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Louis Spohr Symposium

Dornse (© Daniela Nielsen, Stadt Braunschweig)
Dornse
(© Daniela Nielsen, Stadt Braunschweig)

»Louis Spohr - Werk und Wirkung«

Die Rezeption der Streicherkammermusik im zeitgeschichtlichen Kontext

Freitag/Samstag, 26./27. Oktober 2018.

Ort: Dornse im Altstadtrathaus Braunschweig

Tagungsthema

 (© Städtisches Museum Braunschweig, Dirk Scherer)
(© Städtisches Museum Braunschweig, Dirk Scherer)

Die Kammermusik des aus Braunschweig stammenden Komponisten, Dirigenten, Musikers und Musikpädagogen Louis Spohr (1784 – 1859) ist bis heute in weiten Kreisen praktisch unbekannt. Abgesehen vom Nonett op. 31, das der unkonventionellen Besetzung (Bläserquintett + Streichquartett) wegen zum Synonym für Spohrs etwa 75 Kammermusikwerke umfassendes Kammermusikœuvre und dadurch zum meistgespielten Spohrwerk geworden ist, liegt Spohrs Streicherkammermusik fernab des alltäglichen Konzertbetriebs.

Schumann, der bereits 1838 Spohrs im klassizistischen Duktus gesetzte Kammermusik mit den Attributen „beschaulich“ und „didaktisch“ belegte, oder Beethoven, der in Spohrs Musik das Fehlen von „Poesie“ bemängelte, begründeten eine Werkkritik, die bis heute Spohrs Wirkungsgeschichte belastet.

Spohr selbst, der in ungewöhnlichen chromatischen Modulationen, in neuartigen Timbres und Formexperimenten hingegen eigene Originalität bewies, ging einen Weg, der von zahlreichen Romantikern als Anregung für das eigene Schaffen aufgriffen wurde. Was war nun Louis Spohr wirklich – Wegbereiter der Romantik, diskreditierter oder tatsächlich zweitrangiger Klassizist?

Die Tagung will Licht in die Dichotomie von kompositorischem Können einerseits und ablehnender Werkkritik seiner Zeitgenossen andererseits bringen, eine Antwort auf die Frage finden, warum das Spohrsche Kammermusikschaffen heute im Schatten seiner jüngeren Kollegen Mendelssohn, Schumann und Brahms steht und letztlich eine Neubewertung der Spohrschen Wirkungsgeschichte vornehmen.

In einem Ausblick auf die aktuelle Situation des zeitgenössischen Streicherkammermusikschaffens und seiner Vermarktung im Konzertbetrieb wird eine Brücke zur zeitgenössischen Kammermusik geschlagen.

Vortrag 1 | Freitag, 26. Oktober, 18:15 Uhr

»Wer Spohr's Kompositionen sucht, weiss was er findet«

Louis Spohr Foto um 1845 (Fotograf unbekannt)
Louis Spohr Foto um 1845
(Fotograf unbekannt)


Louis Spohrs Kammermusik im zeitgenössischen Kontext

Michael Kube, Würzburg / Tübingen

Es ist kein großes Geheimnis, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Schaffen von Louis Spohr zusehends aus dem Fokus geriet. Dies betrifft nicht nur seine Sinfonien, sondern auch die an Gattungen und Werken so überaus reiche Kammermusik, die über ein halbes Jahrhundert hinweg sein gesamtes Œuvre zwar kontinuierlich durchzieht, sich aber auch in charakteristischer Weise wandelt. So spiegeln sich in den unterschiedlichen Besetzungen und satztechnischen Ausprägungen auch die sich verändernden, an Spohr herangetragenen Anforderungen wider – sowohl mit Blick auf den Interpreten als auch auf den Komponisten. Spohr und seine Kompositionen dürfen daher aus der historischen Distanz nicht isoliert betrachtet werden, sie bedürfen vielmehr der Einordnung in eine Zeit, in der sich musikalische Institutionen des bürgerlichen Musiklebens (öffentlich wie privat) überhaupt erst entwickelten.

Michael Kube ist Mitglied der Editionsleitung der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), Herausgeber zahlreicher Urtext-Ausgaben und Senior Consultant des Berliner Streaming Service Idagio. Seit der Saison 2015/16 konzipiert er darüber hinaus die Familienkonzerte phil zu entdecken der Dresdner Philharmoniker. Er ist Juror beim Preis der deutschen Schallplattenkritik und lehrt Musikwissenschaft an der Musikhochschule Stuttgart sowie als Privatdozent an der Universität in Würzburg.

 

Eröffnungskonzert | Freitag, 26. Oktober, 20:00 Uhr

Trio Meritis

Trio Meritis
Trio Meritis

Niklas Liepe, Violine | Stanislas Emanuel Kim, Violoncello | Marie Rosa Günter, Klavier

Ludwig van Beethoven               Klaviertrio Nr. 7 B-Dur op. 97 (»Erzherzog Trio«)

Louis Spohr                                Klaviertrio Nr. 5 g-Moll op. 142

Felix Mendelssohn Bartholdy     Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49

Vortrag 2 | Samstag, 27. Oktober, 10:00 Uhr

»Es waren Duette für zwei Violinen«

Titel Violin-Duos (Verlag Merseburger EM 2108)
Titel Violin-Duos
(Verlag Merseburger EM 2108)

Quellen- und Überlieferungsprobleme der frühen Kammermusik Louis Spohrs

Karl Traugott Goldbach, Kassel

Die ersten uns bekannten Kompositionen des damals etwa 12jährigen Louis Spohr sind seine Violinduos WoO 21. Zu seinen spätesten Kompositionen zählen seine den englischen Violinvirtuosen Alfred und Henry Holmes gewidmeten Duos op. 148, 150 und 153 (1854/55) (Spohrs Werkverzeichnis reicht bis op. 156). Trotzdem handelt es sich – im Gegensatz zum Streichquartettschaffen – um keine Gattung, für die Spohr über seine ganze Schaffenszeit komponierte: von den drei erwähnten späten Duos abgesehen, komponierte Spohr alle seine „offiziellen“ Duos bis 1824, also bis kurz nach seinem Amtsantritt 1822 in Kassel. Damit gehören fast alle Duos zu den vor-Kasseler Werken Spohrs, für die insgesamt weniger Quellen bekannt sind, als für die späteren Lebensjahrzehnte.

Das Referat beginnt mit einer Darstellung zu den Quellen zu Spohrs Streichquartetten op. 4, weil sich an ihnen die verschiedenen Quellenarten in der Spohr-Forschung demonstrieren lassen, Spohrs Korrespondenz (vor allem mit seinen Verlegern), Spohrs Jahrzehnte später angefertigte Lebenserinnerungen und einige wenige von Spohr direkt unabhängige Quellen.

Mit diesem Rüstzeug erfolgt eine Auswertung der Quellen zu den frühen Duo-Kompositionen Spohrs: seinen drei Duos WoO 21 um 1796 in Seesen, dem Duo WoO 22, das er vielleicht in der ersten Zeit seiner Rückkehr nach Braunschweig um 1798 komponierte, die drei Duos op. 3, die er gegen Ende seiner Ausbildung in Braunschweig schrieb (zwischen 1802 und 1805), die zwei Duos op. 9, die vermutlich im Zusammenhang des Unterrichts seiner Gothaer Violinschüler entstanden (1806/07), die drei Duos op. 39, die er während der Vorbereitung auf seine Italienreise verfasste (1816) und schließlich die drei Duos op. 67, die er auf Wunsch seines Verlegers Peters bereits in Kassel komponierte. Welche Schlüsse können aus diesen Quellen über Entstehung und Kontext von Spohrs Violinduos gezogen werden?

Karl Traugott Goldbach studierte Komposition und elektroakustische Komposition an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, wo er auch in Musikwissenschaft promovierte (Nebenfächer Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Kirchengeschichte). Außerdem absolvierte er ein Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2008 ist er Leiter des Spohr Museums in Kassel.

Vortrag 3 | Samstag, 27. Oktober, 10:30 Uhr

Die Streichquartette von Beethoven und Spohr

Streichquartett op. 82,2 | Partiturseite (Autograph)
Streichquartett op. 82,2 | Partiturseite
(Autograph)

Ein Vergleich

Nancy November, Auckland (NZ)

Das Streichquartettschaffen von Beethoven und Spohr bietet trotz der unterschiedlichen Umstände ihrer Karriere manchen Ansatz für einen Vergleich hinsichtlich der wichtigsten Quartetttypen der damaligen Zeit: Virtuosenquartette, die die erste Violine zur Schau stellen sollen; Konzertantenquartette, die sich für die häusliche Aufführung eignen, und Kenner-Quartette, die kompositorisches Können in den Vordergrund rücken und die Zuhörer herausfordern.

Der Beitrag stellt die Quartette von Beethoven und Spohr in den Kontext der Entwicklung des Genres in dieser Zeit und untersucht die Gründe für eine Verschiebung der kompositorischen Tätigkeit weg von Wien.

Nancy November ist außerordentliche Professorin für Musikwissenschaft an der University of Auckland. Ihre Forschungs- und Lehrinteressen konzentrieren sich auf die Musik des späten achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhunderts: Ästhetik, Analyse, Performance-Geschichte und -Praxis.

Vortrag 4 | Samstag, 27. Oktober, 11:30 Uhr

»Ich wünschte sehr, dass diese Sachen recht bekannt würden.«

Streichquintett op. 69 | Titel
Streichquintett op. 69 | Titel

Zur Rezeption von Spohrs Streichquintetten

David Koch, Luzern (CH)

In Spohrs Kammermusikschaffen bilden die sieben Streichquintette eine bemerkenswerte Konstante, die allein schon durch die Entstehungszeit der einzelnen Werke verteilt über annähernd vier Jahrzehnte und durch das Festhalten an der Besetzung gegeben ist. Die Komposition der beiden ersten op. 33 Nr. 1 und 2 fällt in die Jahre 1813/14, diejenige des letzten op. 144 ins Jahr 1850. Die Rezeption der Streichquintette blieb insgesamt bescheiden, was allerdings auch in der Gattung selbst begründet liegt. Wurden die frühen in der Öffentlichkeit "als zu den Vortrefflichsten gehörig" referiert, so brachten die späten zumindest die eigene Genugtuung, dass sie "oft gegeben zu seyn" schienen, wie Spohr 1943 in einem Brief an Adolf Friedrich Hesse schreibt, und "den Zuhörern sehr bekannt" waren. Die jeweils zeitnahe Drucklegung sowie die Übertagung für Klavier vierhändig bekräftigen den Eindruck. Hinsichtlich dieser äußeren Einordnung sollen Entstehung und Wirkung von Spohrs Streichquintetten erörtert werden, ergänzt mit einem Augenmerk vor allem auf die späteren Kasseler Beiträge. Auffälligkeiten, auch kompositorischer Eigenart, sind dann zu diskutieren, wenn sie als solche rezipiert wurden. Ebenfalls gilt es aufzuzeigen, inwiefern die Gattung als solche innerhalb Spohrs Schaffen und im Kontext ihrer Entwicklung wahrgenommen wurde.

David Koch ist Fachreferent an der Musikbibliothek und an der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Forschung und Entwicklung der Hochschule Luzern (vornehmlich mit Beiträgen zur lokalen Musikgeschichte). Journalistische Aufgaben ergänzen seine Tätigkeit. Zuvor langjähriges Wirken als Instrumentallehrer. Studierte Klarinette an der Hochschule Luzern sowie Musikwissenschaft und Geschichte an der Universität Bern. Promotion an der Universität Zürich mit einer Arbeit über Louis Spohrs groß besetzte Kammermusik.

Vortrag 5 | Samstag, 27. Oktober, 12:00 Uhr

Das Streichsextett op. 140

Streichsextett op. 140 | Violine1
Streichsextett op. 140 | Violine1

Musikgeschichtlicher Präzedenzfall und Impuls für das Streichsextett op. 18 von Johannes Brahms

Ronald Dürre, Magdeburg

Das Vermächtnis in der Musikgeschichte, das Louis Spohr als Tonkünstler, Humanist, Musikmanager und Pädagoge hinterließ, ist außerordentlich bemerkenswert und vielfältig. Seine Innovationen für das Musikleben des 19. Jahrhunderts reichen bis in unsere Gegenwart. Die Erfindung des Kinnhalters, die moderne Orchesterleitung mit dem Dirigentenstab, für die Spohr mit Carl Maria von Weber (1786-1826) und Gaspare Spontini (1774-1851) als Wegbereiter gilt und die Kasseler Schule mit ihrer stilistischen Prägung und ihrem pädagogischen Konzept. Das Streichsextett C-Dur op. 140 von Spohr ist ein weiteres Beispiel für mit künstlerischem Anspruch verbundene musikalische Innovation. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor dem Sextett von Spohr, spielten Werke für zwei Violinen, zwei Violen und zwei Celli keine Rolle. Es sind keine Kompositionen in dieser kammermusikalischen Streicherbesetzung überliefert. Sucht man weiter rückblickend, ungeachtet der kompositorischen Merkmale nach einem Werk für diese Besetzung, stößt man erst über ein halbes Jahrhundert früher auf Werke von Luigi Boccherini (1743-1805), der diese Besetzung aus vornehmlich praktischen Gründen wählte. Im Jahr 1848 schuf Spohr im Alter von 64 Jahren sein erstes und einziges Streichsextett. Elf Jahre danach komponierte Johannes Brahms (1833-1897) in den Jahren 1859 bis 1860 sein erstes Streichsextett B-Dur op. 18 für die gleiche Besetzung. Von anderen Komponisten im deutschsprachigen Raum entstand in den Jahren zwischen 1848 und 1860 kein weiteres Werk für diese kammermusikalische Streicherbesetzung.

Im Gegensatz zu seinem übrigen kammermusikalischen Spätwerk erreichte Spohr mit seinem von Optimismus und Freude geprägten Sextett international ein größeres Publikum und insgesamt positive Anerkennung. Die musikgeschichtliche Einordnung und die Untersuchung von möglicherweise vorhandenen Verbindungen zwischen den Streichsextetten von Spohr und Brahms sind Gegenstand des Beitrags.

Ronald Dürre schloss 1995 sein Magisterstudium Musikwissenschaft/Italianistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ab. Ergänzend nahm er 1996 ein Studium der Musikpädagogik am Institut für Musik der O.-v.-Guericke-Universität Magdeburg auf, das in die 2004 erfolgreich verteidigte Dissertation zum Thema „Louis Spohr und die Kasseler Schule“ mündete. Dürre ist seit 1997 Sachgebietsleiter für Kunst- und Kulturpflege und seit 2016 Leiter des Teams Kulturförderung im Fachbereich Kunst und Kultur der Landeshauptstadt Magdeburg.

Vortrag 6 | Samstag, 27. Oktober, 14:00 Uhr

Reife und Höhepunkt

Doppelquartett op. 87 | Titel
Doppelquartett op. 87 | Titel

Louis Spohrs Doppelstreichquartett op. 87

Hartmut Becker, Karlsbad

Die Entstehung und Entwicklung dieser Sondergattung der Kammermusik und ihre Vorbildwirkung für jüngere Komponisten hat bis heute mehr Fragen ausgelöst als Antworten geliefert. Auch wenn diese Werke Spohrs in ihrer genauen Besetzung und Stilistik keine Nachfolge fanden – auch die Frage nach dem Wieso dessen wird zu beantworten sein – , so sind Anregungen von ihnen durchaus in späterer Musik nachweisbar.

Hartmut Becker studierte Klavier, Horn, Musiktheorie und Komposition sowie Musikwissenschaft, Germanistik und Geschichte. Anschließend wirkte er je 15 Jahre als Dramaturg der Philharmonischen Orchester München (Ära Celibidache) und Berlin (Ära Karajan und Abbado) sowie der Musikalischen Akademie des Nationaltheaterorchesters Mannheim. Gleichzeitig war er mehrfach in festen Engagements Musikdramaturg an deutschen Theatern, u.a. dem Badischen Staatstheater Karlsruhe. Er ist Mitarbeiter mehrerer Nachschlagewerke, Autor zahlreicher Fachbeiträge, von Vorträgen im Rahmen internationaler Symposien im In- und Ausland, von Booklet-Texten für CDs und vermittelt sein Wissen u.a. in Kursen an Volkshochschulen. Zu seinen Auftraggebern gehören u.a. der Bayerische, der Hessische und der Mitteldeutsche Rundfunk, das Konzerthaus Berlin, das Gewandhaus zu Leipzig und LUCERNE FESTIVAL (Projekte u.a. mit dem Dirigenten Mario Venzago). Mit Persönlichkeit, Werk und Wirkung Louis Spohrs beschäftigt er sich seit 1967.

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Vortrag 7 | Samstag, 27. Oktober, 14:30 Uhr

»Die Ausgabe des Septett's ist sehr schön und correkt.«

Brief Tobias Haslinger an Louis Spohr v 14-05-1832 (Staatsbibliothek Berlin)
Brief Tobias Haslinger an Louis Spohr v 14-05-1832
(Staatsbibliothek Berlin)

Louis Spohrs Kammermusik im Briefwechsel mit seinen Verlegern

Wolfram Boder, Kassel

Die Kammermusik spielt eine wichtige Rolle im Schaffen von Louis Spohr und so ist sie auch in seinem Briefwechsel prominent vertreten. Die Korrespondenz Spohrs stellt eine bislang wenig beachtete Quelle zur Entstehungsgeschichte seiner Werke dar. Das gilt insbesondere für den Briefwechsel mit seinen Verlegern. Im Austausch von Ideen und Honorarvorstellungen, von Anmerkungen zu Druckfehlern und Korrekturen entsteht ein spannender Blick auf Spohrs Kompositionsprozess und auf die Vermarktungszusammenhänge der daraus entstehenden Werke. So wird beispielsweise im Briefwechsel mit dem Verlagshaus Peters deutlich, wie aus der ursprünglichen Bitte des Verlages an Spohr, eine geplante Neuausgabe der Violinetüden von Federigo Fiorillo durchzusehen, die Idee entstand, diese von Spohr mit einer zweiten Stimme versehen zu lassen.

Der Vortrag untersucht diese Zusammenhänge anhand solcher Beispiele im Briefwechsel Spohrs mit den Verlagshäusern Simrock und Peters.

Wolfram Boder studierte Musik- und Theaterwissenschaft in München und Berlin, u. a. bei Prof. Gerd Rienäcker. Seine Dissertation „Entwicklungslinien in den Kasseler Opern Louis Spohrs“ erschien 2007. Seit 2005 lebt er als freischaffender Musikwissenschaftler in Kassel. Er hat zahlreiche Werke Louis Spohrs und seiner Schüler herausgegeben und die grundlegende Spohr-Biographie von Clive Brown ins Deutsche übersetzt. Daneben hat er auch eine kleine Musikgeschichte der Stadt Kassel verfasst und forscht zur Entwicklung des Punkrock in Kassel.

Vortrag 8 | Samstag, 27. Oktober, 15:30 Uhr

Christian Wessel and the Publication and Performance of Spohr's Chamber Music for Strings in London in the 1840s and 50s

Duo Concertant op. 112 | Titel
Duo Concertant op. 112 | Titel

Vortrag in englischer Sprache

Peter Horton, London (GB)

Einer der führenden Herausgeber zeitgenössischer Musik aus dem frühen viktorianischen England war Christian Rudolf Wessel (1797-1885). Geboren in Bremen, ließ er sich in London nieder und nahm von 1823 bis 1860 (und in verschiedenen Partnerschaften) eine wichtige Position unter den Musikhändlern der Stadt ein, nicht zuletzt durch das Halten der exklusiven englischen Rechte an den Werken Chopins. Seine Firma förderte auch die Musik vieler deutscher Komponisten, darunter Schubert, Mendelssohn, Heller und, in geringerem Maße, Spohr. Das erste Originalwerk von Spohr, das in seinem Katalog erschien, war eine englische Ausgabe der Violinschule (1833), gefolgt vom „Großen Walzer“ Mon séjour à Marienbad (1839) und dem Duo Concertant, op. 112. Das letzte wäre das erste von sieben Werken für Klavier und Streicher, die mehr oder weniger gleichzeitig von Wessel in England und Schuberth in Deutschland herausgegeben werden - die anderen sind die fünf Klaviertrios und das zweite Quintett für Klavier und Streicher.

Der Beitrag untersucht die Beziehung zwischen den beiden Ausgaben, Wessels Position als Musikverleger in London, seine Rolle bei der Gründung der Königlich Deutschen und Britischen Musikgesellschaft (die das 4. Klaviertrio im Druck herausbrachte), das Auftreten dieser Werke in zeitgenössischen Kammermusikkonzerten und deren Rezeption durch Kritiker.

Peter Horton arbeitete nach seinem Studium am Magdalen College in Oxford über 30 Jahre in der Referenzbibliothek des Royal College of Music. Sein besonderes Interesse gilt der englischen Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere dem Leben und der Musik von Samuel Sebastian Wesley und William Sterndale Bennett. Zu seinen Veröffentlichungen gehören eine dreibändige Ausgabe von Wesleys kompletten Hymnen für Musica Britannica, eine Monografie Samuel Sebastian Wesley: Ein Leben (OUP, 2004), "William Sterndale Bennett, Komponist und Pianist" (in The Piano in Nineteenth-Century British Culture, (Ashgate, 2007)) und eine neue Ausgabe von Vaughan Williams Symphonie Nr. 5 (OUP, 2009). Derzeit arbeitet er an einer Edition von Bennetts Klavierkonzerten für Musica Britannica (deren Redaktionsmitglied er ist) und an Buchkapiteln über Musikkritik in England, 1850-1860 (in der Presse), sowie an einer Untersuchung der Verlags- und Opernaktivitäten von William Hawes. Ein weiteres Forschungsprojekt ist eine Untersuchung der Veröffentlichung deutscher Lieder in England in den 1830er und 40er Jahren unter besonderer Berücksichtigung des Werkes des Verlegers Christian Wessel.

Vortrag 9 | Samstag, 27. Oktober, 16:00 Uhr

Die Aktuelle Situation der Streicherkammermusik aus Sicht des Musikmanagements

Violinen
Violinen

Martin Lücke, Berlin

Die Kammermusik steht oftmals im Schatten der großen Orchester, auch hat diese Kunstform ein Problem in Hinblick auf die Besucherstruktur. Dabei ist Kammermusik für viele Musiker nicht nur Mittel zum Zweck, um außerhalb von Orchestern auftreten zu können, sondern Berufung.

Die aktuelle (wirtschaftliche) Situation für Streicherkammermusikensembles sieht meist nicht sehr rosig aus. Wo liegen die Möglichkeiten dieser Ensembles, aus der Vielzahl der Mitbewerber herauszutreten? Reicht hierfür ausschließlich künstlerische Qualität, oder müssen sich Kammermusikensembles in einem sich verändernden Musikmarkt neu und „modern“ aufstellen, als Marke agieren und vielleicht sogar Mechanismen der populären Musik adaptieren? Der Beitrag soll nicht nur den Status quo aufzeigen, sondern zu einer Diskussion um die Zukunft dieser Ensembles anregen.

Martin Lücke ist promovierter Musikwissenschaftler und seit 2008 Professor für Musikmanagement an der Hochschule Macromedia in Berlin. Seine derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind zum einen das Thema Ausbildung für die Musikwirtschaft und zum anderen das Verhältnis von Musik, Politik und Wirtschaft.

Vortrag 10 | Samstag, 27. Oktober, 16:30 Uhr

Die Streicherkammermusik im 20. und 21. Jahrhundert

Arnold Schönberg (Selbstbildnis)
Arnold Schönberg
(Selbstbildnis)

Peter Ruzicka, Hamburg

Stil und Gedanke – Struktur und Musikantik. Das Schaffen der neuen Komponistengenerationen. Ein Ariadnefaden von Schönberg bis Lachenmann.

Peter Ruzicka studierte Klavier, Oboe und Kompositionstheorie in Hamburg, Rechts- und Musikwissenschaften in München, Hamburg und Berlin und promovierte mit einer interdisziplinären Dissertation über das „ewige Urheberpersönlichkeitsrecht“. Für seine Kompositionen erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen (u.a. Unesco-Preis „International Rostrum of Composers“, Paris; Louis Spohr Musikpreis). Seine Werke wurden von führenden Orchestern und Ensembles aufgeführt. Seit 1990 ist Peter Ruzicka Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Der Komponist ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Freien Akademie der Künste Hamburg. Peter Ruzicka war Intendant des Radio-Symphonie-Orchesters Berlin, der Staatsoper Hamburg und der Hamburger Philharmoniker, der Münchener Biennale und der Salzburger Festspiele. In der Saison 2017/18 leitet Peter Ruzicka u.a. das Philharmonische Staatsorchester Hamburg (Elbphilharmonie) und die Uraufführung seiner Oper BENJAMIN an der Hamburgischen Staatsoper.

Faltblatt

Abschlusskonzert | Samstag, 27. Oktober, 20:00 Uhr

Minguet Quartett

Minguet Quartett (© Frank Rossbach)
Minguet Quartett
(© Frank Rossbach)

Ulrich Isfort, 1.Violine | Annette Reisinger, 2.Violine | Aroa Sorin, Viola | Matthias Diener, Violoncello

Peter Ruzicka                         „…possible-à-chaque-instant“
                                               7. Streichquartett (2016)

Ludwig van Beethoven           Streichquartett cis-Moll op. 131

Louis Spohr Symposium 2014

Die schriftliche Dokumentation des Louis Spohr Symposiums "Musik und Politik" ist im Merseburger Verlag erschienen.

Erhältlich im Buchhandel. ISBN 978-3-87537-358-5

Louis Spohr Symposium 2007

Die Lehr- und frühen Meisterjahres des Komponisten, Geigers, Dirigenten und Musikpädagogen Louis Spohr

Hier können die Vortragstexte des Symposiums aus dem Jahre 2007 herunter geladen werden.

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Louis Spohr Symposium 2004

Louis Spohr - Richard Wagner

Titel Symposium 2004
Titel Symposium 2004

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