Martin Groß - TIRED EYES

Martin Groß, TIRED EYES (2019), Visualisierung: Martin Groß

Martin Groß wird für den Lichtparcours eine neunteilige, textbasierte Installation mit LED-Scrollingboards konzipieren, wie man sie in etwas größerer Dimension u. a. im Tunnelgang im Braunschweiger Bahnhof findet. Diese Boards werden vor allem im öffentlichen Raum und in diesem für Werbezwecke genutzt, häufig findet man sie auch in Kiosken. Auf diesen digitalen Bändern werden einzelne Inhalte für einen kurzen Moment präsent und verschwinden dann unmittelbar darauf wieder aus dem Bildrand. Insofern ist ihr Funktionsmechanismus Zeichen zunehmender Geschwindigkeit von Informationsströmen und fragmentierter Wahrnehmung. Groß arrangiert diese Scrollingboards in Tired Eyes (deutsch: müde Augen) als organisiertes Chaos. Ähnlich wie bei Newsfeeds auf hiesigen Nachrichtensendern, laufen eigene Texte, Zitate und Transkripte zeitgleich in unterschiedlichen Richtungen und Geschwindigkeiten über die Leuchtschriftkästen, die als digitale Leinwände fungieren. Unsynchronisiert scheinen die diversen Informationen keinem klaren narrativen Strang zu folgen, sondern funktionieren vielmehr assoziativ wie digitale Gedichte, Dialoge und kommentieren sich gegenseitig. Es werden hier gefundene Versatzstücke, Beobachtungen aus Kultur und Alltag, die unterschiedliche Realitäten beschreiben, überlagert und gleichgestellt – und in Dauerschleife durch den Raum gezogen. Diese Informationslandschaften verweisen zum einen auf die Alltagspoesie von Cut-ups und auf der anderen Seite auf die Lücken und Missverständnisse in den digitalen und sozialen Zwischenräumen.

Zum Künstler

© Foto: Michaela Heyse (Stadt Braunschweig)Martin Groß, TIRED EYES (2019), Entwurfsausstellung

Den Zeichnungen, Malereien, Texten und installativen Arbeiten von Martin Groß (*1984 in Plauen) ist der Charakter der Montage und Collage gemein. Groß schöpft aus einer Sammlung von digitalen Daten, wie Bildschirmfotos, Notizen, Audio- und Videodateien. Durch die Verschiebung räumlicher wie auch inhaltlicher Kontexte entsteht eine formale, fragmentierte Abstraktion, die unser zeitgenössisches Rezeptionsverhalten kommentiert; Bewegung, Reisen, die Gleichzeitigkeit von Information und Kommunikation, Senden und Empfangen. Seine Arbeiten greifen die verschiedenen alltäglichen realen und digitalen Räume, die von Informationen durchdrungen sind, auf und kommentieren eine Welt, die mit angezogener Handbremse auf einen nicht sichtbaren Horizont zu rast. Martin Groß lebte lange Zeit in London und seit 2018 in Berlin. Zuletzt waren seine Arbeiten in der Galerie EIGEN+ART in Leipzig zu sehen.

Ausstellungen (Auswahl)

2018 Martin Groß, Stef Heidhues, Galerie EIGEN+ART, Leipzig New Positions, Art Köln, Galerie EIGEN+ART, Köln (solo) Ping Pong Basel, Projektraum M54, Basel, Schweiz Chumming, Glasgow International 2018, Glasgow, Großbritannien The Art of Recollecting, G2 Kunsthalle, Leipzig

2017 RA Schools Show, Royal Academy of Arts, London, Großbritannien 2017 Television, Smac, Berlin (solo) Dead Heat, Kunstraum Ortloff, Leipzig 2016 Radio City, mit Julius Heinemann, Galerie Jahn, München C.L.I.C.S, EIGEN+ART Lab, Berlin (solo) Premiums: Interim Projects

2016, Royal Academy of Arts, London, Großbritannien

2015 Le Souffleur – Schürmann trifft Ludwig, Ludwig Forum, Aachen Transit, Kunstraum Ortloff, Leipzig (solo)

2014 Blaue Perle, BGL#3, Kesselhaus, Bergisch Gladbach Pointing Elsewhere, CBK Zeeland, Middelburg, Niederlande SSIIEE FOUR, Berlin

2013 Neuzugänge zeitgenössischer Kunst im Kunstfonds 2013, Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund, Berlin RUPTUR, Galerie FELDBUSCHWIESNER, Berlin (solo) Win/Win, Halle 14, Leipzig

2012 YIA Art Fair#2, Bastille Design Center, Galerie Dakota, Paris, Frankreich High End, Raum 4.4, Academy of Visual Arts, Leipzig

2011 Affinity, Kulter, Amsterdam, Niederlande

2010 100 Sächsische Grafiken, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz

2009 ERGO, Kunstraum Ortloff, Leipzig