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Bedeutung von Creative Spaces für die Stadtentwicklung

Braunschweig, 11.06.2020 - Referat Kommunikation

Braunschweig hat eine Menge kreativer Orte zu bieten, sollte sie aber noch stärker fördern und ihr Potenzial gezielt für die Stadtentwicklung nutzen: Zu diesem Schluss kommt die Studie „Kreative Orte und Räume, Kultur- und Kreativwirtschaft in Braunschweig“, die die Stadt Braunschweig im Rahmen des geförderten Projekts „Campus.Metropolregion – Kreativwirtschaft und Stadtentwicklung“ in Auftrag gegeben hatte. Die von der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg initiierte Studie wurde am 9. Juni Vertretern der Ratsfraktionen, der Stadtverwaltung und Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft vorgestellt. Die Verfasser empfehlen der Stadt Braunschweig eine integrierte Kultur- und Kreativwirtschaftspolitik, die Wirtschaftsförderung, Kulturpolitik, Stadtentwicklung und Stadtplanung stärker miteinander verknüpft.

Demnach identifiziert die Studie der Büros STADTart aus Dortmund und Urban Catalyst aus Berlin vier „kreative Quartiere“ in Braunschweig: Die Innenstadt, das Uni-Viertel rund um die TU Braunschweig, das Gebiet am Westbahnhof sowie die Bahnstadt als größtes städtebauliches Konversionsgebiet der nächsten Jahre. Mit Ausnahme der Innenstadt liegen alle Quartiere am Ringgleis.

In diesen kreativen Quartieren sehen die Verfasser der Studie ein besonders großes Potenzial für die Vernetzung der Kultur- und Kreativwirtschaft mit anderen Wirtschaftszweigen und damit für die Entstehung neuer Geschäftsideen, Projekte und Innovationen.

Damit die kreativen Quartiere ihr Potenzial entfalten und einen positiven Einfluss auf Wirtschaft, Kultur und Stadtleben ausüben können, sollten sie der Studie zufolge gezielt gefördert und in städtebauliche Projekte eingebunden werden. So benötige die Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) ein möglichst differenziertes Raum- und Immobilienangebot, das beispielsweise Räume zur kurzzeitigen und experimentellen Nutzung beinhaltet.

Um die Belange, Erwartungen und Herausforderungen für Kultur- und Kreativschaffende in Braunschweig zu ermitteln, führten die Autoren der Studie einen Workshop mit Vertretern von 22 kreativen Braunschweiger Orten und Einrichtungen durch. Zudem war der KreativRegion e. V. als Dachverband der KKW in der Region Mitglied im Lenkungskreis der Studie. Demnach seien neben dem Immobilien- und Raumangebot auch Aspekte wie Aufenthaltsqualität, Gastronomie und Erreichbarkeit – kurz Urbanität – maßgeblich für die Entwicklung der kreativen Quartiere.

„Orte wie der Trafo Hub oder das Protohaus, die beide von der Stadt gefördert wurden, zeigen, dass sie von Designern, Programmierern, Tüftlern, Start-ups, etablierten Unternehmen und vielen mehr als Treffpunkte genutzt werden, an denen sie gemeinsam Ideen spinnen, an Produkten tüfteln, Projekte aushecken und Neues ausprobieren“, so Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa. „Einige Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft, z. B. IT und Design, leisten dabei einen wertvollen Beitrag für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit anderer Wirtschaftszweige.“

Neben den wirtschaftsbezogenen Teilbranchen gelten auch kulturelle Orte wie Galerien und Veranstaltungsräume als zentrale Elemente lebendiger kreativer Quartiere. „Es gibt in Braunschweig eine Vielzahl junger sowie überaus kreativer Initiativen und Einrichtungen, wie den Kunstverein Die H_LLE, die Drogerie, Die Stadtfinder und Schrill e.V. Diese Einrichtungen und Initiativen müssen dringend vernetzt und gestärkt werden, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Vielfalt und Weiterentwicklung der Braunschweiger Kulturlandschaft“, stellt Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse fest. „Die Bandbreite an vorstellbaren Unterstützungs-möglichkeiten ist groß, sie reicht von maßgeschneiderten individuellen Atelierangeboten bis hin zu Entwicklungsmaßnahmen für ganze Quartiere.“

Aus diesem Grund plädiert die Studie für eine integrierte Kultur- und Kreativwirtschaftspolitik, die den Wirkungszusammenhängen von Wirtschaftsförderung, Kulturpolitik und Stadtplanung einen hohen Stellenwert beimisst. So sei der zunehmende Trend zur urbanen Produktion ein interessantes Feld für die Bahnstadt, die dafür ausreichend Platz böte. Hier könne zudem die Schaffung eines Handwerks- und Produktionshofs bzw. eines Gründerzentrums mit Schwerpunkt auf Start-ups in der Wachstumsphase ein vielversprechendes Instrument der Wirtschaftsförderung sein.

Im Kulturbereich hingegen sei beispielsweise das Gebiet am Westbahnhof durch seine Nähe zur Hochschule für Bildende Künste prädestiniert für die Förderung von Atelierhäusern und Kunstlaboren, die oftmals zu „informellen Inkubatoren“ würden und die Kultur- und Kreativwirtschaft vor Ort ankurbeln.

Die vollständige Studie „Kreative Orte und Räume, Kultur- und Kreativwirtschaft in Braunschweig“ steht im Internet unter www.braunschweig.de zur Verfügung. Sie soll dem Rat der Stadt und den Fachausschüssen Impulse für die künftige Kultur- und Kreativwirtschaftspolitik geben.

Das Wirtschaftsdezernat und das Dezernat für Kultur und Wissenschaft werden in den nächsten Wochen damit beginnen, die Handlungsempfehlungen sukzessive umzusetzen. Dabei soll die Studie u. a. als Ausgangsbasis dazu dienen, die vorhandenen kommunalen Förderinstrumente zu überprüfen und den Austausch untereinander sowie mit den kulturellen und kreativen Akteuren zu intensivieren.

Die Studie wurde gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und durch das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser.