Joseph Zehrer - Neptuns combo

Joseph Zehrer, Entwurf: Neptuns Combo, Skizze: Joseph Zehrer

Die für den Braunschweiger Lichtparcours 2020 konzipierte Arbeit von Jospeh Zehrer, der bereits 2004 am Braunschweig Parcours teilgenommen hat, ist eine Hommage an die Unterwassertöne der Oker. Zwölf verschieden lange Angelruten stehen in gleichmäßigen Abständen nebeneinander am Okerufer. Doch während an vielen Stellen in Braunschweig mit diesen nach Fischen geangelt werden würde, sind an den Enden dieser zwölf Angelruten kleine mondähnliche leuchtende Kugeln angebracht, die unterschiedlich stark leuchten. Denn die Leuchtkugeln sind mit einem Unterwassermikrofon, einem sogenannten Hydrofon, verbunden. Dieses überträgt die Geräusche des fließenden Wassers, der Tiere im und auf dem Wasser und der Boote, die auf der Oker schwimmen, an die Kugeln am Ende der Rute. Diese Unterwassertöne werden über ein Steuergerät des Hydrofons in tiefe, mittlere und hohe Töne aufgeteilt, in Lichtsignale übertragen und entsprechend den unterschiedlichen Höhen der Leuchtkugeln an diese abgegeben. Diese sind — angelehnt an ein Notensystem — auf unterschiedlichen Höhen angebracht und bewegen sich im Wind. Fließt die Oker ruhig dahin, ohne nennenswerte Bewegung im Wasser, haben die Monde ein relativ gleichmäßiges, bläulich-weißes Dauerlicht. Wenn jedoch das Wasser durch Fische, Frösche, Enten, Paddel oder Bootsmotoren in Schwingungen versetzt wird, leuchten die Kugeln heller auf und stimmen eine Lichtkomposition mit den „Monden“ an. Und was passiert, wenn es einen heftigen Sommerregen gibt? Dann entsteht ein kleines Feuerwerk, eine Lichtsymphonie aus der Unterwassertonwelt.

Zum Künstler

Charakteristisch für die Malereien, Zeichnungen und Skulpturen des Künstlers Joseph Zehrer (*1954 in Perbing), der in Köln lebt, ist das temporäre Festhalten vom Prozesshaften, eine Erforschung des Materiellen an der Grenze zur Immaterialität. Seine konzeptuelle Praxis spielt mit zeitlichen Systematiken, kombinatorischen Möglichkeiten und deren Veränderungen. Dadurch ergibt sich eine serielle Ästhetik, die formal minimalistisch daherkommt und das Flüchtige und Transparente zu einem interieurhaften Display umgestaltet. Mit seinen installativen und narrativen Verbindungen heterogener Techniken und angeeigneter wie auch zitierter Materialien entwickelt Jospeh Zehrer eine künstlerische Sprache, in der das Individuelle immer wieder im Kollektiven aufgeht und umgekehrt. Alles ist miteinander verbunden. Joseph Zehrer geht es darum, Referenzen und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Auch aus diesem Interesse lässt sich die intensive Beschäftigung mit der Inszenierung von Licht und dessen Gestaltung zwischen funktionalem Kunst- und Designobjekt ableiten. Seine Arbeiten befinden sich in Sammlungen des Museum Ludwig in Köln, dem mumok in Wien und den Deichtorhallen in Hamburg. Seine limitierten Lüster und Leuchten sind Bestandteil internationaler Privatsammlungen. 2019 stellt die Halle für Kunst & Medien in Graz und die Galerie Nagel Draxler in Köln Werke von Joseph Zehrer aus.

Ausstellungen (Auswahl)

2019 Park, Galerie Nagel Draxler, Köln (solo) Hate Speech. Aggression und Intimität, Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien, Graz, Österreich

2018 Schiff in Schräglage, vom gelben Licht umflirrt, Joseph Zehrer & Gabi Dziuba, Galerie Christine Mayer, München (solo) Die Zelle, Kunsthalle Bern, Bern, Schweiz

2017 Lampen, Nagel Draxler Kabinett, Berlin (solo)

2016 Jeder sollte in der Lage sein, Kunst zu erwerben, PROVINZ, Kunsthalle Recklinghausen, Recklinghausen TELE-GEN. Kunst und Fernsehen, Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, Liechtenstein

2015 TELE-GEN. Kunst und Fernsehen, Kunstmuseum Bonn, Bonn

2014 s/w in Farbe, Kunstverein Leverkusen, Leverkusen (solo)

2013 a marked preference for, frontviews gallery, Berlin

2012 Strom, Galerie Nagel Draxler, Köln (solo) Paraphantoms, Temporary Gallery, Köln

2011 Hirschfaktor. Die Kunst des Zitierens, ZKM – Museum für Neue Kunst, Karlsruhe Über den Geist in der Materie oder Trenddesign, Kunsthochschule für Medien, Köln

2010 Skulpturenprojekt Art Cologne, Köln

2009 Sucher, Galerie Christian Nagel, Berlin (solo)

2008 Ernst, Stefan Stux Gallery, New York City, New York, USA (solo)

2007 making of A…, Antiquariat Gundel Gelbert, Köln (solo) Videonale 11 – Festival für zeitgenössische Videokunst, Kunstmuseum Bonn, Bonn

2006 Alte Kamera, Kunstverein Heilbronn, Heilbronn (solo)

2005/06Lichtkunst aus Kunstlicht, ZKM – Museum für Neue Kunst, Karlsruhe

2005 Herbert Fuchs (1987–2005), Kunsthalle Wien, project wall, Wien, Österreich offshore splinter, Kunsthaus Essen, Essen; Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss Plüschow, Plüschow

2004 braunschweig Parcours 2004, Braunschweig

2003 Mamas & Papas, BLIND DATE, Kunstverein Hannover, Hannover (solo) Snow White, Kunstrasen, Galerie Felix Ringel, Düsseldorf

2002 neons, Galerie Christian Nagel, Köln (solo) Hell, neugerriemschneider, Berlin Mamas & Papas, 7 Videointerviews (+3), M29, Babette Richter, Köln (solo)

2001 rosa wolken spiegel kinder, Galleria Primo Piano, Rom, Italien (solo) Televisions. Kunst sieht fern, Kunsthalle Wien, Wien, Österreich

2000 Vom Eindruck zum Ausdruck. Grässlin Collection, Deichtorhallen, Hamburg Lost Paradise Lost, Kunst und sakraler Raum, Ernst-Barlach-Gesellschaft, Hannover

1999 German Open. Gegenwartskunst in Deutschland, Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg archives laboratoire, Kunstverein Heilbronn, Heilbronn Programm Fernsehen, Schedhalle Zürich, Zürich, Schweiz

1998 Vorhänge – Eingeklemmtes – Melancholiker – Pistolen, Galerie Bleich-Rossi, Graz, Österreich (solo) liquid beauty, Halle für Kunst, Lüneburg art sculpture, Basel, Stand Galerie Christian Nagel, Köln

1997 HOME SWEET HOME, Interieurs-Einrichtungen-Möbel, Deichtorhallen Hamburg, Hamburg

1996 Januar im Herbst, Künstlerhaus Stuttgart, Stuttgart (solo)

1995 filmcuts, neugerriemschneider, Berlin

1994 Forum Stadtpark Graz, mit Wilfried Petzi, Graz, Österreich

1993 Die Arena des Privaten, Kunstverein München, München

1992 eine soziale Plastik, mit Hans-Jörg Mayer, Institut für Kunstgeschichte, Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich

1991 36e Salon de Montrouge, Paris, Frankreich

1990 Fareed Armaly, Cosima von Bonin, Michael Krebber, Christian Philipp Müller, Joseph Zehrer, Galerie Christian Nagel, Köln