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Wärmedämmung und Gebäudesanierung

 (© Bauherren Schutzbund e.V.)
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Die Bundesregierung möchte bis 2020 den Primärenergiebedarf im Gebäudebestand um 20 Prozent reduzieren. Dazu soll sich die Anzahl der jährlich energetisch sanierten Gebäude verdoppeln. Über günstige Kredite, Investitionszuschüsse und Aufklärung soll die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zur Bestandssanierung erhöht werden.
Manchmal überwiegen noch hemmende Faktoren wie die Angst vor dem Umbau, der zusätzliche Stress, die Unkenntnis über geeignete Maßnahmen oder ästhetische Aspekte. Mehr Klarheit über die richtigen Schritte lässt sich durch das vorherige Einholen von Informationen (bspw. thermografische Aufnahmen) und das zu Rate ziehen eines/-r Sachverständigen gewinnen.

 (© Bauherren Schutzbund e.V.)
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Etwa 75 Prozent des privaten Energieverbrauchs wird fürs Heizen und die Warmwasserbereitung benötigt. Daher kann durch eine wirksame Wärmedämmung, idealerweise kombiniert mit einer modernen Heizungsanlage, ein erhebliches Einsparpotenzial erschlossen werden. Einsparungen von 50 Prozent des Wärmebedarfs sind möglich.

 (© Bauherren Schutzbund e.V.)
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Der erste Schritt sollte immer der Gang zu einer professionellen Beratung sein. Hierzu bietet die „Deutsche Energie-Agentur“ eine Liste von Energieeffizienzexperten an.

Wo sollte gedämmt werden?

Die Wärme in Gebäuden geht vor allem über das Dach, die Außenwände und die Fenster verloren. Verschiedene Dämmmaßnahmen sind möglich, um diesen Wärmeverlust zu vermindern. Gängig ist beispielsweise die Außendämmung mit einem Wärmedämmverbundsystem oder eine "Kerndämmung", bei der die Hohlschicht der Außenwand mit Dämmmaterial gefüllt wird. Je nach speziellen Gegebenheiten können möglicherweise auch die oberste Geschossdecke und die Kellerdecke gedämmt werden. Eine Dämmung der obersten Geschossdecke ist oft billiger als die Dämmung des kompletten Dachstuhls.

Die vielfältigen Dämmstoffe aus unterschiedlichsten Materialien werden als Schüttungen, Bahnen oder Platten hergestellt oder als lockeres Material eingeblasen. Ausschlaggebend für die Eignung als Dämmstoff ist seine jeweilige Wärmeleitfähigkeit. Zum Vergleich werden Dämmmaterialien in Wärmeleitgruppen (WLG) eingeteilt. Es gilt: je niedriger die WLG, desto besser die Dämmung, desto dünner kann die Dämmschicht sein.

Welche Dämmmaßnahmen für den individuellen Fall geeignet sind, ist aufgrund des vielfältigen Angebotes für den „Laien“ schwer zu beurteilen. Daher sollte immer eine fachkundige Beratung hinzugezogen werden.

Neben Einspareffekten und der Wirtschaftlichkeit ist auch von Bedeutung, ob ein Dämmstoff gesundheitlich unbedenklich und umweltfreundlich ist. Künstliche Dämmstoffe besitzen besonders gute Wärmedämmwerte. Im Vergleich zu natürlichen Materialien können sie jedoch gesundheitlich und ökologisch nachteilig sein. Deshalb erkundigen Sie sich: Ist das Produkt aus Erdöl, werden Schadstoffe bei der Herstellung frei, können die Materialien später problemlos entsorgt werden? Natürliche oder naturnahe Dämmstoffe können da eine Alternative sein, sofern sie von den Materialeigenschaften für den jeweiligen Zweck geeignet sind und fachlich richtig eingebaut werden. Sie werden aus natürlichen Rohstoffen mit meist geringem Energieaufwand hergestellt und gesundheitsschonend verarbeitet. Dazu zählen unter anderem nachwachsende Rohstoffe wie Flachs, Hanf, Holzfasern, Kokosfasern, Kork, Schafwolle und Stroh. Diese Dämmstoffe zeichnen sich durch günstige baubiologische Eigenschaften aus, wirken feuchtigkeits- und schallregulierend und tragen so zur Verbesserung des Raumklimas bei.

Unterschiedliche Wärmeverluste in einem saniertem und unsaniertem Gebäude (© Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena))
Unterschiedliche Wärmeverluste in einem saniertem und unsaniertem Gebäude
(© Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena))

Dach

 (© Rainer Sturm / PIXELIO)
(© Rainer Sturm / PIXELIO)

Da warme Luft nach oben steigt, geht über das Dach viel Wärme verloren. Durch Aufbringung einer entsprechenden Dämmung kann diesen Wärmeverlusten effektiv vorgebeugt werden. Unterschiedliche Materialien können in Form einer Auf-, Zwischen- oder Untersparrendämmung angebracht werden. Für die Auswahl des richtigen Verfahrens spielen neben baulichen und finanziellen Möglichkeiten einfache Grundüberlegungen eine Rolle: Wird das Dachgeschoss wohnwirtschaftlich genutzt? Muss das Dach demnächst ohnehin erneuert werden? Findet ein Dachausbau statt?

Im Falle eines nicht-bewohnten Dachgeschosses ist die Dämmung der obersten Geschossdecke in der Regel die günstigste Variante. Schließlich ist es nicht nötig, einen ungenutzten Dachraum mit zu heizen. Bei einer Dacherneuerung kann der Dämmstoff gleich unter den neuen Pfannen verlegt und gleichzeitig auch Solaranlagen in die Eindeckung integriert werden!

Bei der Sanierung schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) gewisse Mindeststandards vor. Weiterführende Informationen finden Sie hier!

Außenwände

Die Fassade bietet eine große Angriffsfläche für Wind und Wetter. Werden ohnehin Erneuerungsarbeiten an der Fassade - wie zum Beispiel Putzarbeiten, Anstrich oder neue Fenster – durchgeführt, lassen diese sich gut mit einer Wärmedämmung verbinden. Sind keine derartigen Arbeiten geplant, kann auch eine Zwischendämmung durchgeführt werden. Dabei bleibt die Fassadenform erhalten.

Generell ist bei einer Fassadendämmung zu beachten: Alle Bauteile, die die Dämmung durchbrechen, lenken die Wärme nach draußen. Bekannte Beispiele sind Balkone oder Rolllädenkästen, Fenster oder Türen. Zur Vermeidung von Wärmebrücken sollten Spezialisten/-innen befragt werden. Im Gebäudebestand decken thermografische Aufnahmen solche Energiefresser auf!

Fenster

Fenster mit Ein- oder Zweifach-Verglasung sind echte Energieschleudern: Bis zu 25 Prozent der Hauswärme gehen durch zugige Fenster verloren. Moderne Rahmen mit Wärmeschutzverglasung steigern den Komfort und sparen viel Geld fürs Heizen. Passivhausfenster verfügen über drei Scheiben und einen besonders gut gedämmten Rahmen. Auch moderne, gedämmte Haustüren halten die Wärme zuverlässig im Haus.

 (© Bauherren Schutzbund e.V.)
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Wasser kondensiert am kühlsten Punkt
Bei einer Fenstersanierung müssen die neuen Scheiben unbedingt an die Bausubstanz angepasst werden. Sind die Fenster besser gedämmt als die Wände, kann die Feuchtigkeit in der Raumluft an den Wänden kondensieren und zur Feuchtigkeitsbildung führen. Dadurch besteht an den Wänden eine erhöhte Gefahr der Schimmelbildung.

Erdreich/Keller

Gerade vom Keller her kann viel Kälte in ein Haus eindringen. Für unbeheizte Kellerräume reicht es, die Kellerdecke zu dämmen. Wenn der Keller jedoch als Wohn- oder Arbeitsraum genutzt wird, sollten Kellerboden und -wände nachhaltig gedämmt werden – wenn nötig, auch von außen.

Gute Beispiele aus Braunschweig

In vielen öffentlichen Gebäuden der Stadt Braunschweig wurden und werden kontinuierlich Sanierungsmaßnahmen unter energetischen Gesichtspunkten durchgeführt. So erfolgte ein Austausch von Fenstern und/oder nachträgliche Wärmedämmung z. B. in der Johannes-Selenka-Schule, der BBS V, Museum Steintorwall, GS Lindenbergsiedlung, IGS Querum, GS Melverode, Wilhelmgymnasium, GS Stöckheim, GS/HS Schuntersiedlung, Sportanlage Rüningen, Kita Schapen, Sportanlage Rote Wiese.

Tipps:

  • Wärmedämmung muss bauphysikalisch richtig in das Gesamtgefüge eines Gebäudes eingeplant werden. Ziehen Sie deshalb immer Fachleute zurate.
  • Denken Sie daran, die Fenster und Türen auf einen entsprechend guten Standard zu bringen.
  • Achten Sie im neu gedämmten Haus darauf, regelmäßig und richtig zu lüften.
  • Umfassende Informationen rund um das Thema Sanieren einschließlich möglicher Fördermittel, rechtliche Informationen und Expert/-innen liefert Ihnen die Deutsche Energie-Agentur (dena) über das Portal „Zukunft-Haus“.

Die eigene Sanierung vorplanen

Einen Sanierungskonfigurator bieten die Bundesministerien für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie Wirtschaft und Technologie an. Er hilft ihnen abzuschätzen, welche Sanierungsmaßnahmen an einem Wohngebäude zu welcher Energieeinsparung führen, welche Kosten damit verbunden sind und welche staatlichen Förderprogramme finanzielle Unterstützung bieten.