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Wiedereinbürgerung?

© Stadt Braunschweigkleines Wehr an der Wabe

Zum Thema Wiedereinbürgerung gefährdeter Großmuschelarten gibt es unterschiedliche Ansichten, die auf der individuellen Abwägung von Vor- und Nachteilen eines Gen-Austausches zwischen unterschiedlichen Populationen beruhen.

Unserer Ansicht nach ist die Wiedereinbürgerung der Abgeplatteten Teichmuschel und der Bachmuschel derzeit besonders kritisch zu verfolgen. Von beiden Arten gibt es je eine deutlich unterscheidbare norddeutsche Rasse Pseudanodonta complanata kletti bzw. Unio crassus crassus. Dies beruht auf der geringen Mobilität der Großmuscheln, wodurch meist sehr lokale Rassen und Standortformen ausgebildet werden. Durch das isolierte Vorkommen an verschiedenen Gewässerstandorten haben sich die Muscheln im Laufe der Zeit an die standortspezifischen Lebensbedingungen angepasst.

Ein Gen-Austausch zwischen lokalen Rassen bzw. Standortformen und standortfremden Individuen sollte daher nicht angestrebt werden. Mit Fischbesatz - mit den an den Kiemen und Flossen haftenden Glochidien der Muscheln - gelangten in neuerer Zeit viele standortfremde Formen in die Gewässer und führten zu einer Vermischung und Verfremdung der (noch) bestehenden Bestände. Daneben setzen Angler und Fischer Muscheln in unserer Region häufig in Stillgewässern auch gezielt aus. In den Auebereichen kann es dabei durch Hochwasser zu einem unvermeidbaren Gen-Austausch kommen. Nicht immer bedeutet der Gen-Austausch für die Großmuscheln einen Selektionsvorteil. Auch die mögliche Verdrängung der gefährdeten Großmuschelarten durch andere Muschelarten ist zu berücksichtigen.

Entscheidet man sich für eine Wiedereinbürgerung, so sollte diese stets nur mit Muscheln aus dem gleichen Gewässersystem durchgeführt werden. Dies gilt für alle Arten. Die nächsten bekannten Fundorte der Abgeplatteten Teichmuschel liegen in der mittleren Aller, von der Bachmuschel bestehen isolierte Vorkommen in einzelnen Heidebächen. Auf Muscheln aus dem nahe gelegenen Mittellandkanal bzw. Stichkanal Salzgitter sollte auf keinen Fall zurückgegriffen werden, da es sich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit um eingeschleppte Formen handelt.

Die früher weit verbreitete Bachmuschel ist heute eine der am stärksten bedrohten Großmuscheln. Ob unsere Gewässer bereits überhaupt entsprechende Lebensbedingungen aufweisen, ist sehr fraglich. Auf Experimente mit den Restvorkommen sollte verzichtet werden.