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Luftreinhalte- und Aktionsplan Braunschweig

Ein rechtsgültiger Luftreinhalte- und Aktionsplan für Braunschweig liegt seit Mai 2007 vor. Die Stadt Braunschweig hat eine Fortschreibung erarbeitetet, die vom 31. Juli bis zum 30. August 2007 ausgelegen hat. Einige Maßnahmen der Fortschreibung wurden in den Ratsgremien kontrovers diskutiert. So wurde der zunächst vorgesehene Anschluss- und Benutzungszwang für Fernwärme im Innenstadtbereich nicht eingeführt, sondern ein Vorranggebiet für Fernwärme in der Innenstadt festgelegt, in dem die Ausweitung der Fernwärmeanschlüsse durch ein aktives Förderprogramm erreicht werden soll. Andere in der Fortschreibung vorgesehene Maßnahmen wurden im Januar 2008 beschlossen als „Vorgezogenen Umsetzung von Einzelmaßnahmen“ und zum Teil bereits umgesetzt.

Durch die umgesetzten Maßnahmen sind in den vergangenen Jahren die Jahresmittelwerte für Feinstaub (PM10) und Stickoxide (NO2) in Braunschweig gesunken. Seit 2007 hat es keine Überschreitung der zulässigen Überschreitungstage für den Schadstoff Feinstaub (PM10) in Niedersachsen gegeben. Trotz erreichter Reduzierung wird leider der Jahresgrenzwert für NO2 in Braunschweig noch nicht überall sicher eingehalten.
Weitestgehend alle Großstädte Europas sind nicht in der Lage diesen Grenzwert einzuhalten. In Niedersachsen betrifft dies Hannover, Osnabrück, Oldenburg, Hameln und Hildesheim.

Messcontainer (© Stadt Braunschweig)
Messcontainer
(© Stadt Braunschweig)

Aufgrund der in Braunschweig gemessenen NO2-Überschreitung des Jahresmittelwertes 2010 war die Beantragung einer Fristverlängerung bei der EU obligatorisch. Nach der Genehmigung der Fristverlängerung durch die EU wurde eine temporäre Überschreitung des Grenzwertes um bis zu 50 % bis zum Jahre 2015 legalisiert.

Auf der Grundlage von aktualisierten Daten hat das staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim, als zuständige Stelle des Landes Niedersachsen, im Jahre 2011 eine modellgestützte Voruntersuchung über die Schadstoffbelastung in Braunschweig durchgeführt. Aufgrund der Berechnungen konnte seinerzeit davon ausgegangen werden, dass nach Ablauf der Fristverlängerung die bis dato eingeleiteten und sich auch weiterhin in der Umsetzung befindenden Maßnahmen der Stadt Braunschweig (u.a. aus dem Luftreinhalte- und Aktionsplan) voraussichtlich ausreichen werden, um den Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) ab dem Jahr 2015 einzuhalten. Kontraproduktiv wirkt sich jedoch die stetig steigende Zahl von Diesel-Pkw aus.

Nach den vom Land Niedersachsen bekanntgegebenen Jahresmittelwerten für das Jahr 2016 stellt sich heraus, dass der Grenzwert für NO2 auch an den bekannten höchstbelasteten Streckenabschnitten am Bohlweg, in Höhe des Rathaus-Neubaus und am Altewiekring zwischen Jasperallee und Husarenstraße den Grenzwert von 40 µg/m³ knapp einhalten. Trotzdem bedeutet die aktuelle Einhaltung noch keine Entwarnung, da für eine sichere und dauerhafte Einhaltung weitere NO2-Minderungen erforderlich werden könnten, bei weiterhin steigenden Dieselfahrzeug-Anteilen oder bei schlechterer Durchlüftung durch geringere Windstärken. Zu Beginn der Messungen am Bohlweg im Jahr 1994 hat der NO2-Jahresmittelwert bei 73 µg/m³ gelegen; 60 Mikrogramm waren es 2004 vor Beginn des Bohlweg-Umbaus gewesen. Am Altewiekring wurde der Jahresgrenzwert für NO2 hingegen zum wiederholten Mal knapp eingehalten.

Als Hauptgrund für NO2-Grenzwertüberschreitungen führt die Bundesregierung an, dass die Stickoxid-Emissionen von Fahrzeugen im realen Fahrbetrieb deutlich höher liegen, als mit der kontinuierlichen Verschärfung der Abgasgrenzwerte auf Ebene der Europäischen Union zu erwarten gewesen wäre. Dies trifft in erster Linie auf Diesel-Kraftfahrzeuge und besonders Diesel-Pkw und kleine Lkw zu, deren Anteil in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen hat (1999 belief sich der bundesdurchschnittliche Diesel-Anteil an den Pkw auf 13,2 %, 2014 hingegen auf 30,1%).

Trotz der - mittlerweile bekannten - deutlichen Emissionsüberschreitungen von Diesel-Pkws der Euro 4, Euro 5 und Euro 6-Klasse im Realfahrbetrieb und dem permanent gestiegenen Diesel-Pkw-Anteil ist es in den letzten Jahren gelungen die Luftbelastung mit Stickstoffdioxid im Stadtgebiet zu senken.

Hier finden Sie den gültigen Luftreinhalte- und Aktionsplan Braunschweig (2007), den Beschluss des Verwaltungsausschusses der Stadt Braunschweig zur vorgezogenen Umsetzung von Einzelmaßnahmen (2008), sowie Links zu weiteren wichtigen Veröffentlichungen zur Luftreinhaltung in Braunschweig.