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Andreas Maier, Preisträger 2010


Der Schriftsteller Andreas Maier erhielt den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2010

Der mit 30.000,- € dotierte Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, gestiftet von Stadt Braunschweig und Deutschlandfunk, ging an Andreas Maier für seinen Roman „Das Zimmer“ (erschienen 2010 im Suhrkamp Verlag).

Der Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, Dr. Gert Hoffmann, und der Intendant von Deutschlandradio, Dr. Willi Steul, stimmten dem Vorschlag der Jury zu.

Die Jury des Wilhelm-Raabe-Literaturpreises, die Ende September tagte, setzt sich in diesem Jahr zusammen aus Gerd Biegel (Raabe-Gesellschaft e.V./ Institut für Regionalgeschichte), Ina Hartwig (freie Kritikerin), Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig), Katrin Hillgruber (freie Kritikerin), Ursula März (Literaturkritikerin, Die Zeit), Michael Schmitt (ZDF/3sat), Julia Schröder (Stuttgarter Zeitung), Renate Stauf (Germanistisches Seminar Technische Universität Braunschweig) und Hubert Winkels (Sprecher der Jury, Deutschlandfunk).

Die Begründung der Jury lautet:
Andreas Maier ist ein Meister der literarischen Nahaufnahme. Je genauer er eine Ortschaft, ein Milieu, eine Person ins Auge fasst, umso mehr weitet sich der Blick ins Allgemeine. Er kann eine ganze Welt von den beiläufigen Reden, Gerüchten, vom sozialen Klima her aufschließen, und ihm gelingt die Verbindung dieser Alltäglichkeiten mit der Frage nach der Herkunft und dem Ziel des Lebens. Es gibt eine starke religiöse Dimension in Andreas Maiers Prosa. Auch im neuen Roman, „Das Zimmer“, in dem der geistig behinderte Onkel J. in seiner Naivität der Prügel seiner Mitmenschen ebenso nahe ist wie dem Frieden des Paradieses, wird die Frage nach den Kosten des Fortschritts und der Möglichkeit der Erlösung gestellt. Doch wird die romantische Sehnsucht nach einem naiven Weltverhältnis nie sentimental, sondern bleibt in einer ironischen Schwebe, die ihre Würde nicht beschädigt. Andreas Maiers Humor ist dem des poetischen Realisten Wilhelm Raabe durchaus verwandt. Beide teilen ebenso die Liebe zu den Beschädigten und Zukurzgekommenen, den Außenseitern der Gesellschaft.

Ein wichtiges Werk in der literarischen Entwicklung eines Schriftstellers wird mit dem Wilhelm-Raabe-Preis alljährlich ausgezeichnet. Dies ist mit Andreas Maiers Roman „Das Zimmer“ in besonderem Maße gegeben, bildet er doch den Auftakt zu einem mehrbändigen literarischen Werk über die Andreas Maier-Gegend Wetterau (nahe Frankfurt) mit den Orten Bad Nauheim und Friedberg, über deren Verwandlung in ein Straßenverkehrs-Areal und über die Lebensweise und die Überlebensenergie ihrer Bewohner.

Andreas Maier, geboren 1967 in Bad Nauheim, lebt in Frankfurt am Main. Zuletzt erschienen: Onkel J. Heimatkunde (2010), Sanssouci (2009), Bullau. Versuch über Natur (2006), Ich. Frankfurter Poetikvorlesungen (2006).

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann und der Intendant Dr. Willi Steul, überreichten Andreas Maier den
Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2010 am 14. November im Rahmen eines Matinee-Festaktes im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters.