Menü und Suche

Das aktuelle Stadtklima & ein Blick ins Jahr 2050

Braunschweig, 20. März 2019 Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

Schon seit fast 30 Jahren werden in Braunschweig Gutachten zum Stadtklima und zu möglichen Belastungen durch Überwärmung in der Stadt erstellt. Nun hat die Stadtverwaltung eine neue Stadtklimaanalyse angefertigt, die nicht nur das aktuelle Stadtklima in Braunschweig betrachtet, sondern auch einen Blick in die Zukunft wirft und Auskunft darüber gibt, wie sich das Stadtklima bis zum Jahr 2050 verändern könnte.

In der Stadtklimaanalyse wird vor allem eine wolkenlose und windarme Situation im Sommer mit viel Sonne betrachtet, eine sogenannte autochthone Wetterlage. Denn bei dieser Wetterlage treten die Unterschiede zwischen Stadt und Umland besonders deutlich auf und auch die besondere Hitzebelastung in Städten ist dann am stärksten. Daher betrachten die meisten stadtklimatischen Untersuchungen diese Wetterlage. Neben den Wetter- und Grundlagendaten flossen in das neue Stadtklimagutachten unter anderem auch Erhebungen über Bevölkerungsdichte und die Altersstruktur ein.

Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer: „Die Stadtklimaanalyse ist eine wichtige Grundlage für unsere städtebaulichen Planungen. Sie gibt Aufschluss über das Zusammenspiel zwischen den großräumigen Freiflächen im Außenbereich, den Luftleitbahnen und den überhitzten, dichtbebauten Siedlungsbereichen. Im Sinne einer integrierten Stadtentwicklungsplanung, die wir im ISEK festgeschrieben haben, lassen wir die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse in unsere zukünftigen Planungen einfließen. Es ist beispielsweise wichtig, die Luftleitbahnen, die kühlere und saubere Luft transportieren, sowie großflächige Parkanlagen und kleine Grünflächen zu erhalten und neue zu entwickeln, um den Auswirkungen des Klimawandels auf unser Stadtklima bestmöglich entgegenzuwirken.“

Städte besitzen gegenüber dem Umland ein deutlich verändertes Lokalklima, sie sind in der Regel wärmer und die Durchlüftung ist reduziert. Die Ursachen liegen unter anderem in der Art und Dichte der Bebauung, dem Wärmespeicherungsvermögen der Gebäude, der Bodenversiegelung, dem Mangel an Vegetation, dem veränderten Wasserhaushalt und der vermehrten Emission von Abgasen, Aerosolen und Abwärme.

In dem neuen Klimagutachten wurde der Effekt der „Städtischen Wärmeinseln“ intensiv untersucht. Dabei geht es um die Frage, wie sich sommerliche Wetterlagen auf verdichtete Gebiete auswirken. Hauptaugenmerk liegt auf den Lufttemperaturen und den sogenannten bioklimatischen Belastungen für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Thomas Gekeler, Leiter der Abteilung Umweltschutz der Stadt Braunschweig, erklärt: „Die Analyse zeigt: Auch in Brauschweig gibt es den Effekt der ‚Städtischen Wärmeinseln‘. In den stark versiegelten Bereichen wie der Innenstadt, Teilen der Ringgebiete und auch in den großflächigen Industrie- und Gewerbeflächen, können in der Nacht bis zu 8°C höhere Lufttemperaturen auftreten als im Umland. In Zukunft wird sich dieser Effekt durch den Klimawandel weiter verstärken. Diese Unterschiede sind gerade in heißen Sommernächten problematisch, da durch die erhöhte Lufttemperatur in der Stadt der Schlaf und somit die Regenerationsphase gestört werden kann.“

Die Stadtklimaanalyse befasst sich außerdem mit der Wechselwirkung zwischen der städtischen Bebauung einerseits und den Grün- und Freiflächen als Ausgleichsraum andererseits. Luftleitbahnen sind hierbei die Verbindungselemente. So wird im Stadtklimagutachten unter anderem identifiziert, wie die einzelnen Wohnquartiere mit Kaltluft versorgt werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei in Braunschweig die Auen von Oker, Wabe und Schunter sowie die großen stadtnahen Freiflächen.

Die in der Klimaanalyse identifizierten Luftleitbahnen und Kaltluftentstehungsgebiete sind wichtig und werden in Zukunft durch den Klimawandel noch wichtiger für die Durchlüftung und Kühlung des Stadtgebietes. Luftleitbahnen transportieren kühlere und saubere Luft unter anderem aus unbebauten Kaltluftentstehungsgebieten in das Stadtgebiet und tragen so zur Reduzierung der Temperatur bei. Daher ist es schon heute ein Ziel, die Funktion dieser Flächen zu sichern.

Die aktuelle Stadtklimaanalyse wirft auch einen Blick in das Jahr 2050 und prognostiziert steigende Temperaturen. Überall im Stadtgebiet wird es in 30 Jahren deutlich wärmer sein als bisher und die Anzahl der Tropennächte, so werden Nächte mit Temperaturen von über 20°C bezeichnet, wird zunehmen. Außerdem wird sich der Effekt der „Städtischen Wärmeinseln“ verstärken und die Wärmebelastung insbesondere in dicht besiedelten Gebieten und auf versiegelten Flächen spürbar ansteigen. Großflächige Parkanlagen werden dann noch wichtiger. In der Nacht wirken sie mit ihrer Abkühlung als Ausgleichräume und am Tag dienen schattenspendende Bäume als Rückzugsorte. Auch kleine Grünflächen können eine wichtige Entlastungsfunktion für die umliegend wohnende bzw. arbeitende Bevölkerung darstellen. Daher gilt es, sowohl große als auch kleine Grünflächen zu erhalten und zu entwickeln.

Höhere Rechenleistung und neue, genauere Eingangsdaten ermöglichen eine deutlich höhere Detailgenauigkeit als bei den vorherigen Stadtklimaanalysen. Wurden im Klimagutachten 1992 die Ergebnisse durch Interpretation von verschiedenen Grundlagenkarten und einigen Messfahrten ermittelt, so wurde für das neue Gutachten eine Vielzahl von Informationen über die Topographie der Stadt, den Versiegelungsgrad, die Gebäudehöhen, die vorhandenen Grünflächen sowie meteorologische Besonderheiten betrachtet. Diese Daten werden in einem Rechenmodell in Beziehung gesetzt und zusammenfassend in Analysekarten und Planungshinweiskarten präsentiert.

Das Gutachten zur Stadtklimaanalyse und die Klimaanalyse- und Planungshinweiskarten sind zu finden unter

alle Nachrichten