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Moderner Siedlungsbau in Braunschweig

 (Foto: Dieter Heitefuß)
(Foto: Dieter Heitefuß)

Alle neuen Siedlungen der Stadterweiterung für Braunschweig wurden in dem seit der Jahrhundertwende modernen, europäischen System der „Satelliten-" oder "Trabantenstädte“ geplant und ausgeführt. Dieses sind neue, in sich geschlossene Wohngebiete mit eigener Versorgung und Infrastruktur, die jeweils im Abstand zu der Kernstadt angelegt und nach Möglichkeit von einem Grüngürtel gerahmt sein sollten. Alle Siedlungen unterscheiden sich in Art, Größe, Bauweise und Bevölkerungsstruktur.

Die Planung für Braunschweigs Stadterweiterung und die Innenstadtsanierug - die hauptsächlich in dem Viertel westlich der Andreaskirche bessere Wohnverhälnisse schuf - oblag Hermann Flesche, Architekturprofessor an der TH Braunschweig.

Auch die Siedlung Lehndorf beruht auf der durchdachten städtebaulich ausgefeilten Planung von Flesche aus den frühen 30-er Jahren.

Leider sind in den Kriegs- und Nachkriegswirren sämtliche Planungsunterlagen auch für Lehndorf nachweisbar verloren gegangen.

Braunschweig hatte innerhalb weniger Jahre zuerst die Siedlung des Siegfriedviertels, den Bebelhof, die sogenannte Gartenstadt, die Südstadt als Siedlung Mascherode und ebenso die Siedlung Lehndorf erhalten, um das rasche Anwachsen der Großstadt, die wachsende Industrie und neue Bewohner aufzufangen.

Zum Umfang der Siedlung Lehndorf sei angefügt, dass das Reichssiedlergesetz von 1919 (!) als wichtigen Paragrafen das Verbot enthält, Neusiedlungen auf vorherigem Bauernland zu errichten. Dieses Gesetz beeinflusste die größten der Braunschweiger Siedlungen Lehndorf und Mascherode, die auf dem alten klösterlichem Besitz des Kreuzklosters und des Klosters Riddagshausen entstanden.

Gartensiedlung und Selbstversorgung

Gartenbau 1935 (Fotograf unbekannt)
Gartenbau 1935
(Fotograf unbekannt)

Die grassierenden Hungersnöte und Erfahrungen des 1. Weltkrieges hatten bahnbrechende Neuerungen für den Städtebau in ganz Europa zur Folge. Der Gedanke war zum Mindesten in den Vorstädten und Neusiedlungen eine annähernde Selbstversorgung der Bevölkerung durch geeignete Planungen zu gewährleisten. Dazu gehörten eigene Gärten für die Bewohner zur Anzucht von Obst und Gemüse und die Unterbringungsmöglichkeit von Kleintieren.

Bereits in den 20er Jahren wurden in Deutschland erste Neubausiedlungen unter diesen Vorgaben gebaut, die eine Gesundung der Kinder und der zuvor oft rachitischen Stadtbevölkerung ermöglichten.

Erst die Übernahme dieser Ziele durch die Organisationen des Nationalsozialismus, besonders unter dem Schlagwort „Blut und Boden“, versuchte diese allgemeingültigen Ziele zu annektieren und als nationalsozialistische Neuerung für den Städtebau zu propagieren.

Daß diese allgemeinen städtebaulichen Neuerungen der frühen Jahre unter dem Aspekt der gesicherten Eigenversorgung und des gesunden Wohnens der Bevölkerung entstanden waren verhinderte nicht, junge Siedlungen als typisch nationalsozialistisch zu erklären.

G. Ruben

 

Hinweis:

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