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Spargel

 (Foto: Stadt Braunschweig / okerland-archiv)

Obwohl die Ägypter Spargel schon vor 4.500 Jahren kannten, trat er seinen Siegeszug als beliebtes Gemüse erst im 17. Jahrhundert an. Aufgrund des nährstoffreichen Bodens in und um Braunschweig entstand hier eines der größten Spargelanbaugebiete Norddeutschlands. Die hohe Qualität machten den Braunschweiger Spargel schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt: frisch wurde er sogar bis nach Schweden geliefert, konserviert bis Australien und Amerika. Auch heute noch genießt der Braunschweiger Spargel einen exzellenten Ruf – jedes Frühjahr zwischen April und Juni können Sie sich selbst davon überzeugen!

„Wenn aber die Lebhaftigkeit der Nachfrage in allen fünf Erdtheilen, sowie der fortwährend sich steigernde Anbau einen Beweis für die Güte des Productes liefern, so dürfte der Braunschweiger Spargel von keinem andern Producte der Welt übertroffen werden.“*

Braunschweiger kultivierten blütenweiße Stangen

frischer Spargel (Foto: Petra Bork / pixelio.de)

Die Karriere des Spargels als königliches Gemüse begann in Deutschland vergleichsweise spät: Die Ägypter und Griechen kannten ihn schon vor etwa 4.500 Jahren und nutzten ihn als Heil- und Speisepflanze. In Europa wurde das Gemüse von den Römern im 13. Jahrhundert eingeführt, allerdings als Arzneimittel. In Norddeutschland baute man wahrscheinlich erst im 17. Jahrhundert Spargel an. Anders als Franzosen und Engländer kultivierten die norddeutschen Bauern statt der grünen Variante den weißen Stangenspargel. Der Spargel wurde fortan weniger als Arznei genutzt, sondern vor allem als saisonale Spezialität genossen.

Mit Hilfe der Konservenindustrie von Braunschweig nach China

Spargelschälerinnen in einer Braunschweiger Konservenfabrik (Stadtarchiv Braunschweig)

Der Spargelanbau und die Entwicklung der Konservenindustrie standen in Braunschweig in einem ursächlichen Zusammenhang. Weil der Spargel ein sehr empfindliches Gemüse war, konnte er als Frischgemüse zunächst nur über begrenzte Distanzen transportiert werden. Zu den Versandorten gehörten damals bereits „Berlin, Magdeburg, Leipzig, Dresden, Breslau, Köln, Hannover, Bremen, Hamburg, Lübeck, Kiel, Kopenhagen. Auch nach Stockholm findet der Versand statt, und sogar Erfurt und Mainz, die selber bedeutenden Spargelbau treiben, beziehen regelmäßig nicht unerhebliche Mengen von frischer Waare aus Braunschweig.“**

Um 1850 gelang es, das Gemüse in Dosen zu konservieren. Daraufhin begann der Spargelanbau in Braunschweig in größerem Umfang. Braunschweig entwickelte sich zu einem der Hauptanbaugebiete für Spargel im damaligen Deutschen Reich. Konserviert konnte der Spargel ganzjährig angeboten und über weite Strecken verschifft werden. Ferdinand Sonnenburg erwähnt, dass besonders große Bestellungen bis nach China, Japan, Melbourne, Sydney, New York und Zentralamerika versandt wurden.

Die Qualität und die Menge des angebauten Gemüses machten die Stadt zum Zentrum der Konservenindustrie vor dem Zweiten Weltkrieg. Damit wurde der Braunschweiger Spargel zu einem Inbegriff für Qualität.

Heute genießt man den Spargel vor allem im Frühjahr, wenn er als frisches Produkt auf den Märkten in und um Braunschweig erhältlich ist. Von seiner ursprünglichen Qualität und dem guten Ruf hat der Braunschweiger Spargel indes nichts eingebüßt.

Quellen:

Gertrud und Georg Ruppelt, Das Buch vom Spargel aus Braunschweig, Geschichte, Geschichten und viele Rezepte rund um ein Spitzengemüse, Verlag Michael Kuhle, Braunschweig 1994.
* Ferdinand Sonnenburg, Spargelbau in Braunschweig; in: Hrsg.: Adolf Kröner, Die Gartenlaube, Heft 21, S. 350, Leipzig, 1881.
** Gustav Burmester, Der Braunschweiger Spargelbau, Anleitung, den Spargel zu seiner größeren Vollkommenheit und den höchsten Erträgen anzuziehen, Hellmuth Wollermann, Braunschweig 1898
spargelseiten.de; Georg Köster, August-Hinrichs-Str. 12, 26160 Bad Zwischenahn

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