne.
Waste Land
GB/Brasilien 2010 | Regie: Lucy Walker | 98 Min. | FSK: o.Al. | OmU
Sie sind eine erschütternde Begleiterscheinung unserer Wegwerfgesellschaften: Menschen, die auf Müllbergen leben und sie nach Verwertbarem durchsuchen. Drei Jahre lang hat Vik Muniz, einer der wichtigsten brasilianischen Gegenwartskünstler, mit Menschen auf der größten Mülldeponie der Welt, ein spektakuläres Kunstwerk geschaffen. Muniz fotografierte die Müllpflücker, wie sie sich nennen, und projizierte die Bilder auf den Boden einer Halle. Danach füllten die Pflücker diese Projektionen mit Müll, davon wiederum machte Muniz Großaufnahmen und verkaufte sie. Das Geld floss an die Gewerkschaft der Müllpflücker.
Ist es legitim, das Elend als Ort für eine Kunst-Serie zu verwenden? Der Oscar-nominierte Film gibt eine klare Antwort: ja. Der Film ist aufrüttelnd, indem er zeigt, wovor man lieber die Augen verschließen möchte.
Jiro dreams of Sushi
USA 2011 | Regie: David Gelb | 83 Min. | OmeU
„Es ist schwer zu definieren, was köstlich ist“, philosophiert der 85-jährige Sushi-Meister Jiro Ono. Für die Tester des Guide Michelin war Onos Sushi äußerst köstlich und sie verliehen ihm drei Sterne. Dabei ließen sie sich nicht von Äußerlichkeiten beeindrucken, denn die eher schmucklose Bar liegt in einem U-Bahnhof Tokios und hat nur zehn Sitzplätze. Filmemacher Gelb führt hinter den Tresen, wo mit präzisen Handbewegungen filetiert, geräuchert oder Oktopus massiert wird.
Die Hommage an den Prozess der Sushi-Zubereitung ist zugleich ein Portrait des weisen Meisters Ono, der seit über 70 Jahren mit Hingabe das Gleiche tut.
Der Film wird in Originalfassung mit englischen Untertiteln gezeigt.
Unter Kontrolle
Deutschland 2011 | Regie: Volker Sattel | 98 Minuten | FSK o. A. | Sehenswert ab 12
Die Diskussion um das Für und Wider von Atomkraft ist durch die jüngsten Ereignisse im japanischen Fukushima neu entbrannt. Was passiert wirklich hinter den Mauern der Kernkraftwerke? Drei Jahre erkundete Regisseur Volker Sattel für seinen Film eine Welt, die sich sonst gegen neugierige Blicke abschirmt. Doch die Kraftwerksbetreiber zeigten sich dem Filmemacher gegenüber kooperativ und er konnte - noch unbelastet von kommenden Ereignissen - unglaubliche Einblicke gewinnen.
Der Film liefert sachliche, über weite Strecken unkommentierte Beobachtungen aus dem atomaren Alltag in Deutschland: von den wichtigen Kühlsystemen bis zur Kantine. Entstanden ist ein unpolemischer, aber doch alarmierender Film, der nüchtern eine durchtechnisierte Welt erkundet.
Taste The Waste - Vorpremiere
Deutschland 2011 | Regie: Valentin Thurn | 88 Min. | Deutsch und dt. UT
Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll, das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht: jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Es ist ein weltweites System: Alles soll jederzeit verfügbar sein, Supermärkte bieten durchgehend die ganze Warenpalette an, bis spät in den Abend muss das Brot in den Regalen frisch sein, zu jeder Jahreszeit gibt es Erdbeeren. Und alles muss perfekt aussehen: Ein welkes Salatblatt, ein Riss in der Kartoffel, eine Delle im Apfel, sofort wird die Ware aussortiert. Joghurt-Becher landen schon zwei Tage, bevor ihr Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, im Müll.
Thurn zeigt, was globale Lebensmittelverschwendung bedeutet und was wir tun können. Dabei geht es nicht um eine radikale Änderung der Lebensgewohnheiten, sondern um einen vernünftigen Umgang mit der Ware Lebensmittel.
TASTE THE WASTE wurde auf der diesjährigen 61. Berlinale uraufgeführt. Das Kulturinstitut präsentiert den Film im Roten Saal vor seinem offiziellen Kinostart als Vorpremiere.
La Danse - Das Ballett der Pariser Oper
Frankreich/USA 2009 | Regie: Frederick Wiseman | 158 Min. | OmU | FSK: o. Al.
Seit 40 Jahren schenkt Frederick Wiseman der Welt fast jedes Jahr einen neuen Dokumentarfilm und wird dafür auf den großen Filmfestivals gefeiert. Sein Thema sind soziale Institutionen, große Verwaltungsapparate, die jeder kennt, von denen aber niemand weiß, wie sie wirklich funktionieren. Schulen, Gerichte, Theater, Krankenhäuser, Läden, Ämter.
In seinem neuesten Film LA DANSE hat Wiseman seine Kamera für neun Wochen im Herzen des Balletts der Opéra National de Paris, einer der großartigsten Ballettkompanien der Welt, installiert. Von den Schneiderateliers bis zu den öffentlichen Aufführungen, in denen die Startänzer brillieren, führt LA DANSE hinter die Kulissen der berühmten Institution und zeigt das Schaffen derer, die täglich um außergewöhnliche Darbietungen ringen. LA DANSE dokumentiert hinreißende Augenblicke - einer großartiger als der andere und umso kostbarer, als sie ihrem Wesen nach flüchtig sind.
„Einer der schönsten Tanzfilme aller Zeiten - ein Augenschmaus für Ballettomanen!“ THE NEW YORK TIMES
"Tanzfilme sind selten. Dass gleich drei große Produktionen innerhalb von acht Wochen ins Kino kamen, ist eine kleine Sensation: "La Danse" von Frederick Wiseman, "Black Swan" und "Pina" von Wim Wenders, seine große Hommage für die gestorbene Choreografin. Frederick Wisemans Film "La Danse" bildet den Geheimtipp in diesem Trio." taz
Die Mondverschwörung
Deutschland 2011 | Regie Thomas Frickel | 86 Min. | FSK: ab 12
Der Mond fasziniert seit Anbeginn der Zivilisation alle Kulturen, er inspiriert Mythen, Kunst, Naturlehren - und große Verschwörungstheorien. Mit seinem skurrilen Protagonisten, dem amerikanischen Reporter Dennis Mascarenas, begibt sich Frickel auf eine dokumentarische Reise in die Untiefen deutscher Mondverehrung. Für eine Reportage eines deutschsprachigen US-Senders stellt sich Mascarenas Kursen in Mondgymnastik, testet Mondkosmetik und Vollmondwasser. Doch sein journalistisches Talent, das sich in entlarvenden Interviewszenen mit Mondlandbesitzern, UFO-Gläubigen und Vertretern von fragwürdigen esoterischen bis antizionistischen Theorien entfaltet, zieht ihn immer tiefer in einen Strudel irrwitziger Erklärungsmuster, die auf absurde Weise Deutschlands finsterste Vergangenheit lebendig werden lassen.
„Ein ausgesprochenes Lob geht an die aufwändige Arbeit, die extreme Spannbreite an kuriosen Einblicken von harmlos, informativ, absurd bis problematisch, unglaublich, beängstigend in dieser schräg-amüsanten und wunderbar abwechslungsreichen Form!“ FBW-Filmbewertung
Good Food Bad Food
Frankreich 2009 | Regie: Coline Serreau | 113 Min. | OmU | FSK o. Al.
Was haben französische Mikrobiologen, die Millionen Wanderarbeiter Brasiliens, Vandana Shinas experimentelle Bauernhöfe in Indien und die Landwirte der weltgrößten Bioplantage in der Ukraine gemeinsam? Alle verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung der Bodenqualität
und die Wiederherstellung der Saatenvielfalt zum Schutz der Umwelt und für gesündere Lebensmittel.
Die französische Regisseurin Coline Serreau begegnet in ihrem neuen Dokumentarfilm Menschen, die dagegen kämpfen, dass unsere Böden durch chemische Dünger und Pestizide vergiftet werden. Und die sich dagegen wehren, dass nur wenige Konzerne weltweit das Saatgutangebot kontrollieren und die Bauern erpressen. Der Film zeigt faszinierende
Persönlichkeiten, die vielfältige Lösungen für die intelligentere Nutzung unserer begrenzten Ressourcen gefunden haben.
This Prison Where I Live
Deutschland/Großbritannien 2010 | Regie: Rex Bloomstein | 90 Min. | OmU
Mit politischen Witzen unterhält Zarganar, der berühmteste Komiker Myanmars, seine Landsleute. Doch die herrschende Militärjunta ist nicht amüsiert: Wegen seiner Regime-Kritik wurde Zarganar 2007 zu 59 Jahren Haft verurteilt. Seither ist er im Gefängnis - in völliger Isolation. Zusammen mit dem deutschen Stand-up-Comedian Michael Mittermeier
reist Bloomstein auf den Spuren Zarganars inkognito durch das ehemalige Burma, eines der am stärksten abgeschotteten Länder der Erde: die Presse wird scharf zensiert, ausländische Medien sind verboten und Geheimdienst-Spitzel allgegenwärtig.
Mit brisanten und bislang so nie gesehenen Bildern erzählt der kämpferische Menschenrechtler Bloomstein, hierzulande durch seine Mauthausen-Dokumentation "KZ" bekannt, das Schicksal Zarganars. Wie stark das Wort, wie gefährlich die Kunst ist, diesen Fragen geht dieser unter schwersten Bedingungen realisierte Dokumentarfilm nach. Aber es
geht auch um den Mut zur Menschlichkeit, um Humor und Satire und die Kraft, die man daraus schöpfen kann.
Nichts ist besser als gar nichts
Deutschland 2010 | Regie: Jan Peters | 89 Min.
Per Zufall entdeckt Jan Peters ein neues Geschäftsmodell. Portemonnaie, Geld und Scheckkarte nahm die Freundin aus Versehen im Flieger mit. Für ein paar Wochen muss er sich nun anderweitig durchschlagen - sein einziges Kapital ist eine Gruppenkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel.
Spontan hat er die Idee, sich mit ihrer Hilfe aus seiner aktuellen Notlage zu befreien, indem er Reisende gegen kleines Entgelt durch die Stadt begleitet. Als er bei seiner ersten Fahrt auf einen Unternehmensberater trifft, der ihm eher spaßhaft Tipps zur Existenzgründung als “freier Reisebegleiter” gibt, lässt er sich auf dieses Spiel ein.
Der Dokumentarfilm führt uns in eine Welt abenteuerlicher Geschäftsmodelle und obskurer Nebenjobs. Ein Selbstversuch am äußersten Rand unserer Arbeitsgesellschaft, hintergründig erzählt, berührend und erheiternd.
BANKSY - EXIT THROUGH THE GIFT SHOP
Großbritannien/USA 2010 | Regie: Banksy | 87 Min. | Omu
Der britische Graffiti-Künstler ist für seine längst zu Ikonen gewordene Straßenkunst berühmt. Banksy malt ein Kind mit Luftballons an die Mauer im Westjordanland, platziert eine als Guantánamo-Häftling verkleidete Puppe neben einer Attraktion im Disneyland oder erinnert mit seinen Wandbildern in New Orleans an die vom Wirbelsturm Katrina verursachte Katastrophe. Der Standort des Objekts ist stets ein Teil des Kunstwerks.
Obwohl -oder gerade weil - seine Kunst Fassaden und Mauern auf der ganzen Welt ziert, weiß niemand, wer hinter dem gefeierten Street Art Künstler eigentlich steckt, denn er ist streng darauf bedacht, seine Identität geheim zu halten, um einer möglichen Strafverfolgung zu entgehen. Bis sich ein verrückter Franzose und selbsternannter Dokumentarfilmer namens Thierry Guetta zum Ziel gesetzt hat, Banksy aufzuspüren, was ihm durch gute Kontakte und ein bisschen Zufall auch tatsächlich gelingt. Aber dann kommt alles anders als geplant…
Eine wahre (?) Geschichte: subversiv, frech, unterhaltsam und lehrreich!
Archiv 2010
Kinshasa Symphony
Deutschland 2010 | Regie: Claus Wischmann, Martin Baer | 95 Min. | OmU
Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, drittgrößte Stadt Afrikas. Hier wohnen fast zehn Millionen Menschen, die zu den ärmsten Bewohnern unseres Planeten zählen. Es ist die Heimat des einzigen Symphonieorchesters Zentralafrikas - L'Orchestre Symphonique Kimbanguiste.
In völliger Dunkelheit spielen zweihundert Orchestermusiker Beethovens Neunte - "Freude schöner Götterfunken". Ein Stromausfall wenige Takte vor dem letzten Satz. Probleme wie dieses sind noch die kleinste Sorge. In den letzten fünfzehn Jahren haben die Musiker zwei Putsche, mehrere Krisen und einen Krieg überlebt. Doch da ist die Konzentration auf die Musik, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Kinshasa Symphony zeigt Menschen in einer der chaotischsten Städte der Welt, die eines der komplexesten Systeme menschlichen Zusammenlebens aufbauen: ein Symphonieorchester. Ein Film über den Kongo, über die Menschen in Kinshasa und über Musik.
Das Schiff des Torjägers
Deutschland/Schweiz 2010 | Regie: Heidi Specogna | 90 Min. | OmU
2001 sorgte ein humanitärer Eklat nicht nur in Deutschland für ein großes Medienecho und beendete über Nacht die Karriere des nigerianischen Torjägers Jonathan Akpoborie. Der treffsichere Stürmer des Bundesligisten VfL Wolfsburg war Eigentümer eines Schiffes, das Kinder illegal nach Gabun transportierte, wo sie Sklavenarbeit verrichten sollten. Für Jonathan Akpoborie bedeutet dies das Ende seiner Karriere. Der VfL Wolfsburg entlässt ihn über Nacht. Akpoborie reist sofort nach Afrika, um Dokumente zu sammeln, die seine Unschuld belegen. Doch niemand interessiert sich mehr für seine Beweise und es gibt keine Chance zur öffentlichen Klarstellung.
Der Film rekonstruiert die Ereignisse und nimmt sie zum Anlass, sich heute auf die Suche nach den damaligen Protagonisten zu machen: Dem Fußballer und den Kindern, die damals auf dem Schiff waren. Aus den Erzählungen und Begegnungen entsteht eine deutsch-afrikanische Geschichte über Träume, Fußball und die Handelsware Mensch.
Forgetting Dad
Deutschland 2008; Regie: Rick Minnich, 84 Min., OmU
Spannend wie ein Krimi erzählt Minnich die Geschichte seines Vaters, der mit 44 Jahren plötzlich sein Gedächtnis verlor und für sein familiäres Umfeld zu einer fremden unnahbaren Person wird. Er verlässt Frau und Familie und beginnt als „New Richard“ – wie er sich fortan nennt – mit einer neuen Frau an einem anderen Ort ein völlig neues Leben. Was in der knappen Zusammenfassung etwas konstruiert anmutet, ist die wahre Geschichte des Vaters des in Deutschland lebenden Filmemachers Minnich. Sechzehn Jahre nach dem plötzlichen Gedächtnis- und Identitätsverlust des Vaters kehrt Richards ältester Sohn mit einem Kamerateam zur Familie zurück, um zu ergründen, was eigentlich geschah. Dabei gilt sein Interesse nicht allein dem bizarren medizinischen Fall der bislang kaum erforschten Amnesie. Minnichs sichtlich selbsttherapeutischer Ansatz gilt zum einen dem Porträt einer durch den plötzlichen Verlust traumatisierten Familie, andererseits dem Verlust der eigenen Vaterfigur: „Wenn dein Vater sich nicht mehr an dich erinnert, hört er dann auf, dein Vater zu sein?“, lautet die zu Beginn formulierte Grundfrage des Films.
"Der Gedanke an die Möglichkeit unserem Leben zu entfliehen, durchdringt den Film und macht ihn zu einem berührenden und berauschenden Erlebnis."
IDFA - International Film Festival Amsterdam
Deutsche Seelen - Leben nach der Colonia Dignidad
Deutschland, 2008/09, Regie: Martin Farkas, Matthias Zuber, 92 Min.,
Chile, Ende der Neunziger. Die Polizei stürmt die "Colonia Dignidad", das Reich einer deutschen Sekte. 140 Quadratkilometer, umgeben von Stacheldrahtzäunen und Wachttürmen. Im Namen Gottes wurden hier Menschen ihrer Freiheit beraubt, gefoltert, ermordet. Der Gott hieß Paul Schäfer. Vierzig Jahre lang herrschte er über eine gleichgeschaltete Gesellschaft. Vierzig Jahre lang missbrauchte er die Knaben der Kolonie. Die Mädchen wurden misshandelt. Kinder, Frauen und Männer lebten getrennt voneinander. Die Kinder wussten nicht, wer ihre Eltern sind. Alle Erwachsenen waren nur "Tanten" und "Onkel". Erst mit der Verhaftung Paul Schäfers im März 2005 begann die Aufarbeitung.
Was aus den etwa 150 Menschen wurde, die bis heute in der „Colonia Dignidad“ zurück blieben, wie sie ihre Vergangenheit sehen, ihre Verstrickungen und ihre Schuld, psychische Verwerfungen und Verletzungen reflektieren, untersucht der Film „Deutsche Seelen“, ein bemerkenswert unaufgeregter und gerade deshalb eindringlicher Bericht aus dem Innenleben der Sekte.
David wants to fly
Deutschland, Österreich, Schweiz 2010; Regie: David Sieveking, 97 Min., OmU
Die beispiellose Erfolgsgeschichte des Maharishi Mahesh Yogi begann im Himalaya. Seit den 60er Jahren hat der Guru auch im Westen zahlreiche prominente Anhänger gewonnen, darunter die Beatles. Fast sechs Millionen Menschen weltweit praktizieren heute die Transzendentale Meditation (TM). Auch David, ein junger Filmemacher auf der
Suche nach Inspiration, will es mit der Meditation probieren. Denn nicht zuletzt sein großes Vorbild, der legendäre Regisseur David Lynch, versichert ihm höchstpersönlich, dass TM eine Quelle der Kreativität und des Erfolgs sei. David beschließt, sein Idol beim Wort zu nehmen: Er unterzieht sich dem teuren Meditations-Training erhält sein persönliches Mantra und versucht sich im Yogischen Fliegen. Der Filmemacherpilgert auf den Spuren der TM-Bewegung. Dabei kommt er allerdings einigen wohl gehüteten Geheimnissen zu nahe
Auf seiner abenteuerlichen Odyssee vom Berliner Teufelsberg über Hollywood bis in den Himalaya verknüpft Sieveking spirituelle Erfahrungen und skurrile Beobachtungen mit spannender Investigation. Ihm gelingt das Kunststück, seine detektivische Sinnsuche ebenso humorvoll wie erhellend zu erzählen.
Die 4. Revolution - Energy Autonomy
Auf der sicheren Seite
Deutschland 2009 • 80 Min. OmU • Regie: Corinna Wichmann, Lukas Schmid
Seit 2007 lebt die Mehrheit der Menschen weltweit in Städten. Auf allen Kontinenten wachsen immer mehr Städte zu Megacities heran. Die Privatisierung des städtischen Raumes wird immer häufiger zum Ausweg aus den ungelösten Problemen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten. Die Auflösung der städtischen und sozialen Gemeinschaft schreitet voran: hohe Mauern, Elektrozäune, Videoüberwachung und bewaffnete Sicherheitskräfte sind eine Antwort der höheren Einkommensklassen auf diese Entwicklung. In sogenannten „Gated Communities“ wird ihnen ein Leben „auf der sicheren Seite“ garantiert.
Dieser Film zeigt Innenansichten von drei Gated Communities auf drei Kontinenten: Wir treffen die Immobilienmaklerin Brenda in ihrer Community DAINFERN, in Johannesburg in Südafrika, einer Stadt mit den höchsten Mordraten der Welt. Wir begleiten Mr. Misra durch seine Community PALM MEADOWS in der überbevölkerten und chaotischen indischen Stadt Bangalore. Und lernen in Las Vegas lernen wir Stacy kennen, der in seiner exklusiven Community „Spanish Trail“ nach wahren Freunden sucht. Durch das detaillierte Porträt von Bewohnern und Bediensteten, von Lebensumständen inner- und außerhalb der privatisierten Areale bietet der Film eine selten mögliche Innenansicht des Lebens „auf der sicheren Seite“.
Die Frau mit den 5 Elefanten
Deutschland/Schweiz 2009, Regie: Vadim Jendreyko, 97 Min., FSK: ab 6 Jahren
Swetlana Geier ist die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche und eine charismatische Gestalt. Unlängst hat die 85-jährige ihr Lebenswerk beendet, die Neuübersetzung der fünf großen Romane von Dostojewskij, die fünf Elefanten genannt. Als junge Frau arbeitete sie als Dolmetscherin für die Deutschen im besetzten Kiew, verließ die Ukraine 1943 mit den deutschen Truppen und kehrte Zeit ihres Lebens nie mehr dorthin zurück. Zum Ende ihres Lebens hin ist Swetlana Geier an die unbetretbaren Orte ihrer Geschichte zurückgekehrt.
Der Film verwebt Swetlana Geiers Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlich tätigen Frau nach.
Plastic Planet
Österreich, Deutschland 2009, Regie: Werner Boote, 95 Min, dt.
Die Brotbox, die Plastikflasche, das Plastikspielzeug - wie gut kennen wir die alltäglichsten Dinge wirklich und wie sicher sind sie? Was machen wir aus Plastik und was macht das Plastik mit unserer Welt? Wer ist verantwortlich für die Müllberge in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei? Und wer verliert? Plastik ist billig und praktisch. Plastik ist ein Teil unserer Welt, es ist ein Teil unserer Gesellschaft und buchstäblich ein Teil von uns selbst. Plastik ist überall! In den Weltmeeren findet man sechsmal mehr Plastik als Plankton, mit der bisher produzierten Kunststoffmenge ließe sich sechsmal die gesamte Erde einpacken und sogar in unserem Blut ist Plastik nachweisbar. Regisseur Werner Boote, dessen Großvater ein Pionier der Plastikindustrie war, recherchierte über zehn Jahre lang die Folgen der Errungenschaft, die die Welt verändert hat. In „Plastic Planet“ sucht Boote weltweit nach Antworten und deckt erstaunliche Fakten und unglaubliche Zusammenhänge auf. Mit eindrucksvollen Beispielen, wissenschaftlichen Interviews und faszinierenden Begegnungen zeigt die investigative Dokumentation die globale und hautnahe Bedrohung auf, die von Kunststoffen in jeder Form ausgeht und nimmt uns mit auf eine knallbunte Reise in die schöne neue Plastikwelt.
Hotel Sahara
7915 km - Auf den Spuren der Rallye nach Dakar

























