Menü und Suche

Nitratbelastung des Grundwassers

Nitrat gelangt vor allem durch eine landwirtschaftliche Bodennutzung und insbesondere die damit verbundenen Stickstoffüberschüsse aus Wirtschaftsdünger und Mineraldünger ins Grundwasser. Regionen mit Intensivtierhaltung und Ackerbau in Kombination mit sehr leicht durchlässigen Böden sind hiervon besonders stark betroffen.

Die Qualitätsnorm für das Grundwasser in Bezug auf den Nitratgehalt beträgt nach den Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) 50 Milligramm pro Liter (mg/l). Bei steigenden Trends muss ab einer Nitratkonzentration von 37,5 mg/l über entsprechende Maßnahmen eine Trendumkehr eingeleitet werden. Die Trinkwasserverordnung legt als Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser ebenfalls 50 mg/l fest.

Ministerschreiben aus 2015:

Im Jahre 2015 hatte der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz sämtliche Landräte und Oberbürgermeister über die hohen Nitratwerte im Grundwasser des jeweiligen Zuständigkeitsbereichs informiert. Gleichzeitig hat er darum gebeten, die Ursachen zu recherchieren. Dabei waren in Braunschweig drei Messstellen mit Nitratgehalten >50 mg/l auffällig, nämlich die Landesmessstellen Timmerlah I, Leiferde (BS) I und Riddagshausen.

Situation in Braunschweig:

Um die Ursache und das Ausmaß der Nitratbelastung in Braunschweig näher einzugrenzen, hat die Stadt Braunschweig Anfang des Jahres 2016 insgesamt 30 Grundwassermessstellen im Stadtgebiet auf Nitrat untersuchen lassen. Dabei wurden jeweils 10 Messstellen auf Ackerstandorten, auf Grünflächen und in Siedlungsbereichen beprobt und analysiert. Die Standorte dieser Messstellen sowie der Landesmessstellen finden Sie hier. Diese Karte stellt sowohl die Landesmessstellen als auch die durch die Stadt untersuchten Grundwassermessstellen dar. Messstellen an denen der Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l überschritten wird, sind durch einen roten Blitz besonders hervorgehoben. Die zugehörigen Analyseergebnisse können Sie hier einsehen.

Die Trinkwassergewinnung des Wasserwerks Bienroder Weg ist im Übrigen nicht von der Nitratproblematik betroffen.

Das Ergebnis der städtischen Untersuchung lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Ackerbereich:
6 von 10 Messstellen im Ackerbereich weisen Nitratbelastungen größer als 50 mg/l auf. Drei von diesen Messstellen zeigen sogar Gehalte von mehr als 100 mg/l.

Grünflächen:
Keine Messstelle in einer Grünfläche weist Nitratgehalte über 50 mg/l auf. Diese Flächen stehen bei der weiteren Suche nach den Ursachen zunächst nicht weiter im Fokus.

Siedlungsbereich:
Eine von 10 Messstellen, die Messstelle IN 96, weist eine Belastung über 50 mg/ l auf. Der Gehalt ist mit 60,2 mg/l auffällig im Vergleich zu den übrigen Messstellen im Siedlungsbereich, liegt aber deutlich unter den in den Ackerbereichen gemessenen Werten.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass eine Düngung die Ursache ist. Es scheint sich um ein lokales Problem zu handeln. Der Ursache wird nachgegangen, indem zunächst die Entwässerungssituation überprüft wird.

Das Belastungsbild der städtischen Untersuchung deckt sich im Wesentlichen mit den Ergebnissen einer späteren Untersuchung dieser Messstellen durch Studierende der Technischen Universität Braunschweig im Rahmen eines Praxisprojektes.

Die Stadt hat sowohl die Messdaten als auch Informationen zur Grundwasserfließrichtung und zu dem Gebiet, in dem sich das untersuchte Grundwasser gebildet hat, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen übermittelt.

Um den Ursachen gezielt nachgehen zu können, sind gerade die Bereiche, in denen sich das untersuchte Grundwasser gebildet hat, die sogenannten „Suchräume“, von besonderer Bedeutung. Die Flächennutzungen in diesem Bereich sollten insbesondere unter düngerechtlichen Gesichtspunkten näher untersucht werden.

Im nächsten Schritt wird es deshalb einen „runden Tisch“ mit verschiedenen Vertretern der Landwirtschaft geben, um die exakten Ursachen der Nitrateinträge und die Möglichkeiten ihrer Reduzierung zu diskutieren. In erster Priorität sollen dabei nach Vorgabe des Umweltministeriums die zugehörigen Suchräume der Landesmessstellen betrachtet werden.

Entsprechend einem mit dem Landwirtschaftsministerium abgestimmten Erlass des Nds. Umweltministeriums bieten sich u. a. folgende Handlungsoptionen an, wobei unter dem Begriff „Düngebehörde“ die Landwirtschaftskammer gemeint ist:

  • Bereitstellung von regionsspezifischen Auswertungen des Nährstoffberichtes der Landwirtschaftskammer
  • Bereitstellung von regionsspezifischen Daten des Gewässerkundlichen Landesdienstes
  • Regelmäßige Behördengespräche zur Interpretation der Daten und zur Abstimmung von Maßnahmen
  • Errichtung von Modellbetrieben
  • Einrichtung eines Rundes Tisches aller regionalen Akteure zur Entwicklung von gebietsspezifischen Maßnahmen und für ein kontinuierliches Erfolgsmonitoring
  • Durchführung von risikoorientierten Vor-Ort-Kontrollen nach Vorgaben des Landes z. B. Erfassung von Input-/Output-Berechnungen für Biogasanlagen im Überwachungssystem der Düngebehörde
  • Durchführung von anlassbezogenen Prüfungen durch die Düngebehörde im Einzelfall
  • Durchführung von Überwachungsmaßnahmen in Wasserschutzgebieten zu den Vorgaben der Schutzverordnung
  • Durchführung von Überwachungsmaßnahmen durch die Bauaufsichtsbehörde

Weitere Information zum Thema Nitrat in Niedersachsen finden Sie hier.