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Bundesverdienstorden für Joachim Hempel

Braunschweig, 03. Juli 2018 Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

Joachim Hempel (Mitte) mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Christiana Steinbrügge, Landrätin im Landkreis Wolfenbüttel. (© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet.)
Joachim Hempel (Mitte) mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Christiana Steinbrügge, Landrätin im Landkreis Wolfenbüttel.
(© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet.)

Bildung und Verantwortung, das waren die großen Themen, um die es in den Reden anlässlich der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den langjährigen Domprediger Joachim Hempel am Dienstag im Altstadtrathaus immer wieder ging. Geehrt wurde Joachim Hempel für sein ehrenamtliches Engagement, an vielen Stellen verwoben mit seiner beruflichen Tätigkeit, und doch geprägt von einem ganz eigenen, persönlichen Weg. Denn, so sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth, jener erste Besuch in der deutschen Gemeinde in Addis Abbeba als junger Vikar im Jahr 1973, der müsse sehr tief gewirkt haben. Interesse an fremden Ländern hätten sicher viele, doch sich so darauf einzulassen, so zu helfen und so zu unterstützen, dort hinzufahren, immer wieder, und mit den Menschen zu leben, diese Entscheidung sei besonders. Hilfsprojekte in Afrika, insbesondere die Unterstützung der German Church School Addis Abbeba, eines schon früh vorbildlich inklusiven Schulprojekts,  standen im Mittelpunkt des vielfältigen ehrenamtlichen Wirkens von Joachim Hempel. Zur Schule gehen, das sei hier normal, so der OB, in Äthiopien sei das anders. Maßgeblich auch dank des Engagements und mit dem Werben um finanzielle Unterstützung durch Joachim Hempel können Kinder, darunter erblindete und sehbehinderte, in der Schule lernen.

Joachim Hempel wurde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. (© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet.)
Joachim Hempel wurde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
(© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet.)

Bildung, so machte Ulrich Markurth deutlich, hatte für Joachim Hempel noch viele andere Facetten. Über 80 kirchliche Studienreisen in 45 Länder hat er in den vergangenen 40 Jahren organisiert. In viele bürgerkriegsgeplagte Länder, darunter Syrien oder Jemen, und immer wieder nach Äthiopien. Aus vielen dieser Länder kommen heute Flüchtlinge. Immer ging es dabei um das Kennenlernen der Menschen und ihrer Lebensverhältnisse, und um religionshistorische Zusammenhänge, um Verständnis und religiöses Miteinander zwischen Islam, Judentum und Christentum. Eine Sisyphos-Arbeit, so Markurth, jedoch unabdingbar. Und um viele erfolgreiche Spendenprojekte, die den Bau von Brunnen, Arztpraxen oder Schulen ermöglichte. Den Dialog und den Austausch, den er auf diese Weise förderte, setze er in Braunschweig fort. Ausdrücklich stellte er dabei auch die positiven Seiten des afrikanischen Kontinents heraus. „Wir verdanken Joachim Hempel unendlich viel“, sagte denn auch der hohe Gast äthiopischer Herkunft, Dr. Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers. Dass Äthiopien eines der ältesten Kulturländer der Welt sei, dies hätten unzählige Menschen aus Deutschland dank Joachim Hempel auf dessen Studienreisen erfahren können. Und auch der Weggefährte, Pfarrer Rüdiger Becker, Direktor der Evangelischen Stiftung Neuerkerode,  betonte, wer glaube, der Ursprung der heutigen Kultur läge hier im Westen, der sollte mit Joachim Hempel sprechen, und werde schnell erfahren, welche Bedeutung der Orient habe. Und er sei einer der wenigen im kirchlichen Umfeld, die wüssten, wie Islam "denkt und spricht", so Becker.

Viele Gäste waren zur Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den langjährigen Domprediger Joachim Hempel gekommen. (© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet.)
Viele Gäste waren zur Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den langjährigen Domprediger Joachim Hempel gekommen.
(© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen; Weiterverbreitung nicht gestattet.)

In Braunschweig ging Hempels ehrenamtliches Wirken noch weit darüber hinaus. Für die Gedenkstättenarbeit und bei der Entwicklung eines Erinnerungskonzepts an zivile Opfer der Bombardierung hat er sich eingebracht, und als Ansprechpartner für die Abbey in Braunschweigs englischer Partnerstadt Bath fungiert und die Städteparterschaft so gefördert. Er war Vermittler im Rahmen der Diözesanpartnerschaft zwischen dem Dom und der Bischofskirche in Blackburn. Er predigte zum 50. Jahrestags des Kriegsendes am 7. Mai 1995 in der Bath Abbey. Eine besondere Auszeichnung, wie der Oberbürgermeister betonte.

Er habe sich in öffentliche Debatten eingebracht, und das auf deutliche, bodenständige und inhaltsreihe Weise. Wer Verantwortung übernimmt, sagt auch, wenn ihm etwas nicht gefällt. Eingesetzt habe er sich für die Gestaltung der Innenstadt, dafür, dass der Weihnachtsmarkt nicht nur ein Adventsmarkt blieb, und dass nicht "jedes Remmidemmi" auf dem Burgplatz stattfindet. Der Dom sei bei ihm immer ein offenes Haus gewesen, und das sei gut, denn es mache neugierig auf das, was drin ist. Hempel habe mit all seinem Engagement auch das Image Braunschweigs befördert.

Der Geehrte erinnerte daran, dass auch er im Sinne Luthers ein Sünder sei und bleibe, und ordnete die Ehrung, die neben Ulrich Markurth auch Christiana Steinbrügge, Landrätin im Landkreis Wolfenbüttel, wo Hempel lebt, im Namen des Bundespräsidenten vornahm, auf diese Weise ein. Er habe statt auf Spielplätzen, die es nicht gab, eben auf Trümmern gespielt, und es sei wohl seine Generation, der ein besonderes Verantwortungsbewusstsein mitgegeben worden sei. Gemeinsam mit seiner Frau Gisela habe er aus Geschichte und Geographie ein spannendes Lebenselixier gemacht, so seine Erklärung für seinen ganz persönlichen  Weg. Er dankte den Anwesenden stellvertretend für alle, die ihn unterstützt hätten, denn ohne die Sympathie und Unterstützung vieler Anderer wären die Dinge eben auch nicht so geworden, wie sie sind.

Ulrich Markurth nannte ihn einen echten Klinterklater, verwurzelt in Braunschweig und gleichzeitig weltoffen, und bat ihn, weiterzumachen, so lange er dafür die Kraft habe. Das wird Joachim Hempel tun: In Kürze wird er in Addis Abbeba in der Botschaftsschule Religionsunterricht lehren. In welcher Klasse auch immer, das sei in seinem Alter egal, sagte Hempel.

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