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Ehrenbürger Sally Perel: Eintragung ins Goldene Buch

Braunschweig, 21. Juni 2022 - Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

Sally Perel (l.) und Uwe Fritsch. Auf dem Monitor OB Dr. Thorsten Kornblum.© Stadt Braunschweig

Salomon „Sally“ Perel, Ehrenbürger der Stadt Braunschweig, ist künftig mit einem Eintrag im Goldenen Buch der Stadt vertreten. Uwe Fritsch, langjähriger Betriebsratsvorsitzender von Volkswagen Braunschweig und Laudator bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft, brachte ein vorbereitetes Blatt nach Israel. Dort wurde es von Sally Perel unterzeichnet. Die Seite wird nun in das Goldene Buch eingearbeitet. Fritsch überbrachte an Sally Perel zugleich die guten Wünsche von Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum.

Auf Beschluss des Rates der Stadt erhielt Salomon „Sally“ Perel in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Stadt Braunschweig am 26. August 2020 das Ehrenbürgerrecht. Da Perel aufgrund der Corona-Pandemie nicht nach Deutschland kommen konnte, wurde er zum Festakt in der Stadthalle aus Braunschweigs Partnerstadt Kiryat Tivon per Video zugeschaltet. Der damalige Oberbürgermeister Ulrich Markurth reichte virtuell die Urkunde nach Kiryat Tivon, Sally Perel erhielt sie aus den Händen von Bürgermeister Ido Grinblum.

Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts ist mit einer Eintragung in das Goldene Buch verbunden, die seinerzeit ebenfalls nicht erfolgen konnte. Sie wurde nun möglich durch die freundliche Unterstützung von Uwe Fritsch bei einem Besuch in Israel. Das Goldene Buch verlässt die Stadt Brauschweig nicht, und Sally Perel kann derzeit krankheitsbedingt nicht reisen.

Eintragung im Goldenen Buch.© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen

Leben und Wirken Sally Perels

Salomon Perel ist einer der letzten Zeitzeugen, die den Holocaust überlebt haben und darüber berichten können. Er wurde 1925 in Peine als Sohn eines Rabbiners geboren. Um sich der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entziehen, übersiedelte die Familie Mitte der 30er Jahre nach Łódź in Polen. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde auch Łódź von deutschen Truppen besetzt. Um ihm das Überleben zu ermöglichen, schickten seine Eltern den damals 14-jährigen Sally gemeinsam mit seinem Bruder Isaak nach Osten in den von der Sowjetunion annektierten Teil Polens. 1941 entging er dort der Erschießung durch deutsche Truppen nur, weil er behauptete, sogenannter „Volksdeutscher“ zu sein. In der Folge diente er unter dem Namen Josef „Jupp“ Perjell einige Zeit der Wehrmacht als Dolmetscher. 1943 wurde er als Minderjähriger von der Front abgezogen und kam zur Berufsausbildung nach Braunschweig. Die Ausbildung zum Werkzeugmacher absolvierte er im „Vorwerk“ von Volkswagen. Er lebte während dieser Zeit im Lehrlingswohnheim an der Gifhorner Straße.

Es gelang Sally Perel, der auch Mitglied der Hitlerjugend werden musste, in diesem von der NS-Ideologie durchdrungenen Umfeld auf bewundernswerte Weise seine jüdische Identität zu verbergen und so den Holocaust zu überleben. Zugleich ist seine dramatische Lebensgeschichte auf diese Weise untrennbar mit Braunschweig verbunden.

1948 verließ Sally Perel, dessen Familie zahlreiche Opfer im Holocaust zu beklagen hatte, Deutschland, um in den gerade gegründeten Staat Israel auszuwandern und das Land mit aufzubauen. Erst vierzig Jahre nach Ende der Shoa verarbeitete Sally Perel das Erlebte in einer Autobiografie (Ich war Hitlerjunge Salomon; deutsche Erstausgabe 1992). Zwei Jahre zuvor entstand in Zusammenarbeit der Regisseurin Agnieszka Holland mit Salomon Perel die Verfilmung zu seiner Geschichte. Damit begann sein international beachtetes öffentliches Wirken gegen Antisemitismus und Rassismus, für Respekt und Toleranz. Es war sein Anliegen, die Erfahrungen und Erlebnisse während der Zeit des Nationalsozialismus insbesondere an junge Menschen weiterzugeben und auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die durch das Erstarken völkisch-nationalistischer Kräfte drohen. Dieses Wirken ist zu einem wesentlichen Element der Erinnerungskultur von Stadt und Region Braunschweig geworden.

1999 erhielt Sally Perel das Bundesverdienstkreuz. Seit 2013 verleihen Betriebsrat und Management des Volkswagen Werks Braunschweig den Sally-Perel-Preis und fördern damit Initiativen junger Menschen, die sich für Respekt und Toleranz sowie gegen Rassismus und Gewalt einsetzen. Um das Wirken Perels zu würdigen, hat die Stadt die Integrierte Gesamtschule Volkmarode zum Schuljahr 2018/2019 in „Sally-Perel-Gesamtschule“ umbenannt.