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Geothermie (Erdwärme)

Die Wärmegewinnung aus Erdwärme bietet eine saubere Alternative zu herkömmlichen Methoden. In Zeiten des Klimawandels bekommt diese Form der Energiegewinnung eine immer größere Bedeutung und kann bis zu 75 % des Wärmeverbrauchs eines Hauses decken. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Möglichkeiten der Erdwärmenutzung und weitere nützliche Informationen dargestellt.

Schon vor einem klärenden Gespräch können Sie sich auf der Internetseite des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) http://nibis.lbeg.de/geothermie/  einen Überblick darüber verschaffen, ob Ihr Grundstück für die Nutzung von Erdwärme in Frage kommt.

1. Art der Energiegewinnung

Es gibt verschiedene Anlagen zur Wärmeenergiegewinnung. Die drei Herkömmlichsten stellen Sonden, Kollektoren und Brunnen dar. Details zu den einzelnen Methoden und zusätzliche Informationen können Sie dem „Leitfaden für Erdwärmenutzung in Niedersachsen 2012“ (https://www.umwelt.niedersachsen.de/themen/wasser/grundwasser/erdwaerme/erdwaermenutzung-in-niedersachsen-8927.html) entnehmen.

Erdwärmesonden
Erdwärmesonden werden vertikal in den Boden gebracht und bestehen aus paarweisen Kunstrohrschleifen, die mit Wärmeträgerflüssigkeit befüllt sind. Nahe der Oberfläche sind die Sonden über Sammelleitungen an eine Wärmepumpe angeschlossen. Hier wird Energie aus der Bodentemperatur gewonnen.

Erdwärmekollektoren
Erdwärmekollektoren werden tiefgründig auf ca. 5 Meter in den Boden eingelassen und beziehen die Energie aus der solaren Einstrahlung und Niederschlägen. Bei heutigen Wärmedämmvorschriften wird in etwa das Ein- bis Zweifache des zu beheizenden Wohnraumes an Fläche benötigt. Die Leistung der Kollektoren korreliert stark mit den Eigenschaften des Bodens.

Erdwärmebrunnen
Bei den Erdwärmebrunnen wird die Energie aus dem Grundwasser bezogen. Hierfür werden mindestens ein Förder- und ein Schluckbrunnen benötigt. Das geförderte Grundwasser wird abgekühlt und durch den Schluckbrunnen wieder in die selbe Grundwasserschicht zurückgeführt.

2. Zuständigkeiten

Alle Bohrungen sind zwei Wochen vor Beginn der Maßnahme beim LBEG anzuzeigen. Bei der Wasserbehörde der Stadt Braunschweig müssen alle Bohrungen mindestens einen Monat vor Beginn angezeigt werden. Die Anzeige ist online unter https://nibis.lbeg.de/Bohranzeige/ zu übermitteln. Es kann vorkommen, dass anstelle einer Anzeige eine Erlaubnis oder eine Befreiung von der Schutzgebietsverordnung notwendig wird. In diesem Falle wird, sofern dies in der Anzeige erklärt wurde, die Anzeige als Antrag gewertet.

Erdwärmesonden
Erdwärmesonden, die eine Leistung von unter 30 kW erbringen, sind anzeige- oder erlaubnispflichtig. Dies richtet sich nach dem Standort auf dem die Anlage errichtet werden soll. Auf einem zulässigen Standort reicht eine online übermittelte Anzeige an die Wasserbehörde der Stadt Braunschweig aus. Wenn die Frist verstrichen ist, oder eine Erlaubnis erteilt wurde, kann mit dem Bau der Anlage begonnen werden. Erlaubnispflichtig sind Anlagen auf einem bedingt zulässigen Standort und alle Anlagen, die über 30 kW produzieren. In diesem Fall erfolgt eine wasserrechtliche Einzelfallprüfung. Bei einem positiven Ergebnis kann die Erlaubnis auf Grundlage von § 10 des Wasserhaushaltgesetzes oder der jeweiligen Wasserschutzgebietsverordnung erfolgen.

Über die Standorteignung Ihres Wohnsitzes können Sie sich vorab auf dem Kartenserver NIBIS unter http://nibis.lbeg.de/cardomap3/ (Geothermie - Nutzungsbedingungen oberflächennaher Geothermie) informieren.

Erdwärmekollektoren
Erdwärmekollektoren sind unter Berücksichtigung der „Verordnung über Schutzbestimmungen in Wasserschutzgebieten“ (SchuVo) zulässig sofern sie sich nicht in der Nähe von Brunnen zur Gewinnung von Trink-, Heilquellen- oder Mineralwasser befinden. Wenn zulässige Wärmemittel (siehe 4.) eingesetzt werden, ist keine hydrogeologische Beurteilung notwendig. Eine wasserrechtliche Erlaubnis wird bei einem Abstand von weniger als 1 m zum höchsten Grundwasserstand oder einer Leistung über 30 kW erforderlich. Empfohlen wird der Einbau 1 m über dem Grundwasserspiegel oder über einer mindestens 2 m mächtigen bindigen Schicht. Bei nicht wassergefährdenden Stoffen ist, mit Erlaubnis, ein Einbau im Grundwasser möglich.

Erdwärmebrunnen
Erdwärmebrunnen sind grundsätzlich erlaubnispflichtig. Eine wasserrechtliche Erlaubnis durch die Wasserbehörde der Stadt Braunschweig ist erforderlich. Bei diesen Brunnen handelt es sich um Grundwasserbenutzungen nach § 9 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Hierfür muss eine Erlaubnis nach § 10 des WHG vorliegen.

3. Bohrunternehmen

Zur Erstellung einer solchen Anlage muss das beauftragte Bohrunternehmen, entsprechend der VDI Richtlinie 4640, seine Zulassung nach DVGW W120 mit dem für das jeweilige Projekt notwendigen Zertifizierungsumfang (bzw. nach Auslaufen dieser Zertifikate nach dem DVGW – Arbeitsblatt W 120 – 1 und 2 vom Juli 2013) nachweisen. Die Vorlage des Meisterbriefes und entsprechende Bohrgeräteführernachweise sind Voraussetzung für die Durchführung. Es ist der Sachkundenachweis, Eignungsprüfung für Bohrgeräteführer nach DIN 4021 (alt) DIN ISO 22454 – 1 (neu) des verantwortlichen Bohrgeräteführers vorzulegen, welcher am Tage der Bohrung an der Baustelle vor Ort ist.
Bei der Durchführung sind die entsprechenden Gesetze (WHG und LWG), Schutzgebietsverordnungen, DIN- Vorschriften, ISO- Normen, DVGW- Richtlinien, VDI Richtlinie 4640 zu berücksichtigen.

4. Wärme-/Kältemittel

Alle Wärmepumpen dürfen nur mit Wärme- und Kältemitteln bestückt werden, die nicht wassergefährdend sind oder der Wassergefährdungsklasse (WGK) 1 entsprechen.

5. Gebühren

Für Erlaubnisse oder Genehmigungen nach der Wasserschutzgebietsverordnung wird nach dem Niedersächsischen Verwaltungskostengesetz eine Gebühr fällig. Diese richtet sich nach der Art und Größe der geplanten Anlage.

6. Ansprechpartner/-in

Herr Pfeiff

Kontakt

Weitere Informationen

Gewässer/Grundwasser: technische Fragen, Gewässerrenaturierungen: Wasserwirtschaftliche Belange, Wasserschutzgebiet, Erdwärmenutzung