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Kinderbetreuung: Ausbau bleibt ein Kraftakt

Braunschweig, 20. Mai 2019

In Braunschweig werden für das kommende Kindergarten- und Schuljahr fast 400 Plätze für die Kinderbetreuung geschaffen: 80 Krippenplätze, 115 Kindergartenplätze und rund 200 Plätze für die Schulkindbetreuung. Vorhandene Betreuungsangebote werden ausgebaut, in Neubaugebieten neue Kitas gebaut. Bei der Schulkindbetreuung nimmt Braunschweig eine Spitzenposition ein. Dennoch sind durch Flexibilisierung des Einschulungstermins, Fachkräftemangel und Bauboom auch in Braunschweig Engpässe bei den Betreuungsangeboten nicht immer zu vermeiden. Hinzu kommt die erhebliche Belastung des städtischen Haushalts. Teils baut die Stadt selbst, teilweise Dritte, so dass Mietzahlungen anfallen. Die weitere Kostenbeteiligung des Landes beim Ausbau der Kinderbetreuung ist derzeit noch ungewiss.

"In Braunschweig steigen die Bedarfe und Kinderzahlen für die Betreuungsangebote in Krippen, Kindertagesstätten und der Schulkindbetreuung kontinuierlich", hebt Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast hervor. "Die Entwicklung der Platzzahlen in den vergangenen Jahren zeigt diesen Trend in der Krippenbetreuung bereits auf." Gab es 2013 noch 2438 Betreuungsplätze für Kinder zum Alter von drei Jahren (1558 in Kitas, 880 in der Kindertagespflege), so waren es 2018 bereits 2814 (1773 in Kitas, 1041 in der Kindertagespflege, Einzelheiten siehe anhängende Tabelle).

"Um den wachsenden Bedarf zu decken, treibt die Stadtverwaltung Vorabstimmungen, Planungen und Bauvorhaben kontinuierlich voran. Dabei müssen die Planungen neben der steigenden Nachfrage von Eltern auch auf verschiedene politische Entwicklungen wie die Einführung der Beitragsfreiheit in den Kindergärten, die Flexibilisierung des Einschulungsstichtages und begrenzte Förderprogramme von Bund und Land angepasst werden. Wir haben in den vergangenen Jahren viel getan, aber es bleibt auch in den kommenden Jahren noch viel zu tun. Der Ausbau der Kinderbetreuung bleibt ein Kraftakt. Wir sind an der Grenze dessen, was möglich und leistbar ist."

Im vergangenen Jahr wurde bereits eine neue Kindertagesstätte in Lamme eingeweiht und gemeinsam mit den freien Trägern und der Stadt erste Sofortmaßnahmen zur Schaffung zusätzlicher Plätze umgesetzt. Ausgangspunkt für diese sofortigen Maßnahmen war insbesondere die Flexibilisierung des Einschulungsstichtages durch das Land Niedersachsen. Kinder, die im Zeitraum von Mai bis September eines Jahres geboren sind, können auf Antrag der Eltern ein weiteres Jahr in der Kindertagesstätte verbleiben. Diese Möglichkeit wurde im ersten Jahr der Umsetzung von bereits 110 Kindern wahrgenommen. Dies entspricht fünf ganzen Kindergartengruppen.

Die Stadt und auch die freien Träger sind u. a. deshalb gezwungen, fortlaufend zu prüfen, welche Möglichkeiten zur Schaffung zusätzlicher Plätze bestehen. Eine der bereits umgesetzten Maßnahmen ist beispielsweise die kurzfristige Erweiterung des städtischen Kinder- und Familienzentrums Neue Knochenhauerstraße. Durch den Umbau des Nachbargebäudes und Zusammenlegung der Außenfläche konnte die Stadt in kürzester Zeit zwei Krippengruppen für insgesamt 30 Krippenkinder schaffen. Intensiv geprüft wird aktuell auch, ob sich auch ein weiterer Ausbau an diesem Standort anbietet. Das erweiterte Betreuungsangebot wird von den Familien sehr gut in Anspruch genommen. Die Plätze waren in kürzester Zeit vergeben. Die Nachfrage im Stadtteil ist mit Blick auf die Warteliste und Voranmeldungen vorhanden.

Aus Perspektive der Kita-Leitung ist die aktuelle Situation eine Bestätigung der pädagogischen Arbeit in den Kindertagesstätten aber gleichzeitig auch eine enorme Herausforderung. Wenn bis zu 120 Voranmeldungen für wenige Betreuungsplätze eingehen, ist ein gutes Management notwendig. Die städtischen Kindertagesstätten vergeben ihre Plätze nach einheitlichen Aufnahmekriterien, die vom Jugendhilfeausschuss der Stadt beschlossen wurden. Die aktuelle Situation führt jedoch auch zu Absagen und entsprechend enttäuschten Eltern.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch an anderen Standorten. Manchmal können kleinere Maßnahmen für Entlastung sorgen. So wird im Familienzentrum St. Marien in Lamme vom Träger die Umwandlung einer Kindergarten- in eine Krippengruppe angestrebt. Um dafür notwendige Baumaßnahmen umzusetzen, muss die Kommune hier allerdings in finanzielle Vorleistung treten. Landesmittel stehen nur begrenzt und vorübergehend gar nicht zur Verfügung. Angesichts der angespannten Finanzsituation werden somit auch kleine Maßnahmen zu einer Herausforderung.

Währenddessen wird der Ausbau von Kindertagesstätten im Zuge der Erschließung von Neubaugebieten auch in den Folgejahren fortgesetzt. Bereits zum Start des Kindergartenjahres 2019/2020 ist der Betrieb der neuen Kindertagesstätte Mitgaustraße im nördlichen Ringgebiet in Trägerschaft der Johanniter-Unfall-Hilfe geplant. In der Kindertagesstätte wird es drei Krippen- und zwei Kindergartengruppen mit 85 Betreuungsplätzen geben. Davon werden bis zu vier Plätze für die integrative Betreuung im Kindergarten eingerichtet. In gleicher Größe wird im Neubaugebiet Heinrich-der Löwe-Kaserne eine Kindertagesstätte gebaut, die voraussichtlich zum Ende des laufenden Kindergartenjahres in Betrieb gehen kann. Ab Sommer 2020 werden zwei zusätzliche Krippengruppen im Baugebiet Alsterplatz eingerichtet. Auch durch die Erweiterung vorhandener Betreuungsangebote der Kinderkrippe Marienkäfer e.V. um eine Kindergartengruppe sowie der städtischen Kindertagesstätte Schölkestraße um zwei Krippengruppen wird das Betreuungsangebot für Eltern verbessert.

In den städtischen Kitas Querum, Recknitzstraße und Schwedenheim werden zudem die letzten verbliebenen Hortgruppen sukzessive in Kindergartengruppen umgewandelt. Diese Anpassung der Betreuungsangebote führt insgesamt zu rund 50 zusätzlichen Betreuungsplätzen für Kindergartenkinder und wird durch den gleichzeitigen Ausbau der Schulkindbetreuung und Ganztagsangebote möglich.

Die Planungen für Kita-Neubauten in weiteren Neubaugebieten, wie z.B. eine viergruppige Kindertagesstätte in Stöckheim-Süd werden daher fortgesetzt. Auch die Planung einer Kindertagesstätte der TU Braunschweig auf dem Campus Nord und die VW-Betriebskita werden die Betreuungssituation in den Folgejahren deutlich verbessern.

"Weitere Maßnahmen werden intensiv geprüft, wozu die Stadt Braunschweig auch mit zahlreichen Trägern im Gespräch ist", betont Sozialdezernentin Arbogast. "Engagierte Träger haben ihre Planungen bereits vorgestellt und bei der Stadt zur Prüfung eingereicht. Erschwert werden die Planungen jedoch auch durch die Ungewissheit über eine Kostenbeteiligung des Landes. Der Fördertopf für Investitionskosten zusätzlicher Krippenplätze ist aktuell ausgeschöpft. Die angekündigte Aufstockung der Landesmittel steht auch hier noch aus. Leider werden wir beim Ausbau der Kinderbetreuung von Bund und Land nach wie vor nicht in dem Maße unterstützt, in dem dies notwendig und angemessen wäre."

Können auch diese Maßnahmen im Laufe der nächsten Kindergartenjahre umgesetzt werden, können die aktuell prognostizierten Bedarfe gedeckt werden. Dabei ist grundsätzlich zu beachten, dass es durchaus auch zu Verzögerungen kommen kann, die ihre Ursache teilweise in der guten Konjunktur und Auslastung in der Baubranche oder hohen baulichen Anforderungen wie z. B. dem Lärmschutz haben.

Durch den Fachkräftemangel wird es auch in Braunschweig zunehmend schwierig, für neue Kindertagesstätten ausreichend Personal zu finden. Dieser Aspekt kann daher zukünftig auch in Braunschweig zu einer verzögerten Inbetriebnahme neuer Kindertagesstätten führen. In anderen Großstädten, wie beispielsweise Berlin und München, ist diese Situation bereits eingetreten. "Um die Ausbildungssituation für angehende Fachkräfte zu verbessern, ist die Stadt Braunschweig im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Nachbarstadt Wolfsburg und dem Niedersächsischen Städtetag auf das Land Niedersachsen zugegangen", berichtet die Sozialdezernentin. "Ziel beider Kommunen ist es, durch den Aufbau von Modellvorhaben sowie durch die Beteiligung am Bundesprogramm ‚Fachkräfteoffensive‘ zusätzliche Fachkräfte auszubilden und schnellstmöglich in den Kindertagesstätten einzusetzen."

Zum Schuljahr 2019/20 sollen die Angebote der Schulkindbetreuung kräftig ausgebaut werden. Der entsprechende Beschlussvorschlag, der jetzt dem Rat der Stadt vorliegt, sieht eine Ausweitung der Schulkindbetreuung um knapp 200 Plätze vor. Somit wird es in Braunschweig zum August 2019 deutlich über 4.500 Betreuungsplätze für Schulkinder geben. Die Versorgungsquote steigt dann bereits auf über 57 % und kommt damit dem für 2020 angestrebten Versorgungsgrad von 60 % in diesem Jahr sehr nahe. Allein in den Jahren 2016 bis 2018 wurden in Braunschweig knapp 700 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen.

Im Landesvergleich nimmt Braunschweig damit eine Spitzenposition bei der Schulkindbetreuung unter den niedersächsischen Städten ein, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Bereits seit 2007 wird der Ausbau der Schulkindbetreuung strategisch vorangetrieben. Mittlerweile gibt es 17 Kooperative Ganztagsgrundschulen. Ziel ist die flächendeckende Einführung der Ganztagsgrundschule nach dem Braunschweiger Modell.

"Ausbau und Verbesserung der Kinderbetreuung, von der Krippe bis zur Schule, stehen weiterhin ganz oben auf unserer Agenda", stellt Sozialdezernentin Arbogast abschließend fest. "Braunschweig wächst, junge Familien zieht es hierher, unsere Stadt hat eine hohe Attraktivität. Dabei spielen auch die bestehenden Betreuungsangebote eine Rolle, denn diese sind bundesweit mittlerweile höchst bedeutsame Kriterien, wenn sich Familien für den Wohnsitz in einer Stadt entscheiden. Diese Faktoren werden wir durch eine klare und kontinuierliche Ausbaustrategie weiter stärken und stabilisieren. Eine vergleichsweise gute Versorgungsquote erzeugt aber umgekehrt auch hohe Erwartungen bei den Eltern. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir für eine qualitätsvolle Weiterentwicklung unseres Angebotes auch Zeit brauchen und daher nicht immer jeden Wunsch erfüllen können."

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