Mutter/Genth - Facelift

Mutter/Genth, Entwurf: Facelift, Visualisierung: Mutter/Genth

Heike Mutter und Ulrich Genth schlagen für den Lichtparcours 2020 eine spannungsgeladene Konstellation aus etwa fünf bis sieben unterschiedlichen Pkw-Scheinwerferpaaren vor. Freigestellt aus der gewohnten Karosserie, formen die Leuchtenpaare eine Art Bühnenraum mit der Parklandschaft zwischen Oker und Herzog Anton Ulrich-Museum. Die Frontscheinwerfer entstammen zeitgenössischen Mittelklasselimousinen und SUVs mit dynamischem Kurvenlicht, Adaptive Frontlight System genannt. Mithilfe von Servomotoren werden die Linsen der Scheinwerfer und damit die Lichtkegel des Autos dem Fahrtverlauf entsprechend bewegt. Eine Elektronik steuert das interne Bewegungssystem der Leuchten über Kameras und Sensoren. Tritt man in das Wirkungsfeld der Installation, werden die Leuchtenpaare nach einer Dramaturgie in mehreren Stufen aktiviert und folgen schließlich mit ihren Lichtstrahlen den Bewegungen der Besucher. Als animierte Objekte entfalten die Scheinwerfer je nach Tageszeit und Licht unterschiedliche Wirkungen: In der Nacht werfen sie einen kühlen, suchenden Lichtkegel in die Parklandschaft, bei Tag wird das eingeschaltete Licht weniger dramatisch wahrgenommen, der Blick konzentriert sich mehr auf die Gestaltung der Leuchten selber.

Seit etwa Mitte der 1990er-Jahre lässt sich bei der Gestaltung von Autoscheinwerfern eine zunehmende Dynamisierung ihrer Form feststellen. Sie sind nicht mehr nur Lichtquellen, sondern die Augen des Fahrzeugs, die dessen „Blick“ als sorgfältig geplanten Ausdruck zeigen. Anthropologische Studien belegen, dass die „Gesichter“ von Autos in unterschiedlichen Kulturräumen weltweit sehr ähnlich wie menschliche oder tierische Antlitze beurteilt werden. Wenn wir dem Auto neben einem Gesicht auch Emotionen zuschreiben, liegt der Verdacht nah, dass wir uns als Autokäufer auch mit dem „Gesicht“ unseres Wagens identifizieren. Sei es, dass wir das Gefährt dann als etwas benutzen, was wir selber gerne wären, oder dass es tatsächlich ein blechgewordener Teil unseres Selbst ist.

Zum Künstlerkollektiv

Das Künstlerduo Heike Mutter (*1969 in München) und Ulrich Genth (*1971 in Tübingen) erarbeiten seit 2003 gemeinsam künstlerische Arbeiten, in denen die ihnen zur Verfügung stehenden Innen- und Außenräume auf ihren Informationsgehalt und ihre Vermittlungsmöglichkeiten untersucht werden. In ihren teils technisch sehr aufwendigen und raumgreifenden Installationen, Skulpturen, aber auch Bildern und Videos reflektieren sie auf eine zurückhaltende, aber direkte Art Strukturen unserer Kommunikationsgesellschaft und ihre teils unsichtbaren technischen wie auch medialen Bedingungen. Über Strategien der Aneignung und formalen Zuspitzungen, wie z. B. bei der Arbeit Tiger & Turtle – Magic Mountain, einer begehbaren Achterbahnkonstruktion auf einer versiegelten Deponie einer Duisburger Zinkhütte, thematisiert ihre Kunst die Zugänglichkeit und

Funktionalisierung allgegenwärtiger Informationsräume – auch selbstreflexiv die der Kunst selbst. Das Künstlerpaar lebt in Hamburg. Beide lehren an der HFBK Hamburg. Ihre Arbeiten waren 2019 bereits im Kunstverein Leipzig zu sehen. 2017 zeigte das Museum Stiftung DKM Arbeiten von Mutter/Genth.

Ausstellungen (Auswahl)

2019 Trusted Surfaces, Kunstverein Leipzig, Leipzig

2017 Denkmal für den permanenten Neuanfang, Kunstkommission für den öffentlichen Raum Dresden, Neumarkt Dresden (solo) Junger Westen, Museum Stiftung DKM, Duisburg Die innere Logik der Geschichte, Kunstverein Springhornhof, Neuenkirchen (solo) Trusted Surfaces, Taubert Contemporary, Berlin (solo)

2016 Vom Wert der Kunst als Wert der Arbeit, Weltkunstzimmer Düsseldorf, Düsseldorf

2015 RICETTE D'ARTISTA – zwischen Kunst und Küche, Kunst Meran, Meran, Italien (Un)möglich! Künstler als Architekten, Marta Herford, Herford

2014 Spekulative Strukturen, Simultanhalle – Raum für zeitgenössische Kunst, Schiefer Wald, Eschborn (solo)

2013 Fixateurs Externes, Taubert Contemporary, Berlin (solo) Pavillon, Gartenbühne – Bühnengärten, Schloss Wendlinghausen, Dörentrup (solo) Second Nature, Stufen zur Kunst, Kunstverein Hannover, Hannover (solo) Favara Castle Exhibition, Favara, Italien DUO Artists, Nieuw Dakota Art Space, Amsterdam, Niederlande

2012 i.A., zwei aktuelle Projekte der Neuen Auftraggeber, mit Henrik Schrat, Acc-Galerie Weimar, Weimar (solo)

2011 Die selbsterfüllende Gegenwart der Prophezeiung, Kunstverein Wolfenbüttel, Wolfenbüttel (solo) Auxililary Constructions, Kunsthaus Dresden, Dresden Tiger & Turtle – Magic Mountain, Heinrich-Hildebrand-Höhe, Duisburg (solo)

2010 Blind Date, Kunstverein Hannover, Hannover (solo) Residual, Muca Roma (Museum für zeitgenössische Kunst), öffentlicher Raum, Mexiko City, Mexiko

2009 Arrangement mit Kran, Spiegel, Fackelträger und Stabilé, Maschsee Hannover, Hannover Record again, Wanderausstellung ZKM Karlsruhe; Ludwig-Forum Aachen; Kunsthaus Dresden; Edith-Russ-Haus Oldenburg

2008 Für eine Ökonomie des Tauschens, Paradoxien des Öffentlichen, City-Palais Duisburg, Duisburg Dreamberries, zwischen Traum und Trauma, Westfälischer Kunstverein, Münster

2007 cut out of context, Galerie Vous Etes Ici, Amsterdam, Niederlande (solo) flying service, Bellevue – Saal Wiesbaden, Verein zur Förderung künstlerischer Projekte mit gesellschaftlicher Relevanz, Wiesbaden (solo)

2006 Die Metareflektor-Luftoffensive, Kunsthalle Recklinghausen, Recklinghausen (solo) end of season, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg 2005 Die solide Wirklichkeit des Bedingten, Skulptur – Biennale Münsterland

2005, Kreis Borken Kölnkunst 7, junge Kunst unter 35, Köln Wir bei HKM, Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg K4 Galerie, Festival Max-Ophüls-Preis, Saarbrücken

2004 Privatgruen II, Kunst in privaten Gärten, Köln Europäische Kunsthalle, Auktionshaus Lempertz, Köln

2003 Nouophoren, Galerie Vous Etes Ici, Amsterdam, Niederlande (solo) Chilufim/Transfer, Kunstmuseum Bonn und Städtisches Museum Haus Esthers, Krefeld