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Konzeptentwicklung für ein modellhaftes grünes Gewerbegebiet am Autobahnkreuz A2/A39

Braunschweig, 26.11.2020 - Referat Kommunikation

gemeinsame Presseerklärung der Städte Braunschweig und Wolfsburg sowie der Landkreise Wolfenbüttel und Helmstedt

© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen

Die Städte Braunschweig und Wolfsburg sind prägender Teil der wichtigsten Industrie- und Forschungsregion Niedersachsens. Internationale Konzerne und renommierte Forschungseinrichtungen sind hier ebenso ansässig wie ein breit gefächerter Mittelstand. Der bemerkenswerte Mix aus Gewerbe- und Industriestätten sowie wissenschaftlichen Einrichtungen schafft die Grundlage dafür, dass sich hier Wirtschaft und Wissenschaft perfekt ergänzen. Ihre wirtschaftliche Stärke und Innovationskraft in Verbindung mit der hervorragenden Lage mitten in Europa machen die Region zu einem attraktiven Standort.

Der durch die Braunkohlewirtschaft geprägte Landkreis Helmstedt wird in seinem Kerngebiet von dieser positiven wirtschaftlichen Entwicklung bislang nicht erfasst. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegen die Wirtschaftskraft und die damit verbundenen Gewerbesteuereinnahmen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Für das Braunkohlekraftwerk am Standort Buschhaus endete die Sicherheitsbereitschaft im Jahr 2020. Durch dieses endgültige Aus der Braunkohleförderung und -verstromung verschärft sich die schwierige wirtschaftliche Lage zusätzlich. Ein Strukturwandel hin zu zukunftsorientierten Arbeitsplätzen ist dringend erforderlich. 

Eine positive wirtschaftliche Entwicklung ist eng verbunden mit einer aktiven kommunalen Ansiedlungspolitik. Durch die Ansiedlung von Unternehmen bzw. deren Vergrößerung kann das Arbeitsplatzangebot erhalten und ausgebaut werden. Arbeitsplätze werden gesichert oder neu geschaffen, wertvolle Fachkräfte nachhaltig an die Region gebunden, Gewerbesteuern eingenommen und lokale bzw. regionale Wertschöpfung generiert. Damit stellt die wirtschaftliche Entwicklung vor allem auch eine Wohlstandssicherung dar. Denn ohne Gewerbesteuereinnahmen können keine Investitionen in Schulen und Kindergärten, Gemeinde- und Kreisstraßen, Schwimmbäder, Freizeit- und Kultureinrichtungen, soziale Infrastruktur, Umweltschutzmaßnahmen oder in schnelle Internetanschlüsse erfolgen.

Mit Blick auf den überregionalen Standortwettbewerb muss der Landkreis Helmstedt attraktive und zukunftsweisende Rahmenbedingungen schaffen, um die Ansiedlung neuer Unternehmen zu fördern und den Wegzug von Bestandsunternehmen zu verhindern. Die Bereitstellung attraktiver Flächen für die Gewerbeansiedlung in Verbindung mit nachhaltigen Konzepten ist hierfür von entscheidender Bedeutung. Die Städte Braunschweig und Wolfsburg haben bereits jetzt ein Defizit an Gewerbeflächen und legen daher neben der Entwicklung eines Flächenangebots auf dem eigenen Stadtgebiet auch einen Schwerpunkt auf interkommunale Kooperationen. 

Um den dringend notwendigen wirtschaftlichen Strukturwandel erfolgreich zu gestalten, hat der Landkreis Helmstedt zukunftsorientierte Projekte für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung entwickelt. Klima- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit stehen dabei im besonderen Fokus. Im Rahmen dieses landkreisweiten Strukturwandels geht es um ein ausgewogenes Verhältnis von wirtschaftlichen Notwendigkeiten und ökologischen Standards. Einerseits wird der Natur nach dem Braunkohleabbau erheblicher Raum zurückgegeben werden, wie zum Beispiel durch den Lappwaldsee, den Eitzsee, die großen Renaturierungsflächen der ehemaligen Tagebauflächen und das Projekt „Wildnis wagen“ im Tagebau Schöningen. Andererseits ist es erforderlich, Flächen für die langfristige Sicherung des Wohlstands der Menschen im Landkreis Helmstedt zu erschließen. 

„Ein zentrales Projekt für den wirtschaftlich notwendigen Strukturwandel und die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist die Errichtung eines modellhaften Gewerbegebietes am Autobahnkreuz Wolfsburg/Königslutter am Elm (A2/A39)“, verdeutlicht der Helmstedter Landrat Gerhard Radeck. „Ziel ist es, in einem ersten Konzept zu erarbeiten, wie dieses Gewerbegebiet im nordwestlichen Teil des Landkreises Helmstedt zwischen den beiden Oberzentren Braunschweig und Wolfsburg einen auf nachhaltige Technologie ausgerichteten Schwerpunkt erhalten und damit neue, zukunftsorientierte Gesichtspunkte in den Fokus rücken kann.“

„Gewerbegebiete sind neu zu denken. Dabei geht es um den schonenden Umgang mit knappen Flächen ebenso, wie nachhaltiges Bauen, effiziente Energienutzung, integrierte Mobilitätskonzepte und den schonenden Umgang mit Natur und Landschaft“, so die Wolfenbütteler Landrätin Christiana Steinbrügge.

Zur Bewältigung des Strukturwandels steht die Transformation hin zu einer ökonomischen, ökologischen sowie sozial nachhaltigen Wirtschaftsstruktur an oberster Stelle, um den Menschen in den betroffenen Regionen und insbesondere in den ländlichen Teilen neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven zu bieten. Daher stehen für das angedachte Gewerbegebiet insbesondere Themen wie die Entwicklung einer modellhaften grünen Infrastruktur zur Einbindung des Standortes in ein regionales Biotopverbundnetz im Fokus. Auch die deutliche Verbesserung der Anbindung an das regionale ÖPNV-Netz – und damit die Gewährleistung der Erreichbarkeit des potenziellen Gebiets für Fach-/Arbeitskräfte durch emissionsarme Verkehrsmittel – wird angestrebt.

Der interkommunale Kooperationsansatz zur Ausweisung eines gemeinsamen Gewerbegebietes stellt die bedarfsgerechte Entwicklung der benötigten Gewerbeflächen über kommunale Grenzen hinweg sicher, stärkt die beiden Oberzentren Braunschweig und Wolfsburg, unterstützt den Strukturwandel und die Standortentwicklung in den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel und fördert nicht zuletzt auch den Regionsgedanken. Die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit aller beteiligten Kommunen, sowie die der Region insgesamt, würden nachhaltig gestärkt. „Braunschweig macht sich schon lange für interkommunale Lösungen zur Bewältigung der Gewerbeflächenknappheit stark. Attraktive Gewerbe- und Industrieflächen bieten Raum für die Ansiedlung oder Erweiterung von Unternehmen und damit für die Schaffung neuer Arbeitsplätze für unsere Region“, so Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth. „Dieser erneute Vorstoß für ein interkommunales Gewerbegebiet ist ein ebenso positives wie notwendiges Signal für die Zukunftsfähigkeit unserer Kommunen und unserer gesamten Wirtschaftsregion.“

Daher soll auf der Grundlage des Konzeptes regionalbedeutsamer Gewerbestandorte (KOREG) im kommenden Haushaltsjahr 2021 eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden. Das Ziel ist, die Potentiale einer gewerblichen Entwicklung mit den genannten Schwerpunktsetzungen zu prüfen. Dabei geht es insbesondere auch um die Ermittlung des Bedarfs, um entsprechende Ausbaustufen zu realisieren. Auch die Vereinbarkeit mit Ansprüchen wie entstehenden Verkehrsströmen sowie Umwelt- und Klimaschutz stehen im Fokus. Denn im Sinne einer Transformation hin zu einer ökonomischen, ökologischen sowie sozial nachhaltigen Wirtschaftsstruktur geht es darum, neue Wege zu beschreiten. Die entwickelte Idee eines modellhaften grünen Gewerbegebietes der Zukunft zur Stärkung der regionalen Wirtschaft kann hierzu beitragen. 

„Interkommunale Gewerbegebiete sind wichtig, weil sie flächenschonend sind, die kommunalen Haushalte entlasten und sowohl der Wirtschaft als auch den Menschen in der Region helfen“, erklärt Klaus Mohrs, Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg. „Das Gewerbegebiet am Autobahnkreuz Wolfsburg/Königslutter am Elm sticht insbesondere durch seine besonders günstige verkehrstechnische Lage hervor.“