Menü und Suche

Moritz Eggert (Preisträger 2016)

 (© Daniela Nielsen, Stadt Braunschweig)
(© Daniela Nielsen, Stadt Braunschweig)

Moritz Eggert (*1965, Heidelberg) gilt als einer der vielseitigsten und abenteuerlustigsten Stimmen der zeitgenössischen Musik. In Heidelberg geboren, in Heidelberg, Mannheim und Frankfurt am Main aufgewachsen begann er noch zu Schulzeiten als Keyboarder in verschiedenen Rock- und Jazz-Ensembles dann folgten akademische Studien, zuerst als Pianist, dann als Komponist. Diese Studien führten ihn später nach London und München (wo er heute mit seiner Frau, der Schriftstellerin Andrea Heuser, und seinen zwei Kindern wohnt).

Von Anfang an arbeitete Eggert in allen musikalischen Genres – Sein Werkverzeichnis von inzwischen mehr als 230 Stücken enthält nicht nur 11 abendfüllende Opern, sondern auch mehrere Ballette und Arbeiten für Tanz-und Musiktheater, Orchestermusik, Kammer- und Ensemblemusik, Vokal-und Chormusik (mit einem starken Fokus auf Lied), Kirchenmusik, experimentelle und elektronische Musik, Instrumentalkonzerte, Musik für Kinder und Jugendliche, Film- und Radiomusik, sowie Hörspiele und Open-Air-Aufführungen. Er ist ein erfahrener und vielgefragter Pianist von sowohl klassischer als auch moderner Musik und hat zahlreiche Uraufführungen eigener und anderer Werke im In- und Ausland gespielt. In den letzten Jahren arbeitet er auch verstärkt als Dirigent, Schauspieler und Sänger, mit Auftritten in Opern und Theaterproduktionen. Zusammen mit Sandeep Bhagwati gründete er noch während seiner Studienzeit das “ADEvantgarde-Festival” für junge Komponisten in München, das heute noch besteht. Er ist aktiv in der Kulturpolitik gegen den voranschreitenden Kulturabbau in Deutschland tätig und war 3 Jahre lang im Vorstand des Deutschen Komponistenverbandes.

Neben seinen vielen Artikeln für nationale und internationale Print- und Onlinemedien schreibt er regelmäßig für den von ihm begründeten „Bad Blog of Musick“, den meistgelesenen Blog für zeitgenössische Musik in Deutschland, für den er viel diskutierte satirische und provokante Artikel zu einem weiten Themenfeld über heutige Kultur und Kulturpolitik verfasst. Er gilt als Verfechter eines notwendigen Wandels in der Neuen Musik und hat oft ihre Elfenbeinturmattitüde und Weltferne kritisiert. Dies macht ihn auch zu einem leidenschaftlichen Unterstützer der jüngeren Komponistengeneration, der er sich auch als Professor für Komposition an der Münchener Hochschule für Musik und Theater annimmt (seit 2010).

Moritz Eggerts Musik wird weltweit aufgeführt, besonders bekannt ist u.a. sein Zyklus für Klavier Solo “Hämmerklavier”, der zu den meist gespielten Klavierwerken der Gegenwart gehört. Oft war seine Musik auch im Fokus der Medien: Er schrieb ein “Fußballoratorium” sowie die Musik für die Eröffnungszeremonie der FIFA-WM 2006 in Deutschland, die von über einer Milliarde Menschen verfolgt wurde. Die deutsche Boulevardpresse beschimpfte ihn für seine Oper „Die Schnecke“ als „Pornokomponisten“ und seine Oper „Freax“ erzeugte einen Skandal um die Inszenierung. Eine exzentrische Kollage aller Mozartopern erregte die Gemüter bei den Salzburger Festspielen ebenso wie das „Fußballett“ vom konservativen Publikum als „Entweihung“ des Wiener Opernballs empfunden wurde (und das erste zeitgenössische Musikstück war, das je dort aufgeführt wurde). Mit seinen Arbeiten schreibt er stets gegen das öffentliche Image des „braven Klassikkomponisten“ an, mit genreübergreifenden Konzerten wie zum Beispiel mit dem Elektropopduo „2raumwohnung“ oder Harald Schmidt.

Aktuell arbeitet Moritz Eggert an „Muzak“, einem 45-minütigen Werk für Orchester und Stimme für musica viva in München (Dirigent: David Robertson, Stimme: Moritz Eggert), an einer neuen Kinderoper für Bonn („Iwein“, nach dem Roman von Felicitas Hoppe) und an einer „Caliban“-Oper für Opera Front Amsterdam. Des Weiteren ist eine neue Oper für die Komische Oper Berlin in Vorbereitung („M - eine Stadt sucht einen Mörder“). In der Fernsehreihe „Epochen der Musikgeschichte“ (ARTE/BBC) erklärt er den Zuschauern „Die Moderne“.

Die offizielle Begründung für das Votum der Jury lautet: „Mit der Vergabe des Braunschweiger Louis Spohr Musikpreises 2016 an Moritz Eggert würdigt die Jury einen Komponisten, der einen Gutteil Lebenswerk und -weg noch vor sich haben dürfte. Mit wachem Geist und umfassender Neugier ist er seinen Weg bisher gegangen, beschwingten Fußes und behänder Hände, als Komponist und Pianist, als Autor und Performer, als unerschrockener Kommunikator in Sachen Musik und als unermüdlicher Organisator von Festivals, seit 2010 auch als Kompositionslehrer an der Münchener Hochschule. Sein bisheriges, bereits umfassendes Œuvre scheut, mit technischer Meisterschaft und in allen Genres, die Auseinandersetzung weder mit populären noch fremden Kulturen, weder mit der Überlieferung noch mit den herrschenden Stilen und Sitten der Neuen Musik. Mit Interesse und Respekt zugleich betrachtet Moritz Eggert sie allesamt als Inspirationsquellen für seine außerordentlich individuellen Kreationen. Diese Mittlerrolle macht ihn, verbunden mit seinem außerordentlichen Engagement für die Jugend und den Nachwuchs, zu einem überaus geeigneten Nachfolger des großen Vermittlers Louis Spohr.

Die Jury versteht die Verleihung des Louis Spohr Musikpreises 2016 daher als Würdigung und zugleich als Ermutigung an Moritz Eggert, seinen Weg und sein Werk, wie sie sich auch gestalten werden, mit der ihm eigenen Offenheit und Hingabe fortzusetzen.“