Benjamin Bergmann - Aqua Alta

Benjamin Bergmann, Entwurf: Aqua Alta, Visualisierung: Benjamin Bergmann

Inspiriert vom alten Schriftzug LIDO am Bunker am Kalenwall, der auf das 1957 eröffnete Braunschweiger Filmtheater verweist, und der Geschichte Braunschweigs als von Kanälen durchzogener mittelalterlicher Stadt, verstrickt Benjamin Bergmann in seiner Arbeit Aqua Alta (deutsch: hohes Wasser) narrativ zwei Orte, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben; die vom Untergang bedrohte, klimatischen Veränderungen und ökonomischen Interessen ausgesetzte Lagunenstadt Venedig (mit ihrem Lido di Venezia) und Braunschweig an der Oker. In diese setzt der Künstler einen weißen Schuttcontainer, über dessen Rand sich — ähnlich einem Springbrunnen — Wasser ergießt. Schiffskörper, egal ob Kreuzfahrtschiff oder Floß, verdrängen Wasser. Auch der Container leitet die Kraft mehrerer Kubikmeter Wasser um und nimmt damit direkt Einfluss auf den von Talsperren regulierten Wasserstand der Oker. Bei eintretender Dunkelheit wird das Innere des wassergefüllten Containers, der im normalen Gebrauch mit Teppichen, Sperrmüll, Holz und industriellem Müll gefüllt ist, beleuchtet und somit energetisch aufgeladen. Es entsteht der Eindruck, es handele sich hier um den Einstieg eines tief unter der Erde befindlichen Raumes, der von innen erstrahlt. Aqua Alta* erzeugt in der Rezeption ein ambivalentes Spiel von poetischem Grauen und bedrohlicher Schönheit und verweist auf deutlich spürbare Zusammenhänge geografischer und klimatischer Veränderungen.

*Aqua Alta ist inzwischen auch Name der jährlich abgehaltenen Internationalen Fachmesse für Hochwasserschutz, Klimafolgen und Katastrophenmanagement.

Zum Künstler

Den raumgreifenden Skulpturen und Installationen von Benjamin Bergmann (*1968 in Würzburg) gehen zumeist räumliche Studien voraus, in denen er die spezifischen Eigenheiten der Ausstellungsorte beobachtet und dann in seiner Kunst spiegelt. Viele seiner Werke konzipiert er für und im öffentlichen Raum. Aus seiner anfänglichen Praxis, bei der Performances und Aktionen eine wesentliche Rolle spielten, entwickelten sich bildhauerische Arbeiten, in der performative und aktionistische Elemente formal und konzeptuell angedeutet werden. So zum Beispiel, wenn er auf einem Hochhaus am Rand der Fassade einen Basketball (Never Ever, 2012) installiert. Er schafft Raumbilder, in die die Rezipierenden physisch und mental einbezogen werden. Charakteristisch für sein Schaffen ist das Spielerische, mit dem er einen Bruch der realen und künstlichen Welt evoziert und sie auf seine Art wieder miteinander verwebt. Nicht selten ist dies mit einem Humor des Absurden verbunden: „Das Schöne an der Absurdität ist für mich die Nachhaltigkeit der Verwirrung. Irgendwann ertappt man sich, darüber nachzudenken, ob nicht das Absurde doch mehr von der Wirklichkeit haben könnte, als diese selbst.“ (Zitat Benjamin Bergmann). Benjamin Bergmann lebt und arbeitet heute in München. Von 1997 bis 2001 war er Teil der Performancegruppe GMAM, 1999 bis 2001 gehörte er der Musik/Performancegruppe Club le Bomb an. Seine letzte Einzelausstellung war im Sprengel Museum in Hannover zu sehen, 2018 widmete der Kunstverein Konstanz seinen Arbeiten eine Einzelausstellung.

Ausstellungen (Auswahl)

2019 The Revolution Will Not Be Televised, Sprengel Museum Hannover, Hannover (solo)

2018 stillleben, Kunstverein Konstanz, Konstanz (solo)

2016 A Perfect Match, Pinakothek der Moderne, München Realtime – The Art of Slowness, Kunstmuseum Bonn, Bonn Emscherkunst

2016, Dortmund 2015 Benjamin Bergmann, abc, Berlin (solo) Sculpture

2015, Sculpture Museum, Marl I Got to Have One of Those, Lenbachhaus, München

2014 Tatort Paderborn, Paderborn Top Left Bottom Right, Galerie Jochen Hempel, Leipzig (solo)

2013 Le Noveau Bureau, Quartier des Spectacle, Montreal, Kanada (solo) Visions, Marta Herford, Herford

2012 In The Space of the Beholder – Contemporary Sculpture, Pinakothek der Moderne, München Benjamin Bergmann – Art Prize City of Nordhorn, Städtische Galerie Nordhorn, Nordhorn (solo)

2011 Benjamin Bergmann – Artist of the Year, VHV Versicherungsgruppe, Hannover (solo) Light in Darkness, Western Bridge, Seattle, Washington, USA

2010 Dancing on the Ceiling, Experimental Media and Performing Arts Center (EMPAC), Troy, New York, USA repair, Ars Electronica

2010, Linz, Österreich

2009 ... how long does it take to breake?, AL Gallery, Saint Petersburg, Russland (solo)

2008 deep down bright day, Pinakothek der Moderne, München (solo)