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Standardisierte Dekubituserfassung in der ambulanten und stationären Pflege

Bericht zur Prävalenz von Dekubitalgeschwüren 2004 in Braunschweiger ambulanten und stationären Einrichtungen


Das Thema "Dekubitus"/“Dekubitalulcera“ (Druckgeschwüre) ist nach wie vor ein Thema in der Pflege, das Pflegefachkräfte, Mediziner, Pflegewissenschaftler und pflegende Angehörige gleichermaßen beschäftigt. Es handelt sich hierbei um Gewebeschädigungen, die durch hohen und länger anhaltenden Druck auf die Haut und darunter liegende Gewebeschichten beim Liegen entstehen. Dieser Vorgang kann durch Reibung oder Scherkräfte zusätzlich negativ beeinflusst werden. Druckgeschwüre sind mit bloßem Auge erkennbare Veränderungen der Haut. Zu den Risikofaktoren für die Entstehung von Dekubitus gehören: Immobilität (weniger als 1 Spontanbewegung / Stunde Schlaf), Sitzen ohne Druckentlastung, „Kachexie“ (Auszehrung), vorausgegangene große chirurgische Eingriffe, Bewusstlosigkeit, Sedierung, „Exsikkose“ (Austrocknung), Fieber, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Durchblutungsstörungen, Inkontinenz etc.

Mit gezielten pflegerischen Maßnahmen (häufiges Umlagern) und speziellen Hilfsmitteln (z. B. Antidekubitus-Lagerungssysteme) kann das Wundliegen (Dekubitus) oft verhindert werden.

Einmal entstanden sind Drückgeschwüre für die Betroffenen sehr belastend, ihre Behandlung aufwendig und teuer, die Heilung langwierig.

Das Ziel der Patienten, der Angehörigen und aller an der Versorgung des Patienten teilhabenden Berufsgruppen muss die Vermeidung eines solchen Druckgeschwürs sein. Dazu müssen verschiedene aufeinander abgestimmte, aktivierende und rehabilitierende Maßnahmen durchgeführt werden. Die wichtigsten sind die Mobilisierung, die richtigen Lagerungen und die Druckentlastung des Patienten. „Dekubitus wird in der gesundheitspolitischen Diskussion als Qualitätsindikator für pflegerische und medizinische Versorgung alter sowie kranker und somit auch jüngerer Menschen gesehen, woran sich Forderungen nach einem effizienten Pflegemanagement sowie zeitlicher und finanzieller Mehrausstattung von Einrichtungen des Gesundheitswesens knüpfen“. (Gesundheitsberichterstattung des Bundes, H12; 2002)

Anfang 2003 erschien in der Braunschweiger Zeitung ein Artikel unter der Überschrift: „Tausende Tote durch falsche Pflege“, der die Ergebnisse einer zweifelhaften Untersuchung eines Rechtsmediziners der Medizinischen Hochschule präsentierte. Die Entrüstung aller professionell Pflegenden aus Braunschweiger Alten- und Pflegeheimen war nachvollziehbar groß. Zur Dekubitus-Situation in Braunschweig lagen nur grobe Schätzwerte vor.

Mit der Diskussion im Sozialausschuss vom 6. Februar 2003 kam ein Stein ins Rollen, den die Braunschweiger Pflegekonferenz Juni 2003 aufgegriffen hat. Eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern des Gesundheitsamtes, der Gesundheitsplanung und des städtischen Klinikums wurde gebildet mit dem Ziel einer standardisierten Erfassung der Dekubitusrate in der ambulanten und stationären Pflege. Eine niedrige Dekubitus-Rate zählt heute unbestritten als der wesentliche Indikator für qualitativ gute Pflege. Darüber hinaus haben andere Studien bereits gezeigt, dass als Folge der Erfassung und der damit verbundenen gesteigerten Aufmerksamkeit die Anzahl der Dekubitalulcera rückläufig war.

Ziele und Vorteile einer Dekubitus-Erfassung in Braunschweig:

  • Instrument der internen Qualitätssicherung der jeweiligen Pflegeeinrichtung
  • Teilnahme am Projekt nutzbar für das Marketing der Einrichtung
  • Instrument gegen die Emotionalisierung des Themas
  • Transparenz der örtlichen Pflegequalität als Vertrauensbasis für Patienten und Angehörige

Projektbeschreibung:

Auf der Grundlage der Freiwilligkeit, Anonymität und der Gewährleistung von Datenschutz bei gleichzeitiger unkomplizierter und kostenfreier Dokumentation beteiligten sich von 59 pflegenden Einrichtungen in Braunschweig 40 Institutionen an dem Projekt. Das entspricht einer beachtlichen Beteiligungsrate von 68 % (im ersten Anlauf).