Anselm Reyle - Untitled

Anselm Reyle, Modell: Untitled, Visualisierung: Studio Anselm Reyle

Der Beitrag des Künstlers Anselm Reyle für den Lichtparcours 2020 ist ein kuppelartiges 3-D-Informel aus bunt leuchtenden Neonröhren, das sich unter dem Blätterdach am Uferweg der Oker im Bürgerpark entfaltet. Der Künstler ist bekannt für seine farbintensiven, grafisch anmutenden Installationen, die er jedes Mal für den Ausstellungsort spezifisch und erstmals im Rahmen des Lichtparcours für den Außenraum konzipiert. Die Neonelemente selbst erinnern an eine im Verschwinden begriffene Form urbaner Ornamentik. Wo früher kommerzielle Leuchtreklamen mit aufwendigen, individuellen Lichtröhrenkonstruktionen das Stadtbild prägten, sind heute aufwendig animierte LEDs oder Lichtkästen zu finden. Insofern oszilliert Neonreklame als Warendisplay heute zwischen nostalgischem Überbleibsel und cooler Retro-Strategie. Die dreidimensionalen abstrakten Lichtzeichnungen von Anselm Reyle referieren auf diese Ästhetik kommerzieller Information. Dabei erhöht die Platzierung der Arbeit im Park – statt im innerstädtischen Raum – mit ihren Anzeigen und Reklamen den Kontrast und die Wirkung dieser eigentlichen de-platzierten Setzung, die nichts verkaufen möchte. Das harmonische Zusammenspiel der verschiedenen Farben, Formen und Größen, die teilweise ineinander zu fließen scheinen, erinnert dabei an eine synästhetische Umsetzung eines musikalischen oder dichterischen Stückes.

Zum Künstler

© Foto: Michaela Heyse (Stadt Braunschweig)Anselm Reyle, Modell: Untitled, Entwurfsausstellung

Das Werk von Anselm Reyle (*1970 in Tübingen) umfasst Malerei, Skulptur und Installationen, in denen er Materialien, wie Folien, Autolacke, Farbpasten, Bau- und Elektroschrott, formal in abstrakte Werke übersetzt. Diese Fundstücke, die ihrem vorgesehenen funktionalen Einsatz enthoben sind, werden bei Reyle so verfremdet und transformiert, dass durch veränderte Skalierung und Materialität eine Wahrnehmungsverschiebung stattfindet. Die verschiedenen Ebenen werden meist zu scheinenden, glänzenden Oberflächen, deren ästhetische Präsenz auch in der bewussten Provokation des klassischen Klischees und Kitschbegriffs aufgeht. Die Adaption verschiedener, teils gegenläufiger kunstgeschichtlicher Stile (wie z. B. Minimal Art und Informel) und Formate, wie dem singulären Tafelbild, führt zu einer irritierenden Diskrepanz von Inhalt und Form. Reyles Bilder vermögen in ihrer Perfektion zu verführen, andererseits erzeugen sie Skepsis und Distanz, einen Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Setzung. Zu recht. Denn seine auf visuelle Reize angelegten Werke bzw. seriellen Werkgruppen, in denen idealisierte Kunstgeschichte mit Design und postmodernem Impetus ironisch kombiniert werden, sind sein Versuch, auf den Kern „geschmacklicher Klischees zu kommen und diese neu zu beseelen“ (Zitat Reyle). Anselm Reyle ist seit 2009 Professor im Studienschwerpunkt Malerei/Zeichnen an der HFBK Hamburg. Zuletzt waren seine Arbeiten in der Almine Rech Gallery in New York und im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart in Berlin zu sehen.

Ausstellungen (Auswahl)

© Foto: Michaela Heyse (Stadt Braunschweig)Anselm Reyle, Modell: Untitled, Entwurfsausstellung

2018 By Fire, Ceramic Works, Almine Rech Gallery, New York City, New York, USA Hello World. Revision einer Sammlung, Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin

2017 Laguna Sunrise, Almine Rech Gallery, Brüssel, Belgien (solo) Eight Miles High, König Galerie, Berlin (solo) Der Duchamp-Effekt. Readymade, Kunsthalle Göppingen, Göppingen

2016 Keramik, Contemporary Fine Arts, Berlin (solo) Franz West – ARTISTCLUB, 21er Haus, Belvedere, Wien, Österreich Takashi Murakami’s Superflat Collection – From Shōhaku and Rosanjin to Anselm Kiefer, Yokohama Museum of Art, Nishi-ku, Yokohama, Japan

2015 Streifenbilder, Contemporary Fine Arts, Berlin (solo) NOW-ism: Abstraction Today, Pizzuti Collection, Columbus, Ohio, USA Pliage/Fold, Gagosian Gallery, Paris, Frankreich

2013 Electric Spirit, Gary Tatintsian Gallery, Moskau, Russland (solo) Neon – Vom Leuchten in der Kunst, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt BubeDameKönigAss. Martin Eder, Michael Kunze, Anselm Reyle, Thomas Scheibitz, Neue Nationalgalerie, Berlin

2012 Mystic Silver, Deichtorhallen, Hamburg (solo) Anselm Reyle, Kaikai Kiki Gallery, Taipeh, Taiwan (solo) Stolen Fantasy (mit Franz West), Schinkel Pavillon, Berlin (solo) Looking Back for the Future, Kunsthalle Zürich, Schweiz

2011 Anselm Reyle, Arken Museum of Modern Art, Ishøj, Dänemark (solo) Little Cody, Contemporary Fine Arts, Berlin (solo) Taste – The Good, the Bad and the Really Expensive, Kunsthalle Baden-Baden, Baden-Baden

2010 Anselm Reyle, Kukje Gallery, Seoul, Korea, Südkorea (solo) Bilder über Bilder. Diskursive Malerei von Albers bis Zobernig aus der Daimler Kunstsammlung, Mumok Wien, Wien, Österreich

2009 Monochrome Age, Gagosian Gallery, New York City, New York, USA (solo) Acid Mothers Temple, Kunsthalle Tübingen, Tübingen (solo)

2008 Yayoi Kusama, Steven Parrino, Anselm Reyle, Gagosian Gallery, New York City, New York, USA Räume 1, Bunker, Boros Collection, Berlin Is it tomorrow yet?, Singapore Art Museum, Singapur, Singapur

2007 The 5th Dream, The Modern Institute/Toby Webster Ltd, Glasgow, Großbritannien (solo) The Artist’s Dining Room: Manfred Kuttner, Anselm Reyle, Thomas Scheibitz, Level 2 Gallery, Tate Modern, London, Großbritannien Unmonumental: The Object in the 21st Century, The New Museum, New York City, New York, USA

2006 Valley of the Snake Ladies, Andersen’s Contemporary, Kopenhagen, Dänemark (solo) ARS NOVA, Kunsthalle Zürich, Zürich, Schweiz (solo) Painting in Tongues, MOCA Museum of Contemporary Art, Los Angeles, Kalifornien, USA

2005 Life Enigma, Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin (solo) Lichtkunst aus Kunstlicht, ZKM – Museum für Neue Kunst, Karlsruhe

2004 Licht und Farbe, Neuer Aachener Kunstverein, Aachen (solo) Formalismus. Moderne Kunst, heute, Kunstverein in Hamburg, Hamburg It‘s all an Illusion. A Sculpture Project, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, Schweiz

2003 Elephant Juice (o sexo entre amigos), kurimanzutto, Mexico City, Mexico deutschemalereizweitausenddrei, Kunstverein Frankfurt, Frankfurt am Main