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Mobilitätsentwicklungsplan: Umfangreiche Bürgerbeteiligung startet

Braunschweig, 31. Mai 2021 | Referat Kommunikation

© Stadt Braunschweig

Der Prozess des Mobilitätsentwicklungsplans (MEP) geht in die nächste Runde. Nachdem in 2020 in einem öffentlichen Beteiligungsverfahren bereits Stärken und Schwächen im Mobilitätssystem von Braunschweig identifiziert wurden, will die Stadt Braunschweig zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern Leitbilder für die Mobilität der Zukunft entwickeln.

In einem umfangreichen Beteiligungsprozess werden im Juni neben einer Online-Beteiligung eine digitale Informationsveranstaltung im Livestream, Informationsstände im Stadtgebiet und eine Ausstellung in der Innenstadt angeboten.

„Wir stehen am Übergang von der Analysephase zur Entwicklung konkreter Mobilitätsszenarien für Braunschweig“, sagt Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. „Straßen, Schienen, Geh- und Fahrradwege bilden die Hauptschlagadern unserer Stadt. Sie sind Aufenthalts- und Bewegungsraum zugleich. Verschiedenste Ansprüche aus den unterschiedlichsten Richtungen manifestieren sich in diesen Räumen. Zugleich verändern sich diese Ansprüche fortlaufend. Darüber, wie der Status quo in Braunschweig beurteilt wird, haben die Mobilitätswoche und die erste Onlinebeteiligung im vergangenen Jahr bereits wichtige Erkenntnisse geliefert.“ 

Die Szenarien werden in einem Beteiligungsprozess aus den bereits vom Rat beschlossenen strategischen Zielfeldern entwickelt. Dabei spielen Stadt-und Sozialverträglichkeit, Inklusion, Sicherheit, Digitalisierung und besonders auch der Klimaschutz eine große Rolle. Der Mobilitätsentwicklungsplan und das Klimaschutzkonzept werden sich gut aufeinander abgestimmt sinnvoll ergänzen.

Mobilität: Die Verkehrsmittelnutzung (Modal Split) zeigt, dass Braunschweig im Vergleich mit anderen Städten gleicher Größenordnung eine etwas überdurchschnittliche Radverkehrsnutzung aufweist, dagegen eine etwas unterdurchschnittliche ÖPNV-Nutzung. Der Regionalverkehr und Pendlerverkehr wird vom Motorisierten Individualverkehr (MIV) dominiert.

Kraftfahrzeuge: Braunschweig verfügt über ein gut ausgebautes Straßennetz. In der Innenstadt besteht kein Parkdruck, die Parkhäuser sind im Durchschnitt nicht ausgelastet.

Fahrrad: Auf den meisten Einbahnstraßen ist die Gegenrichtung für den Radverkehr freigegeben. Das Radverkehrsnetz besteht überwiegend aus getrennten Geh- und Radwegenetz; Schutz- und Radfahrstreifen sind weniger verbreitet.

Fußverkehr: Einige Stadtteile an der Peripherie weisen Defizite in der fußläufigen Erreichbarkeit zum Beispiel von Versorgungseinrichtungen auf.

ÖPNV: Nur wenige Bewohnerinnen und Bewohner haben längere Wege als 500 Meter zur Haltestelle. Zwischen den Stadtteilen am Stadtrand gibt es oft nur wenige direkte Verbindungen.

Alternative Mobilität: Sharing-Angebote (Autos, Fahrräder, E-Scooter) orientieren sich auf den Stadtkern, weiter außerhalb liegende Stadtteile und sowie das westliche Ringgebiet und die Weststadt haben Abdeckungslücken.

Verkehrsmittelvernetzung: 44 von 81 Straßenbahnhaltestellen haben Radabstellanlagen. Vor allem im Westen besteht noch Potenzial für weitere P+R-Parkplätze.

Wirtschaftsverkehr: Braunschweig verfügt über eine gute Anbindung an das überregionale Schienen- und Straßennetz. Der Binnenhafen ist ein gutes Beispiel einer intermodalen Verkehrsverknüpfung (Schiene, Wasser, Straße).

„Die Erkenntnisse der Ist-Analyse werden in Abbildungen und in einem Zwischenbericht aufgearbeitet“, erläutert Projektleiterin Claudia Fricke. „Ziel für 2021 ist, die Analyse der Mobilitätssituation in Braunschweig zu finalisieren und mit der Arbeit an konkreten Szenarien für die Mobilität der Zukunft zu beginnen.“

Und so geht es weiter:

Online-Beteiligung:

Begonnen hat am 28. Mai die Online-Beteiligung, die bis zum 30. Juni dauert. Anhand von vier utopischen Zukunftserzählungen wird online ein Diskurs über die zukünftige Ausrichtung der Mobilität in Braunschweig angestoßen. Die Zukunftserzählungen schildern frei von allen planerischen Zwängen eine positive Zukunft der Mobilität, in der zugleich an alle Mobilitätsformen gedacht wird. Die Erzählungen schließen sich keinesfalls gegenseitig aus, sondern ergänzen und bedingen sich gegenseitig. Welche Ziele sollen weitergedacht werden? Welche neuen Ideen für die Zukunft braucht Braunschweig? Es geht also nicht um Maßnahmen, die eins zu eins umgesetzt werden, sondern um Utopien, die Diskussionsgrundlage für eine spätere Strategie und Maßnahmenentwicklung darstellen sollen. Auf der Projektwebsite sind Interessierte herzlich eingeladen die Zukunftserzählungen zu bewerten und/oder eine eigene Vorstellung der Zukunft zu gestalten.

Beteiligung To Go

Die Beteiligung To Go ist ein analoges Spielset für eine selbstorganisierte Beteiligung. Sie enthält Informationen zum Prozess, zur Analyse und ein Mitmach-Spiel mit Anleitung, um die Zukunftserzählungen zu bewerten und eine eigene Vorstellung der Zukunft zu entwickeln. Die Spielsets können ab 12. Juni bei den On-Tour-Ständen oder im Foyer des Rathauses abgeholt werden.

Pop-Up-Ausstellung:

Pop-Up-Ausstellungen präsentieren alle Informationen zum Prozess, bieten erste Einblicke in die Analyseergebnisse und schaffen Feedbackmöglichkeiten: Ab 12. Juni auf dem Magnikirchplatz und vom 14. bis 17. Juni auf dem Domplatz.

MEP On-Tour

Mit einem Lastenrad geht das MEP-Projektteam auf Tour durch die Stadt und steht Rede und Antwort zum Prozess. Zudem wird die Möglichkeit geboten, eine Beteiligung To Go abzuholen: 

Wo & Wann?

Magnikirchplatz | 12. Juni 2021 | 11 bis 15 Uhr

Hauptbahnhof | 15. Juni 2021 | 14bis 18 Uhr

Wochenmarkt Weststadt | 17. Juni 2021 | 8 bis 13 Uhr

Einkaufszentrum Hamburger Straße | 22. Juni 2021 | 14 bis 18 Uhr Wochenmarkt Stadtpark | 24. Juni 2021 | 14 bis 18 Uhr

Alle Informationen und Teilnahmemöglichkeiten sind auf der Projektwebsite mep.braunschweig.de abrufbar. Wer stets aktuell über Neuigkeiten zum Mobilitätsentwicklungsplan informiert sein möchte, kann dort den Newsletter abonnieren.

Ausblick

Die Ergebnisse aus der Online Befragung werden aufgearbeitet, reflektiert und während der Europäische Mobilitätswoche im September erneut thematisiert und vertieft. Nach der eher quantitativen Betrachtung erfolgt 2022 die qualitative Ausarbeitung der Zukunftsszenarien und damit die Erarbeitung der zukünftigen Verkehrsstrategie für Braunschweig. Unter anderem werden mit Hilfe des Verkehrsmodells die qualitativen Zukunftsszenarien modelliert und deren Erfolg und Einfluss prognostiziert.

„Zum Abschluss wird aus den Zukunftsszenarien in einer transparenten Gegenüberstellung ein Zielszenario vorausgewählt, das als Verkehrsstrategie für Braunschweig vorgeschlagen wird“, sagt der Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Verkehr, Klaus Benscheidt. „Die notwendigen Maßnahmen zur Erreichung des gewählten Zielszenarios werden im abschließenden Handlungs- und Umsetzungskonzept aufgeführt.“ Der Ratsbeschluss über den MEP ist für 2023 vorgesehen.

Hintergrund: Der Mobilitätsentwicklungsplan – Ursprung und Ziele

2016 beschloss der Rat das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) als stadtentwicklungspolitischen Orientierungsrahmen. Für den Bereich Mobilität wurde hierbei das Leitziel: „Eine zukunftsorientierte Mobilität gestalten“ definiert, das darauf abzielt, die vielen Einzelthemen zu Mobilitätsfragen integriert als neue Verkehrsstrategie für Braunschweig zu betrachten. Mit der Aufstellung des Mobilitätsentwicklungsplan wurde 2020 ein mehrjähriger Prozess zur Erarbeitung der integrierten Verkehrsstrategie angestoßen.

Der Mobilitätsentwicklungsplan ist ein umsetzungsorientiertes Handlungskonzept. Er identifiziert Problemlagen, entwickelt Lösungsansätze und skizziert ein Leitbild für die Planung der Mobilität in Braunschweig. Der MEP ist somit zugleich Planungsgrundlage als auch Zukunftsausblick für die Mobilitätsgestaltung. Eine integrierte Sichtweise ist essenziell für die Gestaltung einer nachhaltigen zukunftsorientierten Mobilitätsplanung. Daher werden die Belange Klimaschutz, Luftreinhaltung und Lärmbelastung sowie verkehrsspezifische Themen wie Radverkehr und Fußgängerverkehr, motorisierter Individualverkehr und öffentlicher Personennahverkehr, Logistikverkehr und vieles mehr mitberücksichtigt.

Um sicherzustellen, dass strategische Entscheidungen unter Berücksichtigung aller relevanter Belange zielgerichtet getroffen werden, wurden zu Beginn des Prozesses die strategischen Zielfelder als Eckpfeiler des MEP beschlossen:

  •  Der Mensch als Maßstab – Mobilität stadt- und sozialverträglich organisieren, für mehr Lebensqualität in Braunschweig
  •  Mobilität für alle – Gleichberechtigten Zugang, um gesellschaftliche Teilhabe für alle zu gewährleisten
  • Erreichbarkeit sichern und fördern – Gute Mobilitätsangebote für alle Verkehrsträger
  • Selbstverständlich unterwegs – Sicher, komfortabel und einfach mobil sein
  •  Umweltgerechte Mobilität – Klimafreundlich, emissionsarm und energieeffizient für eine gesunde Stadt Braunschweig
  • Mobilität der Zukunft – Digitalisierung mitdenken und intelligente Ansätze der Mobilität fördern

Diese Zielformulierung bestimmt maßgeblich die Gesamtstrategie des MEP und bildet die Basis für die einzelnen Prozessschritte, von den Chancen- und Mängelanalyse über die Festlegung des Zielszenarios bis zur abschließende Umsetzungsstrategie. 

Grundstein des Prozesses ist das Zusammenspiel zwischen Öffentlichkeit und Fachplanung. Durch unterschiedliche Beteiligungsformate werden Bürgerinnen und Bürger, Interessierte und projektbezogene Arbeitsgruppen an jedem Prozessabschnitt beteiligt und über Meilensteine informiert. Der Mobilitätsentwicklungsplan wird somit gleichermaßen zum Produkt von und für die Braunschweigerinnen und Braunschweiger.