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OB: „Braunschweiger Klinikum muss in Ausbau der Ausbildungskapazitäten für Mediziner einbezogen werden“

Braunschweig, 20.10.2021 | Referat Kommunikation

© Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen

Die Stadt Braunschweig hat mit großer Irritation die Pressemeldung über den geplanten Aufbau eines Medizincampus Wolfsburg mit der Universitätsmedizin Göttingen am Klinikum Wolfsburg zur Kenntnis genommen. Diese Information überrascht insofern, als bereits im Februar 2018 zwischen der Niedersächsischen Landesregierung (MWK), der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und dem Städtischen Klinikum Braunschweig gGmbH (SKBS) nach vorbereitenden Gesprächen vereinbart wurde, am SKBS einen Campus der UMG zur Ausbildung von 60 Medizinstudierenden pro Jahr zu etablieren, um so den bestehenden Ärztemangel in Niedersachsen zu beheben.

"Im April 2018 wurden alle dafür erforderlichen Voraussetzungen geschaffen und in einem Projektplan skizziert, der in der Folge in zahlreichen Arbeitsgruppen intensiv und zielorientiert bearbeitet wurde. Bis zum Herbst 2019 wurde ein Großteil der Herausforderungen gelöst und viele der von der UMG und der Niedersächsischen Landesregierung geforderten Punkte konnten umgesetzt werden," beschreibt Dr. Andreas Goepfert, Geschäftsführer des Klinikums Braunschweig, den damaligen Prozess.

Ungeklärt blieben letztendlich drei Punkte, die zum damaligen Zeitpunkt nicht abschließend geklärt werden konnten (die juristische Bewertung eines abzuschließenden Vertrages zwischen UMG und SKBS, die Höhe der notwendigen Finanzierung der laufenden Kosten und der Investitionskosten sowie die Thematik der geforderten "Zwangsumhabilitation" der Chefärzte des SKBS) aber durchaus lösbar wären, wenn die Landesregierung eine auskömmliche Finanzierung zusagt.

In einer gemeinsamen Presseerklärung von UMG und SKBS vom Februar 2020 wurde die Öffentlichkeit über diese Problematik informiert und vorgeschlagen, den Start des Medizinstudiums in Braunschweig um ein Jahr auf das Wintersemester 2022 zu verschieben, um für die noch offenen Punkte passende Lösungen zu finden. Daraufhin hatte das MWK für sich entschieden, die Kooperationsgespräche zu beenden.

"Wir haben den seinerzeitigen Abbruch der Gespräche durch das Land als großen Rückschlag empfunden, eine verstärkte Medizinerausbildung in Campusstruktur am größten kommunalen Krankenhaus in Niedersachsen zu etablieren", erinnert sich Erster Stadtrat Christian Geiger, Stadtkämmerer und aktueller Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Braunschweig. Mit Ausbruch der Covid-19 Pandemie im Jahr 2020 in Deutschland haben dazu keine weiteren Gespräche zwischen UMG und SKBS mehr stattgefunden.

Oberbürgermeister Ulrich Markurth ist wegen nun und überraschend kommunizierten Kooperation der UMG mit dem Klinikums Wolfsburg auch im Hinblick auf die von ihm gelebte regionale Kooperation enttäuscht. "Nicht nur mit Blick auf Wolfsburg, sondern auch mit Blick auf das Land ist es bemerkenswert, dass ein solcher Lösungsansatz ohne die Beteiligung des größten Gesundheitsversorgers in der Region jetzt erfolgen soll", sagt Markurth. "Für alle Beteiligten ist klar, dass das Städtische Klinikum Braunschweig gGmbH gewillt war und auch weiterhin absolut gewillt ist, eine qualitativ hochwertige moderne und zukunftsfähige Medizinerausbildung in Braunschweig zu ermöglichen. Selbstverständlich müssten die oben noch nicht endgültig geklärten Punkte dabei gelöst werden."

Dr. Andreas Geopfert beschreibt die derzeitige Situation: "Das Städtische Klinikum Braunschweig gGmbH ist bereits jetzt Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover und schon über drei Jahrzehnte starker Partner bei der universitären Ausbildung von Medizinstudierenden (PJ-Studentinnen und Studenten)." Um den in Deutschland bestehenden Medizinermangel auflösen zu können, müssten deutlich mehr Medizinerinnen und Mediziner ausgebildet werden. Hierfür bestünden ebenfalls in Braunschweig die besten Voraussetzungen für diese Thematik. "Insofern stehen wir weiterhin bereit, mit der Medizinischen Hochschule Hannover oder auch anderen Kooperationspartnern diese Herausforderung anzunehmen."

"Das Klinikum Braunschweig als einziger kommunaler Maximalversorger in Niedersachsen ist geradezu prädestiniert dazu, sich an einer Medizinausbildung in Niedersachsen in einer regional führenden Rolle zu beteiligen", betont OB Ulrich Markurth. "Ich habe die klare Erwartungshaltung gegenüber der Landesregierung, dass das Städtische Klinikum Braunschweig zeitnah in die weiteren Planungen zum dringend erforderlichen Ausbau der niedersächsischen Ausbildungskapazitäten einbezogen wird. Dies würde der Rolle entsprechen, die das Städtische Klinikum Braunschweig in der Corona-Pandemie eingenommen hat, nämlich als größter kommunaler Maximalversorger und führendes, auch regionale Engpässe auffangendes Klinikum auf universitärem Leistungsniveau."

Die 60 Ausbildungsplätze sollten ein Anfang sein, fügt der OB hinzu. Braunschweig sei der einzige Ort, der klinisch sowohl stationär als auch ambulant alle notwendigen Voraussetzungen für eine qualitätsvolle Ausbildung hätte. Perspektivisch stünden mit der TU und entsprechenden wissenschaftlichen Instituten Einrichtungen zur Verfügung, eine Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern in ganz anderer Größenordnung dazustellen und damit eine auch finanziell umfassende, hochqualifizierte medizinische Versorgung für die gesamte Region sicherzustellen. Markurth: "Ohne das Städtische Klinikum Braunschweig wird dies nicht gelingen können."