Persönlicher Kontakt reduziert Vorbehalte gegenüber queeren Menschen

Braunschweig, 22. Januar 2024 - Referat Kommunikation

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Das ist eine der zentralen Botschaften, die von der Veranstaltung, „Pflege unter dem Regenbogen - Wie eine LSBTIQ*-sensible Pflege gelingen kann“, ausgeht. Die Koordinationsstellen LSBTIQ* und Altenhilfe- und Pflegeplanung innerhalb des Sozialreferates der Stadt hatten am Donnerstag 11. Januar in das Kult-Theater geladen. Ziel war es, durch einen thematischen Impuls der Diskussion innerhalb der LSBTIQ*-Community, unter professionell Pflegenden und in der interessierten Öffentlichkeit in Braunschweig Vorschub zu leisten.

Dies gelang mit einem Vortrag von Kristin Marquart von der Schwulenberatung Berlin. Vorgestellt wurde das von dort bundesweit angebotene Qualifizierungs- und Zertifizierungsprogramm für diversitätssensible Pflege und Gesundheitsförderung „Lebensort Vielfalt“. Durch Personalschulung und Organisationsentwicklung können sich ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen und -dienste kostenlos qualifizieren. Angesichts des verbreiteten Personalmangels in der Pflege ist die Teilnahme jedoch nicht einfach zu organisieren, wie in den Fragen des Publikums deutlich wurde.

Im anschließenden Podiumsgespräch bezogen zudem lokale Expert:innen Stellung. Marco Rach, freiberuflicher Krankenpfleger, Case Manager und Inhaber der hbe Dienstleistungen UG, Katharina Brandt, Leitung der Abteilung Wohn-Pflegegemeinschaften des Trägers ambet e.V. und Vera Beiderbeck, Krankenschwester und Trans*Beraterin beim Braunschweiger Verein für sexuelle Emanzipation (VSE), stellten sich den Fragen der Mitarbeitenden des Sozialreferates. Demnach ist Offenheit gegenüber den Bedürfnissen und Bedarfen von Patient:innen und Bewohner:innen von der Mehrheit der Pflegekräften verinnerlichte und gelebten Realität. Dessen ungeachtet meiden einige queere Menschen aufgrund von Ängsten vor Ablehnung, Diskriminierung oder Benachteiligung die medizinisch-pflegerische Versorgung bzw. werden weiterhin spezielle und geschützte Angebote benötigt.

Unsicherheiten bestehen jedoch auch auf Seiten Pflegender, gerade wenn es um die Frage von Begrifflichkeiten oder der passenden oder gewünschten Anrede beispielsweise von trans* Personen geht. Ein möglicher Ausweg ist die kontinuierliche Schulung des Personals, z.B. im Rahmen der verpflichtenden Fortbildungen sowie eine institutionalisierte Offenheit und Gesprächsbereitschaft. Neben dem (Führungs-) Personal betrifft dies jedoch auch die Bewohner:innen von Heimen. Das freiwillige Outing von Mitgliedern des Pflegeteams und das generelle Sichtbarwerden queerer Menschen werden hier als Schlüssel gesehen. Erste Schritte zur Stärkung queerer Pflege in Braunschweig können die weitere öffentliche Thematisierung des Themas auf Thementagen, in Arbeitsgruppen und Gremien sein. Eine grundsätzliche Offenheit von Trägern von Pflegeeinrichtungen zur Schaffung spezieller Wohnangebote deutete sich am Abend ebenfalls bereits an. 

 

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