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Rainald Goetz, Preisträger 2000

Der in Berlin lebende Schriftsteller Rainald Goetz - 1954 in München geboren - ist zweifellos einer der bedeutensten deutschsprachigen Autoren der mittleren Generation. Sein die Gattungsgrenzen immer wieder sprengendes Werk, das Romane, Erzählungen, Essays, lyrische Prosa, Theaterstücke, Journale, Text-Bildcollagen, Tonträger mit Text-Musik-Kompositionen umfasst, ist in seiner Vielfalt, in seinem radikalen Subjektivismus und seiner Forminnovation beispielgebend für viele Autoren und bereits fester Bestandteil der deutschen Nachkriegsliteraturgeschichte.

Das literarische Werk „Abfall für alle“, dem die Auszeichung mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis insbesondere gilt, ist ein herausragendes Beispiel für die selbstbewusste Formsetzung des Autors. „Abfall für alle“ wurde als elektronisches Tagebuch begonnen, umfasst tägliche Eintragungen, in denen auch Reaktionen auf die elektronische Sofortpublikation eingearbeitet sind, wendet sich den Oberflächen der Pop- und Konsumwelt ebenso zu wie den klassischen intellektuellen Feldern und vor allem der eigenen Bewusstseinsarbeit.
Das Buch, 1999 im Suhrkamp-Verlag erschienen, ist hier eine buchstäbliche Nachträglichkeit zum elektronischen Datenverkehr, und es gewinnt einen nicht geringen Reiz aus der Unmittelbarkeit, die seinem Entstehungsprozess zugrunde liegt; und neben der spontan wirkenden Sprachgewalt natürlich aus dem Mut, mit dem hier eine neue literarische Setzung vorgenommen wird. Zweifellos ist „Abfall für alle“ - wie es die Satzung des Wilhelm Raabe-Literaturpreises vorsieht - ein wichtiges Werk in der Entwicklung des Autors Rainald Goetz.

Die Jury des Wilhelm Raabe-Literaturpreises im Jahr 2000

Prof. Dr. Heinrich Detering
Universität Kiel

Andrea Köhler
Neue Zürcher Zeitung

Ursula März
Frankfurter Rundschau und Die Zeit

Eberhard Rathgeb
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Julia Schröder
Stuttgarter Zeitung

Prof. Dr. Renate Stauf
Seminar für Deutsche Sprache und Literatur an der Technischen Universität Braunschweig

Dr. Hubert Winkels (als Jurysprecher)
Deutschlandradio