Lotte Lindner & Till Steinbrenner - EKSTASE

Lotte Lindner & Till Steinbrenner, Entwurf: EKSTASE, Visualisierung: Lotte Lindner & Till Steinbrenner

Lotte Lindner und Till Steinbrenner planen für den Lichtparcours 2020 eine filmische Arbeit, die auf eine Fassade eines Hochhauses im Norden der Stadt projiziert wird. Über die Fassadenwand ergießt sich von der Dachkante her scheinbar ein fließendes Gewässer. Aus der Vogelperspektive sieht man eine Frau in einem Boot, ruhig aber beharrlich gegen den Strom dieses Flusses auf der Stelle rudern. Durch die entgegengesetzten Bewegungen der Ruder und des Wassers scheint die feste Fassade des Gebäudes ins Schwingen zu geraten. Gibt es einen Auftrag? Ist es Freizeitbeschäftigung oder Arbeit? Muße oder Pflicht? Wir sehen hier eine zeitgenössische Interpretation des Sisyphos, dessen ertragslose Arbeit darin besteht, eigentlich nur immer auf derselben Stelle zu bleiben, ohne je ein Ziel zu erreichen. Und — müssen wir uns diesen Sisyphos, wie Camus vorschlägt, nicht als einen glücklichen Menschen vorstellen? Führt die scheinbar unsinnige, weil zu keinem sichtbaren Ziel führende Tätigkeit nicht in einen Zustand erweiterter Wahrnehmung? Ist der Weg nicht das Ziel? Über die Dächer der Stadt Braunschweig hinweg weithin sichtbar wird die Ruderin zum Sinnbild des voranstrebenden Menschen — ohne Gewissheit auf Erfolg, aber aus eigener Kraft glücklich.

Zum Künstlerkollektiv

Lotte Lindner (*1971 in Bremen) und Till Steinbrenner (*1967 in Hildesheim) arbeiten seit ihrer künstlerischen Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig gemeinsam ein Œuvre heraus, das durchdrungen ist von konkreten, formal reduzierten künstlerischen Eingriffen und Setzungen. Ihr sensibles Gespür für Räume, Kontexte und deren darin verhandelte Inhalte ist grundlegend für ihre skulpturalen, performativen, filmischen und installativen Arbeiten. Wichtiger Antriebspunkt ist dabei die Reflexion auf Arbeit — generell und im Kunstkontext und auf die eigene, die immer wieder auf die Probe (aus-)gestellt wird. Trotz der formalen Reduktion auf das Wesentliche schaffen sie es, atmosphärisch ambivalente Situationen zu kreieren. Mit ihrem charakteristisch rätselhaften Sinn umgibt ihre Kunst zunächst einerseits etwas Spielerisches, Leichtes, um dann in der weiteren Auseinandersetzung eine in die Tiefe gehende gewisse Instabilität in der Rezeption auszulösen. Es ist meist ein Spiel mit Erwartungen, das von dem Künstlerpaar zwischen unsicherer Gewissheit und sicherer Unwissenheit auf die Spitze getrieben wird. Immer dabei: ein kalkulierbares Risiko, das potenzielle Scheitern als Möglichkeit. Lotte Lindner und Till Steinbrenner leben in Hannover und haben verschiedene Lehraufträge u. a. in Hildesheim und Celle inne. Zuletzt waren ihre Arbeiten in Wien und in Bochum zu sehen.

Ausstellungen (Auswahl)

2019 Meet, Gäste der Kunsthalle3000, Wien, Österreich Ursuppe, adhoc, Bochum (solo)

2018 Mach es einfach, Kunstverein Wolfsburg, Wolfsburg 88. Herbstausstellung, Kunstverein Hannover, Hannover Der Erweiterte Blick. The Extended View, Kunstverein Langenhagen, Langenhagen Tes mots dans ma bouche. Brussels take, in Zusammenarbeit mit Anna Rispoli, Kunstenfestival Brüssel, Brüssel, Belgien

2017 Alternative Gesellschaftsformen. Übung III: Selber Machen, Kunstverein Buchholz, Buchholz (solo) PRODUKTION. made in germany drei, kestnergesellschaft; Kunstverein Hannover; Sprengel Museum Hannover, Hannover Fake Reality, flat 1, Wien, Österreich

2016 Rompeflasche, Centro de Arte Contempoáneo, Quito, Ecuador; H2-Zentrum für Gegenwartskunst, Augsburg

2015 THE GOOD TIMES (are killing me), Kunstverein Hildesheim, Hildesheim Streiflichter. 50 Jahre Kunstverein Celle, Kunstverein Celle, Celle

2014 Paravent, VGH galerie, Hannover (solo) Ist da wer – Performance in Wolfenbüttel, Kunstverein Wolfenbüttel, Wolfenbüttel 2013 Was bleibt – Zeitsicht-Preis, Neue Galerie im Höhmannhaus, Augsburg (solo)

2012 An-eignungen, Kunstverein Langenhagen, Langenhagen Der Weg II. Import, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz Braunschweig, Braunschweig (solo)

2011 Alarums and Excursions, Fuse Works at Front Room Gallery, New York City, New York USA .tmp, Phoenix-BB Artspace, Berlin Der Weg I. Inauguration, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, Braunschweig (solo)

2010 If, Kunstverein Göttingen, Göttingen (solo) The Phiosophy of Money, Museu da Cidade, Lissabon, Portugal Lotte Lindner & Till Steinbrenner. We don´t trust you, Oldenburger Kunstverein, Oldenburg (solo) No Soul for Sale. A Festival of Independents, Tate Modern, London, Großbritannien

2009 Big in Japan, Arcus Studio, Moriya, Japan Impossible Exchange, Frieze Projects, London, Großbritannien Oppositions and Dialogues, Kunstverein Hannover, Hannover Financial District, ISCP, New York City, New York, USA

2008 7 Todsünden, hub:kunst.diskurs e. V., Hannover ME-1, HBK Braunschweig, Braunschweig (solo) Vertrautes Terrain, als Teilhaber des Vitalen Archivs von Sandra Kuhne, ZKM Karlsruhe, Karlsruhe

2007 Insomnia, Nuit Blanche, Le Générateur, Paris, Frankreich Kreuz & quer, Ausstellungsprojekt der Kestnergesellschaft, Marktkirche Hannover, Hannover Pierogi Flatfiling, Artnews Projects, Berlin Love is Contemporary, Indisciplinarte, Terni, Italien

2006 Heimspiel. 83. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler, Kunstverein Hannover, Hannover Tribune, Intschede (solo) Zu wahr um schön zu sein, D21 Kunstraum Leipzig, Leipzig (solo)

2005 La Galleria dell´Amore, Galleria Civica di Arte Contemporanea Trento, Trient, Italien (my private) Heroes, Marta Herford, Herford

2004 The Retrospective. Abramovic Class 1997–2004, HBK Braunschweig, Braunschweig Loop Performance, PS 1, New York City, New York, USA Inauguración, Fundación NMAC, Montenmedio, Spanien

2003 Performance in der Kunsthalle, Kunsthalle Fridericianum, Kassel Recycling the Future/Vivere Venezia, La Biennale di Venezia, Venedig, Italien

2002 Transart02. Body Basics, Brixen, Italien Cleaning the House, Centro Galego de Arte Contemporánea, Santiago de Compostela, Spanien