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Neuer Stadtraum rückt Hauptbahnhof näher an die Innenstadt heran

Braunschweig, 1. Oktober - Stadt Braunschweig, Referat Kommunikation

© Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen / Weiterverbreitung nicht gestattetSie stellten den Siegerentwurf des Wettbewerbs vor: (von links) Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer, Timo Holland, Geschäftsführer der WERTGRUND Asset Management GmbH, Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Architekt Peter von Klitzing, Architektin Sybille Welp sowie Oliver Hasenkamp. Leiter Objektentwicklung und Planung DB Station & Service AG.

Der Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs steht fest. 

© Visualisierung: WELPvonKLITZINGSo könnte das Gelände strukturiert werden.

„Der Siegerentwurf zeichnet sich durch eine gelungene Integration des denkmalgeschützten Hauptbahnhofs in die Stadt aus“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Markurth. „Das gilt städtebaulich wie funktional. Die bisher fehlende Orientierung des Bahnhofsareals zur Stadt hin leistet der Entwurf, indem er einen maßstabsgerechten Bahnhofsvorplatz mit Wohn- und Geschäftshäusern vorsieht. In unmittelbarer Nähe dazu finden sich Fahrrad- und Auto-Parkhaus sowie das Bus-Terminal. Das erleichtert und verbessert die Übergänge der Reisenden von einem auf das andere Verkehrsmittel und findet Lösungen für die bekannten Problemfelder am Hauptbahnhof, insbesondere die Vielzahl von Fahrrädern auf dem Vorplatz und das Fehlen eines Busterminals. Besonders hervorzuheben ist schließlich die Erweiterung von Viewegs Garten sowie dessen gelungene Vernetzung des Parks mit dem Quartier rund um die Böcklerstraße.“

Auf der Basis des Siegerentwurfs könnten die Beteiligten weiterarbeiten, um den Bereich durch eine Neuordnung zu einem zukunftsfähigen urbanen Quartier der kurzen Wege umzugestalten und zu einer Visitenkarte der Stadt zu machen, sagte der OB. Das sei dringend erforderlich: „Das weitestgehend in den 1960er Jahren entstandene Umfeld des Hauptbahnhofs entspricht heute mit seinen großflächigen Verkehrsräumen nicht mehr den Anforderungen an eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung. Ich bin daher der Deutschen Bahn und der Wertgrund dankbar, dass sie gemeinsam mit uns diese städtebauliche Herausforderung annehmen wollen.“

Die Aufwertung und funktionale Verbesserung des Quartiers um den Hauptbahnhof passe hervorragend zu der Vielzahl der Veränderungen in diesem Bereich, sagte Markurth. Dazu zählten das BraWo-Quartier, das soziale Projekt St. Leonhard, die geplante Sanierung der Stadthalle und das Hotel-Vorhaben dort, und nicht zuletzt das Großprojekt „Bahnstadt“.

Der Entwurf sieht vor, zwischen Bahnhofsvorplatz und Bebauung an der Kurt-Schumacher-Straße beidseitig der Straße zusätzliche Gebäudeflächen auszuweisen. Durch eine Reduzierung der öffentlichen Verkehrsflächen entsteht Raum für Bebauung und eine vergrößerte Vorplatzfläche, die Hauptbahnhof und Gebäude an der Kurt-Schumacher-Straße stärker verbindet. Die Barrierewirkung zur Stadt nimmt ab. Die Reduzierung von Fahrspuren an der Kurt-Schumacher-Straße und des Rings in Höhe Berliner Platz sollen für eine bessere Anbindung von Viewegs Garten sorgen. So würden nach dem Entwurf die Spuren auf der Kurt-Schumacher-Straße von derzeit zwei pro Richtung auf jeweils eine reduziert. Die bessere Anbindung geschieht auch mit einer Erweiterung von Viewegs Garten insbesondere am Ring gegenüber dem BraWo-Park. „Obwohl die Zweispurigkeit je Richtung am Ring erhalten bleibt und damit auch die Leistungsfähigkeit, werden die riesigen Verkehrsflächen der 60er Jahre, die den Bereich bisher dominieren, deutlich reduziert, es entsteht neuer Stadtraum“, sagte Stadtbaurat Heinz Leuer. „Der Bereich wird in den kommenden Jahren Schritt für Schritt sein Gesicht verändern, nicht zuletzt durch die neue Bebauung. Wie die Baukörper und deren Fassaden genau aussehen werden, ist noch nicht geplant. Wir stehen am Beginn von sehr spannenden Planungsprozessen.“

© Visualisierung: WELPvonKLITZINGSo könnte der Bahnhofsvorplatz aussehen.

Leuer hob hervor, dass neben städtischen Flächen insbesondere Areale der Deutschen Bahn sowie im Bereich der Kurt-Schumacher-Straße das Atrium Bummel Center betroffen seien. Daher wurde der Wettbewerb in enger Kooperation mit den Grundstückseigentümern ausgelobt. Er verspreche sich von der besseren Anbindung der Südseite der Kurt-Schumacher-Straße eine Belebung für diesen Bereich. Die im Wettbewerb vorgegebenen städtebaulichen Ziele, den am südöstlichen Rand der Innenstadt gelegenen Hauptbahnhof durch die Schaffung kompakter Stadtbausteine stärker in die Gesamtstadt zu integrieren und zu einer ersten Adresse zu entwickeln, seien bereits im 2018 beschlossenen Integrierten Stadtentwicklungskon-zept formuliert worden.

Leuer: „Nach der Genehmigung des Stadtumbaugebietes Bahnstadt stellt der Bereich rund um den Hauptbahnhof - erstmals seit Jahrzehnten - das größte städtebauliche Entwicklungspotential für die Gesamtstadt dar.“ Die besondere Stärke des Siegerentwurfs liege darin, dass er Viewegs Garten am besten an das Bahnhofsviertel anbinde und entlang des Willy-Brandt-Platzes und der Kurt-Schumacher-Straße um etwa 8.000 Quadratmeter erweitere. Insofern sei es hinnehmbar, entgegen der ursprünglichen Absicht einen kleinen Teil der Südspitze des jetzigen Parks sowie die Grünflächen zwischen den heutigen Fahrbahnen zu überbauen, so Leuer.

© Visualisierung: WELPvonKLITZINGSo könnte der Bahnhofsvorplatz in Richtung BraWo-Park aussehen.

Bemerkenswert an dem Entwurf sei schließlich die weitgehende Beibehaltung der Stadtbahntrassen, die in Höhe des BraWo-Parks künftig von Grünflächen umgeben sein sollen. In Höhe der Kurt-Schumacher-Straße und am Ring fielen Parkplätze weg, dafür solle am Bahnhof ein Parkhaus entstehen.

Die  Stadt Braunschweig und die beiden Kooperationspartner sind sich darin einig, dass das Wettbewerbsergebnis Grundlage für das weitere Vorgehen werden soll. Die Stadtverwaltung wolle damit beginnen, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung des Entwurfs zu schaffen, sagte Leuer. Die Partner werden sich über die nächsten Schritte und den Zeitplan abstimmen.

Die weiteren Platzierungen

Am Wettbewerb teil nahmen sieben regionale und überregionale Arbeitsgemeinschaften von Stadt- und Verkehrsplanern. Der zweite Preis ging an das Düsseldorfer Büro Thomas Schüler, das in Kooperation mit BSV arbos einen Entwurf abgegeben hatte. Für den dritten Preis wurde die Braunschweiger Arbeitsgemeinschaft Brederlau und Holik/ARGUS ausgezeichnet. Zudem sprach die Jury dem Braunschweiger Architekturbüro Reichel und Stauth, das gemeinsam mit dem Stadtplaner Walter Ackers und dem Verkehrsbüro WVI am Wettbewerb teilnahm, eine Anerkennung zu.

Entwürfe werden gezeigt

Der Siegerentwurf wird in der Zeit vom 7. bis 9. Oktober auf der Expo Real in München gezeigt.  Alle eingereichten Wettbewerbsarbeiten werden im Rahmen einer Ausstellung Ende Oktober im Rathaus präsentiert.

© Visualisierung: WELPvonKLITZINGSo könnte der Blick auf die Kurt-Schumacher-Straße aussehen.