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Ass 5 Roloff

Ass.5 Roloff (Plan 1751 Wolfenbuetteler Staatsarchiv)

Brinksitzerstelle No. 5.
Dieses ist einer der wenigen Stellen, die noch heute im Besitz des 1772 genannten Geschlechtes ist, nur das die Schreibweise des Namens sich gewandelt hat und aus dem Raulffs von damals Roloffs geworden sind.
Des heutigen Besitzers Vater und Grossvater waren Schneider und im Nebenberuf Glockenläuter und Totengräber.

Ass.5 Roloff (Plan 1866 Separation Wolfenbuetteler Staatsarchiv)

Der Grossvater hatte, als der alte Stahl, der Schwiegervater des späteren Kantors Neuner, Lehrer und Opfermann war, ein eigentümliches Erlebnis, das sich nicht hat aufklären lassen. An einem Sonnabend abends, als es galt, den Sonntag einzuläuten, sieht Roloff plötzlich unter sich in der Nähe der Uhr eine Gestalt. Er läutet weit über die Zeit des üblichen „Schauers“ aus purer Angst, in der Hoffnung, dass die unheimliche Figur verschwinden möchte. Als das nicht geschah, schien ihm der Ausweg nach unten abgeschnitten, er retirierte nach oben und ………..sprang aus einem in der Nähe des Schalloches befindlichem Eulenloche in die Tiefe, auf den Kirchhof ohne sich zu schaden, zum Erstaunen des Opfermannes, der sich das schnelle Erscheinen des Roloffs nicht erklären konnte, da die Glocken noch klangen, als Roloff schon neben ihm stand.
Der alte Roloff war eine fröhliche Natur und hatte eine Ader vom alten Münchhausen.

Ass.5 Roloff (Plan 1918 Heimatpfleger B.Aumann)

Der jetzige Alte ist Schuhmacher von Beruf, ein Mensch, der immer tätig war, heiteren Sinnes allezeit, ein Patriot, aber weichen Gemüts. Auch hatte er die Gabe, andere Menschen mit seiner zwar engbegrenzten aber packenden Vortragskunst erfreuen zu können. Er ist verheiratet mit Antonie geb. Behme aus Wedtlenstedt (neben der Kirche). Sie feierten 1927 die goldene Hochzeit.
Soldat war R. bei den 92 – ern, damals von 1871 - 73 in Zabern, das später einmal zu einer wenig löblichen Berühmtheit gelangte, im Reichstag und in der Presse, weil sich dort Militär und Bürgersleute nicht vertragen konnten.
Kinder wurden 3 geboren und gross.

Ein seltenes Glück hat ein Sohn gehabt. Er wurde Kaufmann, lernte in dem alten C.W. Böttercherschen Eisen-und Kurzwarengeschäft am Radeklint. Der Lehrherr gewann den fleissigen, bescheidenen und aufgeweckten jungen Menschen lieb und hat ihm nach Jahren der Bewährung das Geschäft überlassen, trotzdem er selber Söhne hatte, die aber nicht nach seinen Wünschen eingeschlagen waren und ihm wohl nicht den Bestand und guten Ruf der Firma sicherten. Heute ist die Firma eine der grössten ihrer Branche in Braunschweig.
Die Verbindung mit dem Elternhaus und der Heimat ist dadurch besonders zum Ausdruck gekommen, dass der Sohn seinen Eltern so etwas wie eine Filiale übertragen hat, worüber die Timmerlaher durchaus nicht böse waren, da es für die Einkäufe Bequemlichkeit und Verbilligung bedeutete.

Wilhelm Roloff ist verheiratet mit Luzie geb. Gräben aus Brandenburg a.d. Havel. Ihnen sind 2 Kinder geboren, wovon die Tochter schon verheiratet ist und als „Morgengabe“ ein Geschäft wie das väterliche am Altenwiekring bekam.
Die beiden Töchter suchte das Glück ebenfalls. Die älteste wurde die Frau eines Militärs, der nach 12 - jähriger Dienstzeit zur Post ging und leider 1930 wegen eines Lungenfehlers, den er sich im Felde zugezogen hatte, quittieren musste. Ihm, der heute mit den Seinen den Laden versieht, wird die alte Stelle wohl mal zufallen und so aus dem Namen Roloff der Name Renkauf werden, den bei Meiningen in einem grossen Dorfe, Hermannfeld, auch ein altes Bauerngeschlecht trägt. Von den beiden Kindern (Töchtern) ist die ältere schon unter der Haube.
Die andere Tochter - Jugend-Freundin meiner Frau - holte sich auch einen Mann im bunten Rock, ebenfalls 92 er, Karl Pohland, dessen Vater Berufsgenosse und Kamerad des alten Roloff ist. Er ging zum Zoll, tat Dienst an der Grenze und an der Küste und ist heute in Bockenem im Amt. Auch diesen Eheleuten fehlt Sohn - nur 2 Töchter brachte der Storch.

Der alte Meister hat mich nicht oft bei sich unter seiner Schusterkugel gesehen, aber doch stehen wir uns nahe, da er vielfach wie ich empfindet und eine fein besaitete Natur ist. Vor allem boten die Zusammenkünfte des Landwehrvereins Gelegenheit, einander näher zu kommen und nicht zuletzt die Minuten, wo wir uns im Felde und am „Busche“ trafen und sprachen.

Angefügt sei hier kurz, dass oben in diesem Hause lange Zeit die ehrbaren, frommen Natzleute wohnten, wo der Mann Bahnarbeiter war, und der im hohen Alter Tag für Tag schaufelnd und hantierend am Bahndamm stand, krumm den Rücken, hart die Hände aber ein Kinderherz in der Brust. Er wie seine Frau lebten von Pfennigen, standen ganz zu ihrer Kirche - den Baptisten - und warben dafür, und damit für das Reich Gottes durch Tat und Wort, welch letzteres besonders der Frau lag. So wenig ich das Letztere liebte, habe ich die von ihr verteilten Traktate doch immer gern gelesen, wie auch die Kinder sich die kleinen Karten und Bilder mit Sprüchen ebenfalls gern schenken liessen.

 

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