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Corona-Diagnostik: Chancen und Grenzen von Antigen-Schnelltests

Braunschweig, 06.11.2020 - Referat Kommunikation

Antigen-Schnelltests sollen helfen, das Coronavirus in kurzer Zeit nachzuweisen. Ähnlich wie beim PCR-Test wird auch bei diesen so genannten Antigen-Tests ein Abstrich genommen, der aber nicht im Labor, sondern vor Ort ausgewertet wird. Welche Chancen eröffnen diese Tests für die Beherrschung und Bekämpfung der Corona-Pandemie, welche Grenzen haben sie? Darüber haben die Leiterin der Gefahrenabwehrleitung Corona, Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast, der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Gerhard Wermes, sowie der Chefarzt Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene am Städtischen Krankenhaus, Prof. Dr. Dr. Wil­fried Bautsch in einem Pressegespräch informiert.

Die Chancen

„Es ist nicht geplant und auch gar nicht sinnvoll und machbar, flächendeckend in Braunschweig Schnelltests einzuführen“, erläutert Dr. Christine Arbogast. „Wir haben bei den Antigen-Tests in erster Linie die Pflegeeinrichtungen im Blick. Die Bewohnerinnen und Besucher sowie die Beschäftigten von Alten- und Pflegeheimen sind in der Corona-Pandemie besonders gefährdet und betroffen, und zugleich leiden die Menschen unter den Besuchsverboten. Wir möchten unbedingt verhindern, dass gerade in der jetzt sehr dynamischen Pandemiesituation weitere Infektionen in die Heime getragen werden – für eine Einrichtung in Braunschweig mussten wir bereits ein Betretungsverbot aussprechen. Wir haben den Heimen dringend die Verschärfung der Hygieneregeln ans Herz gelegt. Sobald Schnelltests in ausreichender Menge in den Heimen vorrätig und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend geschult sind, besteht die Möglichkeit, Besuchsregeln für Alten-  und Pflegeheime zu modifizieren.“

„Ein Antigen-Test weist nicht Teile des Erbguts, sondern spezielle Protein-Bausteine des Virus SARS-CoV-2 nach“, erläutert Prof. Wilfried Bautsch. Als Probe wird wie bei einem PCR-Test ein Abstrich aus dem Nasenrachenraum genommen. Der Antigentest liefert jedoch bereits nach 15 bis 30 Minuten ein Ergebnis. Ein PCR-Test dauert dagegen Stunden und muss in einem Fachlabor durchgeführt werden. Der Transport der Proben dorthin kostet zusätzlich Zeit, daher kann es Tage dauern, bis ein Ergebnis vorliegt.

„Antigen-Tests können PCR-Tests nicht ersetzen, wohl aber ergänzen“, fügt Prof. Bautsch hinzu. „Ein PCR-Test schlägt nämlich auch schon bei einer sehr geringen Virusmenge im Rachenraum an. Diese Personen bleiben bei einem Antigen-Test in vielen Fällen unentdeckt. Dafür schlägt der Schnell-Test mit hoher Wahrscheinlichkeit Alarm, wenn jemand viel Virus im Rachenraum hat und besonders ansteckend ist. Antigen-Tests bieten sich wegen ihrer Schnelligkeit und einfachen Handhabung für Einrichtungen an, die kein eigenes Labor haben und schnell ein Ergebnis brauchen. Allerdings sollten die Grenzen dieses Tests immer mitbedacht werden.“ 

„Ein wichtiger Einsatzort können Altenpflegeheime sein“, betont der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Wermes. „Dort könnte man Besucher testen, die keine Krankheitssymptome haben. Fällt der Antigen-Test trotzdem positiv aus, kann man den Zutritt verweigern und zur Abklärung einen PCR-Test im Labor durchführen.“

Derzeit werden laut Bundesgesundheitsministerium bis zu 1,5 Millionen Test-Kits pro Woche hergestellt. Mit dieser Menge ist gut hauszuhalten, auch, weil die weitere Entwicklung der Pandemie nicht absehbar ist. Die Testkits sollten deshalb zunächst in den am stärksten gefährdeten Bereichen der Bevölkerung, so genannten vulnerablen Gruppen, eingesetzt werden.

Antigen-Schnelltests sind günstiger als PCR-Tests, kosten im massenhaften Einsatz aber trotzdem sehr viel Geld. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte führt eine Liste mit Schnelltests, deren Kosten der Bund erstattet. 

Die Grenzen

Die derzeit auf dem Markt befindlichen Antigen-Schnelltests sind nicht für den Privat- und Heimgebrauch geeignet. Auch Schnelltests müssen von medizinischen Fachkräften durchgeführt werden. Die Fachkräfte werden, zum Teil direkt von den Herstellern oder von den Gesundheitsämtern geschult. Diese Schulungen sind wichtig, damit die Testergebnisse nicht durch falsche Abstrichentnahme und Anwendung beeinflusst werden. Laut niedersächsischem Landesgesundheitsamt dürfen Antigen-Schnelltests von medizinisch-pflegerischem Fachpersonal mit abgeschlossener dreijähriger Berufsausbildung vorgenommen werden (z. B. Pflegefachkraft oder vergleichbare Vorkenntnisse). 

Die Sensitivität der gängigen PCR-Tests liegt bei nahezu 100 Prozent. Im Vergleich dazu sind Antigen-Schnelltests unzuverlässiger. Die Hersteller geben zwar hohe Sensitivitätswerte an, diese sind aber unter idealen Bedingungen (Ausführung, Lagerung, Transport) erreichbar. In der Praxis liegt die Sensitivität von Antigen-Tests zwischen 87 und 97 Prozent.