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„Meilenstein der Pandemiebekämpfung in Braunschweig“

Braunschweig, 24.09.2021 | Referat Kommunikation

© Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen

Nach neun Monaten und über 200.000 Schutzimpfungen gegen Covid-19 schließt das Impfzentrum Braunschweig in der Stadthalle planmäßig zum 30. September, die letzten Impfungen finden am 27. September statt. Oberbürgermeister Ulrich Markurth sprach von einem "Meilenstein der Braunschweiger Pandemiebekämpfung". Bei einem Besuch im Impfzentrum am vorletzten Impftag in der Stadthalle dankte er den rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die über die Monate in den unterschiedlichsten Funktionen für das Impfzentrum tätig gewesen seien. Dank ihrer engagierten und gut organisierten Arbeit sei es gelungen, die Aufgabe, große Teile der Bevölkerung quasi auf einmal zu impfen, trotz schwieriger Bedingungen wie der Monate währenden Impfmittelknappheit und großem öffentlichen Druck zu bewältigen. "Ich habe viel Lob für die Arbeit des Impfzentrums gehört", so der OB.

Zugleich markiere das landesweit verfügte Ende der Impfzentren eine kritische Wegmarke. "Der weit überwiegende Teil der Braunschweiger Bevölkerung ist geimpft, fast 70 Prozent haben die Zweitimpfung. Damit liegen wir besser als der Bundes- und Landesschnitt. Das ist ein Erfolg, zu dem alle beigetragen haben. Dazu gehören auch der Einsatz der mobilen Teams des Impfzentrums mit Impfaktionen vor Ort sowie die umfangreichen Werbemaßnahmen.

Als Wermutstropfen bezeichnete der Oberbürgermeister angesichts einer ungewissen weiteren Pandemieentwicklung die rund 10 Prozent aus der Braunschweiger Bevölkerung, die zu einer Herdenimmunität fehlen. Er appelliere an alle noch nicht Geimpften, sich einen Ruck zu geben und sich impfen zu lassen. "Die Haus- und Betriebsärzte stehen dafür bereit." Er danke allen, die im Freunden- und Bekanntenkreis für das Impfen geworben haben und dies weiter tun, wie überhaupt all denen, die Freunde und Angehörige unterstützt haben, die Impfung zu bekommen.

Nach den Vorgaben des Landes werde die Stadt nun ihre Hauptrolle beim Impfen abgeben; das Land setze den Kommunen hier klare Grenzen, betonte Markurth. Die Verwaltung sei gleichwohl unter Hochdruck dabei, beim Gesundheitsamt vier mobile Teams aufzubauen, die ab Oktober flexibel und punktuell zum Einsatz kommen, z. B. zum Beispiel für die Drittimpfung in Pflegeheimen oder bei Ausbrüchen in Einrichtungen.

Dr. Thorsten Kornblum, als Leiter der Task Force Impfzentrum zuständiger Dezernent für die städtische Impfkampagne der vergangenen Monate, sagte, Ende vergangenen Jahres seien unter Hochdruck aus dem Nichts heraus personelle und organisatorische Strukturen geschaffen worden. Innerhalb kürzester Zeit habe sich hier ein starkes Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hilfsorganisationen ASB, DRK, Johanniter und Maltester, der Bundeswehr und der Verwaltung sowie von Ärztinnen und Ärzten zusammengefunden, mit Peter Kropf als organisatorischem und Dr. Karl Wessel als ärztlichem Leiter an der Spitze. "Das hat es so noch nicht gegeben. Auch mein persönlicher Dank gebührt allen Beteiligten."

Das Impfzentrum Braunschweig sei Mitte Dezember startklar gewesen, um so frustrierender die lange Zeit des Wartens auf den Impfstoff und der schleppende Start des zentralen Terminmanagements. Auf die ständigen kurzfristigen Lieferschwankungen sei hervorragend reagiert worden, so dass immer kurzfristig die Bestände verimpft wurden und die Impfquote steigen konnte. Zu Spitzenzeiten seien über 2.500 Impfungen täglich durchgeführt worden. "Und die Zahlen hätten höher sein können, doch bis tief in den Monat Juli hinein war es immer der Impfstoff, der dafür nicht reichte", erinnerte Dr. Kornblum.

Weiterhin habe das Impfzentrums spontan mehrere tausend Impf-Termine für Personen von priorisierten Berufsgruppen wie Mitarbeitende in Arztpraxen, Rettungsdienst, Polizei, Schulen und Kitas in Eigenregie organisiert, um sie so schnell wie möglich impfen zu können, strich Dr. Kornblum heraus. Auch initiierte das Impfzentrum ein Pilotprojekt mit zwei Braunschweiger Schwerpunktpraxen, in denen erstmals im Zuge von laufenden Therapien Patienten bei ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten geimpft wurden. "Mit dem Impfzentrum hat – neben dem großen Engagement der Hilfskräfte und der Ärzteschaft – auch die Verwaltung gezeigt, wieviel sie schnell und unbürokratisch bewegen kann."

Jetzt gelte es, Erfahrung und Know-How der vergangenen Monate beim Aufbau der mobilen Impfteams im Gesundheitsamt zu nutzen, sagte Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast. Die gute Nachricht sei, dass für den Start in der Woche ab dem 4. Oktober Impfdosen über das Impfzentrum bezogen werden können. Grundsätzlich sollen die mobilen Teams künftig die Impfdosen über die Apotheken vorbestellen. Nach Landesvorgabe kann die Stadt maximal vier mobile Teams einsetzen. Dafür läuft derzeit noch die Ausschreibung bei externen Anbietern. Jeweils vier Personen sollen ein Team bilden.

Vorgesehen ist, dass die mobilen Teams der Kommunen als ergänzendes Angebot zu den Haus- und Betriebsärzten in Gemeinschaftsunterkünften, bei vulnerablen Gruppen und bei Ausbrüchen tätig werden können. Ein stationäres Impfangebot werde es im Gesundheitsamt nicht geben.

Für die Stadt gelte es künftig, in der Gefahrenabwehrleitung die weitere Infektionssituation genau zu beobachten und dann bei Ausbrüchen oder Schwerpunkten gezielt tätig zu werden, so Dr. Arbogast. Zudem stehe die Stadt mit einzelnen Schulen in Kontakt, um gegebenenfalls auch dort zu impfen. "Klar muss aber sein: Das Gros der Bevölkerung, das gilt auch für die Impfung von Jugendlichen, wird von den Hausärzten geimpft, seien das nun Erstimpfungen oder künftig nötige Auffrischungen. Mehr als punktuell können wir als Stadt mit dem, was vom Land für uns mit den mobilen Teams vorgesehen ist, nicht tätig werden." Ein Schwerpunkt in Braunschweig könnten Auffrischungsimpfungen in Alten- und Pflegeheimen sein, sagte Dr. Arbogast, auch wenn es dazu noch keine Stiko-Empfehlung gebe.

Weitere Infos zum Impfzentrum Braunschweig 

Das Impfzentrum war am 15. Dezember 2020 in der Stadthalle Braunschweig betriebsfertig aufgebaut, nachdem die Gesundheitsminister aus Bund und Ländern am 6. November 2020 die Grundzüge der Impfkampagne sowie den Aufbau der Impfzentren verabredet hatten. Ausgelegt war das Impfzentrum Braunschweig auf bis zunächst 1.280 Impfungen pro Tag. 

Aufgrund der geringen Verfügbarkeit des Impfstoffes zu Beginn der Impfkampagne begannen die Impfungen gemäß der Priorisierung zunächst in den Braunschweiger Alten- und Pflegeheimen. Die Priorisierung, wer zuerst eine Schutzimpfung erhalten sollte, wurde durch eine Verordnung des Bundes geregelt, die auf den wissenschaftlichen Empfehlungen der unabhängigen Ständigen Impfkommission beruhte. Diese folgten dem Anliegen, durch den Einsatz der Impfungen möglichst viele schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden. 

Am 31. Dezember 2020 traf der erste Impfstoff (195 Impfstoffvails à 6 Impfdosen des Herstellers BionTech) in Braunschweig an der Stadthalle ein. Am selben Tag starteten die Impfungen zur Immunisierung gegen das Corona-Virus: Zwei mobile Teams impften am Silvestertag die Seniorinnen und Senioren im Rudolfstift. Weitere Alten- und Pflegeeinrichtungen folgten unmittelbar an den darauffolgenden Tagen. Zudem begannen die mobilen Teams das Personal in den Braunschweiger Kliniken zu impfen. Bereits Anfang Februar 2021 konnten die Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeeinrichtungen abgeschlossen werden.

Am 10. Februar nahm das Impfzentrum in der Stadthalle seinen Betrieb auf. Etwa 160 Über-80-jährige Braunschweigerinnen und Braunschweiger wurden direkt am ersten Tag mit dem Impfstoff des Herstellers BionTech geimpft. Schritt für Schritt wurde das Impf-Angebot für weitere priorisierte Alters- und Berufsgruppen geöffnet, wobei die volle Kapazitätsauslastung des Impfzentrums durch die limitierte Verfügbarkeit der Impfstoffe bis Juli 2020 durchgehend nicht voll ausgeschöpft werden konnte.

Am 7. Juni wurde die Impfpriorisierung durch das Land Niedersachsen aufgehoben. Ab dem 21. Juni konnten sich Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren auch ohne Termin im Impfzentrum Braunschweig und bei den mobilen Teams an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet impfen lassen. Zwischen Juni und September fanden insgesamt 74 Einsätze im gesamten Stadtgebiet statt, z.B. auf dem Schlossplatz, an der TU Braunschweig sowie vor zahlreichen Kaufhäusern und Shopping-Centern. 

BionTech war aufgrund der größten Verfügbarkeit der meistgenutzte Impfstoff im Impfzentrum Braunschweig mit 126.332 Impfungen, gefolgt von Moderna mit rund 32.046 Impfungen, AstraZeneca mit rund 37.871 Impfungen und Janssen (Johnson&Johnson) mit etwa 7.860 Impfungen.

Insgesamt wurden 204.109 Impfungen im Impfzentrum und durch die mobilen Teams verabreicht, davon rund 111.766 Erst- und 92.345 Zweitimpfungen. 

Mit 2.512 Impfungen war der 7. Mai der Tag mit den meisten durchgeführten Impfungen im Impfzentrum. In der stärksten Impfwoche zwischen dem 19. Und 25. April wurden 9.645 Impfungen durchgeführt.

Insgesamt sind über die Dauer des Betriebs 689 Beschäftigte im Impfzentrum registriert worden, welche in den Funktionen als Ärzte, medizinische Fachangestellte, Verwaltungspersonal, Sicherheits- und Reinigungskräfte eingesetzt wurden. Weiterhin halfen zehn Soldaten im Rahmen der Amtshilfe bei dem reibungslosen Betrieb mit.