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Fledermäuse im Wald: Beispiel Querumer Forst

© Dr. B. Hoppe-DominikLichter Wald in Querum

Da Erfassungen von Fledermausvorkommen in Waldstrukturen in Braunschweig nahezu vollständig fehlten, wurde im Jahr 2001 eine Teilfläche des Querumer Forstes betrachtet. Die Untersuchung bezog sich auf den Bereich des Querumer Forstes, der im Norden von der BAB 2, im Süden vom Stadtteil Querum, im Westen vom Stadtteil Kralenriede sowie im Osten vom Industriegebiet Hondelage begrenzt wird.

Der Waldbestand in diesem Gebiet zeichnet sich durch eine sehr heterogene Struktur aus. Großflächige ältere, meist von Eichen dominierte Bestände befinden sich lediglich nordöstlich der Bevenroder Straße sowie im Südwesten des Untersuchungsgebietes. In weiten Bereichen dominieren Nadelwaldbestände, lediglich im Osten befinden sich meist jüngere Laubwaldbestände. Des Weiteren umfasst das Gebiet Erlenbestände, eine Reihe kleinerer Gewässer und angrenzende Feuchtwiesen.

© F. Leo/ T. PröhlFledermauskasten

Erfassungsmethoden

Im Rahmen der Untersuchungen erfolgten Detektorerfassungen, Netzfänge sowie Kastenkontrollen. Die drei Bat-Detektor-Erfassungen wurden an trockenen Tagen mit Lufttemperaturen über 15°C Anfang Mai mit drei Personen, Mitte Juni und Anfang August mit je einer Person von Sonnenuntergang bis Mitternacht durchgeführt.

In ausgewählten Bereichen fanden Netzfänge statt, die Ende Mai und Ende Juni durchgeführt wurden und sich auf Stillgewässer des Untersuchungsgebietes beschränkten. Dabei wurden insgesamt fünf Puppenhaarnetze einer Länge von fünf bzw. zehn Metern in einer Höhe von einem bis sechs Metern von Sonnenuntergang bis Mitternacht angebracht.

Fledermausflachkästen konzentrierten sich in einer Niederung des Waldbaches im Südwesten sowie am Nordwestrand des Untersuchungsgebietes. Kastenkontrollen erfolgten Ende Juni sowie Mitte August. Auf eine Artbestimmung durch Entnahme wurde in der Wochenstubenzeit Ende Juni verzichtet.

© F. Leo/ T. PröhlWasserfledermaus

Ergebnisse der Untersuchungen

Insgesamt wurden im Untersuchungsgebiet des Querumer Forstes mindestens sieben verschiedene Fledermausarten nachgewiesen. Das Vorkommen weiterer Arten ist nicht auszuschließen. Damit konnte im Rahmen der Untersuchung mit Ausnahme einer Art (der Fransenfledermaus) das typische Fledermausartenspektrum von Wirtschaftswäldern nachgewiesen werden. Genaue Individuenzahlen der jeweiligen Artvertreter wurden nicht bestimmt. Die folgende Tabelle gibt jedoch eine Übersicht über die im Rahmen der Untersuchungen nachgewiesenen Arten.

Fledermausarten
deutsche Bezeichnung wissenschaftlicher Name
Wasserfledermaus Myotis daubentonii
Große Bartfledermaus Myotis brandtii
Bartfledermaus Myotis mystacinus/M. brandtii
Myotis-Art Myotis spec.
Großer Abendsegler Nyctalus noctula
Kleiner Abendsegler Nyctalus leisleri
Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus
Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus
Braunes Langohr Plecotus auritus

Ein Reproduktionsnachweis konnte lediglich für eine nicht näher bestimmte Bartfledermausart in einem Fledermauskasten erbracht werden. Dort hielten sich ca. 20 Alttiere zum Untersuchungszeitpunkt auf.

Alle anderen Arten konnten bei der Jagd im Untersuchungsgebiet beobachtet werden. Dabei konzentrierte sich die Feststellung der jagenden Individuen auf Randbereiche der Wälder, Gewässer und Wiesenbereiche. Die Jagdaktivität der Fledermäuse war in den Nadelwaldbeständen am niedrigsten.

Jagende Zwergfledermäuse konnten im gesamten Untersuchungsgebiet regelmäßig entlang der Wege sowie über den Stillgewässern festgestellt werden.

Breitflügelfledermäuse konzentrierten sich auf die Waldwiesen im Südwesten bzw. Osten sowie auf angrenzende Straßenlaternen im Bereich Querum. Insbesondere die Waldwiesen wurden in den frühen Abendstunden intensiv zur Jagd genutzt, da sie den von dieser Art zur Jagd bevorzugten scharfen Übergängen von niederrasigen zu baumbestandenen Strukturen ideal entsprechen.

© F. Leo/ T. PröhlKleiner Abendsegler

Die Kontakte der beiden Abendseglerarten Großer Abendsegler und Kleiner Abendsegler beschränkten sich auf kurz über dem Waldbereich jagende Individuen.

Die Wasserfledermaus konnte vereinzelt über einem größeren Gewässer im Südwesten des betrachteten Gebietes nachgewiesen werden. Etwas außerhalb des Untersuchungsgebietes konnten hingegen über einem großen Teich am Waldrand verstärkt Wasserfledermäuse beobachtet werden.

Die Große Bartfledermaus wurde mit einem Männchen an einem Waldweiher im Südwesten durch einen Netzfang nachgewiesen. Weitere 30 Bartfledermäuse, die sich im Detektor jedoch nicht auf Artniveau differenzieren ließen, wurden beobachtet. Der Nachweis eines Quartiers dieser Fledermäuse gelang ebenfalls. Nicht näher bestimmbare Arten der Gattung Myotis konnten vor allem vereinzelt im Inneren der älteren Eichenbestände des Untersuchungsgebietes festgestellt werden.

Das Vorkommen des Braunen Langohrs wurde durch den Netzfang eines Männchens und durch zwei Funde in Vogelkästen in der Nähe eines Waldweihers im Südwesten des Untersuchungsgebietes gezeigt.

© F. Leo/ T. PröhlGroße Bartfledermaus

Bewertung der Ergebnisse

Es lassen sich auf Grund der begrenzten Untersuchungsmöglichkeiten nur eingeschränkt Aussagen über die Bedeutung des Gebiets für die Vorkommen von Fledermäusen machen. Im Rahmen der Untersuchungen konnte das typische Artenspektrum für Wirtschaftswälder ermittelt werden. Der Nachweis der stark gefährdeten Großen Bartfledermaus sowie die angetroffenen Waldstrukturen im Südwesten des Untersuchungsgebietes deuten auf eine potenziell höhere Bedeutung von Teilen des Untersuchungsgebietes für Fledermäuse hin.

© Dr. B. Hoppe-DominikErhalt von Totholzbäumen

Empfehlungen für Maßnahmen

Der Schutz im Wald lebender Fledermäuse ist im Wesentlichen an den Erhalt bzw. die Schaffung von für die jeweiligen Arten geeigneten Waldstrukturen gebunden. Mittelfristig sollte daher eine Umgestaltung der bestehenden Nadelwaldbestände in einen standorttypischen Wald erfolgen. Die bereits begonnene verstärkte Anpflanzung von Eichenbeständen, der Erhalt von im Laubwaldbereich vorhandenem Alt- und Totholz sowie Höhlenbäumen sollte beibehalten werden. Durch diese Maßnahmen können Habitat- und Quartierverhältnisse für die Fledermäuse verbessert werden. Auch für das Nahrungsangebot führt dies mittelfristig zu einer Verbesserung.

Kurzfristig kann aufgrund der Dominanz von Nadelwäldern bzw. des weitestgehend niedrigen Bestandsalters das Quartierangebot durch weiteres Anbringen von Fledermauskästen erhöht werden.