Natürlich bunt dank sanfter Chemie

Dass technische Innovationen auch ökologisch nachhaltig sind, ist nicht selbstverständlich. Vor allem die chemische Industrie genießt in Sachen Umwelt keinen besonders guten Ruf. Um zu beweisen, dass Chemie und Ökologie auch Hand in Hand gehen können, gründete Hermann Fischer das Unternehmen Auro Naturfarben: Nur mit Rohstoffen aus der Natur werden hier Farben hergestellt, die höchsten technischen Ansprüchen genügen und zugleich ökologisch nachhaltig sowie gesundheitlich unbedenklich sind. Inzwischen fast die Hälfte davon für den Weltmarkt.

Bei Mikroplastik denke ich zuerst an Verpackungsmaterial und Einkaufstüten. Doch das Problem ist viel weiter verbreitet: Auch die meisten Farben und Lacke beinhalten synthetische Materialien „petrochemischen“ Ursprungs, basieren also auf Erdöl. Flüssigkunststoffe, in dünnen Filmen auf Gartenzäune und Hauswände aufgebracht, blättern witterungsbedingt ab und gelangen als Mikroplastik in unserer Umwelt. Und das ist nur eines von vielen Beispielen für die ökologischen Nebenwirkungen synthetischer Produkte auf Erdölbasis. Bis in die 80er Jahre schien dies alternativlos. Aber der promovierte Chemiker Hermann Fischer wollte sich damit nicht zufriedengeben.

© AURO AGFür gesundes Wohnen legt man bei Auro auch höchsten Wert auf eine toxikologische Unbedenklichkeit aller Produkte.

Alles aus der Natur

Und so gründete Dr. Fischer 1983 in Braunschweig das Unternehmen Auro Naturfarben, um nicht nur die Möglichkeiten von Farben auf Basis natürlicher Rohstoffe zu erforschen, sondern auch eigene Produkte zu entwickeln, die den Markt hin zu mehr Nachhaltigkeit verändern. „Es war von Anfang an unser Anspruch, drei tragende Säulen auszubalancieren: Nachhaltige Naturprodukte, die zugleich höchste technische Ansprüche erfüllen und gesundheitlich unbedenklich sind“, erzählt mir Edwin Hribek, seit dem Ruhestand von Fischer im Jahre 2011 Vorstandsvorsitzender der Auro Pflanzenchemie AG. „Wir sind überzeugt, dass zeitgemäße und zukunftsfähige Produkte auf keine dieser drei Aspekte verzichten können.“

© AURO AGDer gebürtige Münchner Edwin Hribek ist bereits seit 2003 bei Auro und seit 2011 auch dessen Vorstandsvorsitzender.

Mehr als 800 Farbtöne für den Innen- und Außenbereich über Lacke, Öle und Wachse bis hin zu Reinigungs- und Pflegeprodukten umfasst das Sortiment von Auro heute. Dem zugrunde liegt ein Mix aus mineralischen und pflanzlichen Rohstoffen aus Blüten, Schalen, Stängeln und Wurzeln oder auch Kalk und Graphit. „Die Natur bietet eigentlich alles, was man braucht“, verrät Hribek. Inzwischen sind 45% der Produkte für den Export bestimmt; die Naturfarben von Auro machen Fassaden und Wohnräume von Japan bis in die USA ökologisch nachhaltig bunt.

© AURO AGSeine zahlreichen Rohstoffe verdankt Auro der bunten Vielfalt der Natur.

Wissenschaftlichkeit in der DNA

Anfangs wurde Auro belächelt. Doch Gründer Hermann Fischer ließ sich davon nie entmutigen und folgte weiter seiner Philosophie der sanften Chemie: “Auro war nie ein klischeehaftes Öko-Unternehmen. Wir hatten schon immer einen profunden wissenschaftlichen Kern. Hermann Fischer hat das quasi in die DNA des Unternehmens integriert“, erklärt mir Hribek. So sei die Produktentwicklung immer ohne ideologischen Hokuspokus auf rein wissenschaftlicher Ebene durchgeführt worden: „Das hat uns geholfen, die frühen ökologischen Zugeständnisse – Farbe trocknet nicht so gut oder deckt schlechter – schnell zu überwinden.“

© AURO AGDie Produkte von Auro fügen sich schonend in den ökologischen Kreislauf ein.

47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Auro heute, davon allein sechs im Bereich Forschung und Entwicklung – ein ungewöhnlich hoher Anteil gemessen an der Unternehmensgröße. “Wir sind ein überaus forschungsintensives Unternehmen. Das ist der Schlüssel zu unserem Erfolg und die Voraussetzung, um ökologische Produkte herzustellen, die zugleich den höchsten technischen Ansprüchen genügen“, so Hribek. Doch das Innovationspotential reicht noch weiter: "Wir sind mittlerweile auch als eine Art Forschungspartner in Braunschweig etabliert, sodass externe Projektpartner an uns herantreten. Wir arbeiten beispielsweise immer wieder mit der TU Braunschweig und dem Fraunhofer WKI zusammen.“

Dort gibt es aktuell ein Projekt, bei dem ein Flammenschutzmittel schon in das Bindemittel des Produkts integriert wird. Auf diese Weise lassen sich feuerbeständige Farben in Bioqualität erreichen, was zuvor nicht möglich war. Und noch spannender ist der Bau nachhaltiger Multicopter-Drohnen aus Leichtholz. Deren ökologische Beschichtung kommt natürlich aus dem Hause Auro, erzählt mir Hribek stolz und schwärmt: „Unsere zahlreichen Verbindungen in die Forschungsregion haben schon zu ganz konkreten Produkten geführt und bringen uns immer wieder voran.“

Text: Stephen Dietl, 10.05.2021