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Fledermäuse im Dorf: Beispiel Hondelage

Luftbild von Hondelage (Dr. B. Hoppe-Dominik)
Luftbild von Hondelage

Hondelage liegt im Nordosten Braunschweigs und gliedert sich in einen alten Dorfkern und einen neuen Teil. Im alten Dorfteil dominieren mittlere bis große landwirtschaftliche Gehöfte. Den Großteil des Dorfes machen mittlerweile Mehr- und Einfamilienhäuser aus. Dazwischen sind Gärten mit zum Teil hoch aufgewachsenen Bäumen oder parkähnliche Anlagen wie der Kirchgarten, der Friedhof, Streuobstwiesen oder Grünanlagen zu finden. Die nähere Umgebung Hondelages zeichnet sich weitgehend durch strukturarme, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Grünland oder Kleingewässer aus.

Auch in Hondelage ist seit Mitte der 1980er Jahre ein verstärkter Trend zu beobachten, alte Dachböden oder Scheunen umzubauen oder abzureißen. Zudem werden zunehmend ungenutzte Dachböden der Wohngebäude zu Wohnungen ausgebaut. Dennoch konnten in Hondelage Fledermäuse nachgewiesen werden.

Erfassungsmethoden

Quartiere in Altgebäuden (Dr. B. Hoppe-Dominik)
Quartiere in Altgebäuden

Die Untersuchungen in Hondelage fanden 1999 statt. Dabei wurden im Mai und Juli jeweils ein Kartierungsdurchgang und im Juni zwei Kartierungsdurchgänge mit so genannten Bat-Detektoren und Halogenscheinwerfern durchgeführt. Um die Aktionsraumnutzung der Tiere erfassen zu können, fanden die Kartierungen im Abendbereich von Sonnenuntergang bis circa Mitternacht an Tagen mit leichtem Regen bzw. bei trockener Witterung und Temperaturen über 10°C statt. Ergänzend erfolgte Ende Juni die Erfassung von schwärmenden Fledermäusen in der zweiten Nachthälfte, deren Schwerpunkt auf der Erfassung schwärmender Fledermäuse vor ihren Quartieren lag. An jeder Kartierung nahmen drei bis vier Beobachter teil.

Zusätzlich wurde die Bevölkerung durch Aushänge und direkte Befragung in die Untersuchungen zu Fledermausvorkommen in Hondelage einbezogen.

Ergebnisse der Untersuchungen

Streuobstwiese (Dr. B. Hoppe-Dominik)
Streuobstwiese

In Hondelage konnten mindestens sieben verschiedene Fledermausarten nachgewiesen werden. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die Zahl der im Gebiet auftretenden Arten höher liegt. Insgesamt gelangen 109 identifizierbare Fledermauskontakte. Dabei dominierend war die Zwergfledermaus mit fast 60% der registrierten Feststellungen, gefolgt von der Breitflügelfledermaus mit fast 15%.

Auch die Ermittlung von Fledermausquartieren in Hondelage hat zu positiven Ergebnissen geführt. Durch die Befragung und aktive Mitarbeit der Bevölkerung konnten fünf weitere Meldungen jagender Fledermäuse und acht Meldungen zu ehemaligen oder noch bestehenden Quartieren erzielt werden. Für mindestens vier Arten gelang im Dorfbereich der Nachweis bestehender Quartiere, davon für mindestens eine Art ein genutztes Winterquartier. Insgesamt wurden während der gesamten Untersuchung 25 bestehende Fledermausquartiere erfasst. Die Tabelle zeigt eine Zusammenfassung der im Rahmen der Untersuchung gefundenen Fledermausarten in Hondelage.


Fledermausarten Kontakte
deutsche Bezeichnung wissenschaftlicher Name  
Großes Mausohr Myotis myotis 0
Wasserfledermaus Myotis daubentonii 5
Bartfledermaus Myotis mystacinus/M. brandtii 15
Myotis-Art Myotis spec. 1
Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus 65
Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus 16
Großer Abendsegler Nyctalus noctula 5
Kleiner Abendsegler Nyctalus leisleri 2
Braunes Langohr Plecotus auritus 0
Langohr Plecotus auritus/P. austriacus 1
unbestimmte Art   (17)
Kontakte insgesamt 109

Die in der Untersuchung festgestellte Raumnutzung der angetroffenen Arten konzentrierte sich vornehmlich auf den engeren Dorfbereich von Hondelage, wobei bevorzugte Jagdgebiete reich strukturierte (Obst-)Gärten, Laternen bestandene Straßen sowie parkähnliche Dorfbereiche waren. Außerhalb des Dorfes konnten Fledermäuse vornehmlich im Bereich der Schunter nachgewiesen werden. Eine Nutzung der angrenzenden Feldmark durch jagende Fledermäuse konnte nicht registriert werden.

Bewertung der Ergebnisse

Dorfteich als Tränke (Dr. B. Hoppe-Dominik)
Dorfteich als Tränke

Hondelage bietet für Gebäude bewohnende Fledermäuse aufgrund der noch gegebenen Anteile alter Bausubstanz und der vorherrschenden Mehr- und Einfamilienhäuser eine Vielzahl von Quartiermöglichkeiten, darunter auch mindestens ein Winterquartier. Im Verlauf der letzten Jahre fand durch verschiedene Naturschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel durch Pflanzung einer Streuobstwiese, Anlage verschiedener Kleingewässer, Renaturierung der Dorftränke sowie durch das inzwischen stattgefundene Aufwachsen der Gärten im neuen Dorfteil, eine Verbesserung bezüglich der Qualität der Jagdhabitate statt.

Daher besitzt Hondelage eine sehr hohe Bedeutung für Fledermäuse. Dies belegt unter anderem auch das Vorkommen der Breitflügelfledermaus und der stark gefährdeten Bartfledermaus.

Empfehlungen für Maßnahmen

Lineare Strukturen (Dr. B. Hoppe-Dominik)
Lineare Strukturen

In dörflicher Umgebung sind der Erhalt und die Förderung der Fledermausbestände von einem ausreichenden Angebot an Sommer- als auch an Winterquartieren abhängig. Eine ebenfalls große Rolle spielen die Jagdgebiete. Auch diese sollten erhalten bzw. entwickelt werden, um Fledermäusen genügend Nahrung zur Verfügung zu stellen. Eine Möglichkeit wäre weitere Obstgärten und Kleingewässer anzulegen oder bisher naturferne Gehölzsäume umzustrukturien.

Allgemein lassen sich folgende Empfehlungen für Maßnahmen zum Erhalt von Fledermausvorkommen in dörflichen Strukturen geben:

  • Erhalt älterer Bausubstanz als Quartier,
  • Förderung dörflicher und dorfnaher Grünzonen als wertvolle Jagdreviere,
  • Schaffung linearer Gehölzstrukturen zur Verbindung von Feldmark und Wohngebieten.