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Friedrich Oskar Giesel

geb. 20.05.1852 • gest. 13.11.1927

Hier in der Obergstraße 2 befand sich vor der jetzigen Bebauung das Wohnhaus des Wissenschaftspioniers, Chemikers und Radiologen Friedrich Oskar Giesel. Geboren und aufgewachsen in Winzig (Schlesien) studierte er zwischen 1871 und 1874 an der Berliner Gewerbeakademie. Als Praktikant in chemischen Unternehmen in Berlin und Salzuflen erlernte er großtechnische Destillationsverfahren und industrielle Extraktionsverfahren. Anschließend kehrte er als Assistent an die Berliner Gewerbeakademie zurück. Nach seiner Promotion 1876 in Göttingen wurde Giesel 1878 leitender Betriebschemiker bei der Chininfabrik Braunschweig Buchler & Co.

Hier wurde er Pionier der Radiumforschung. Er leistete wesentliche Beiträge zur Charakterisierung der Strahlung und wies den Weg zu Nutzanwendungen der Radioaktivität.

Zeitgleich mit Marie Curie, ohne Anspruch auf Entdeckerpriorität zu erheben, entdeckte Giesel das Radium und ein Verfahren zur industriellen Herstellung von
Radiumbromid, das er großzügig anderen Forschern für deren Grundlagenforschung zur Verfügung stellte.

Insbesondere die Nutzbarmachung für medizinische Zwecke wurde durch Giesels Präparate befördert. Zudem wurde die Chininfabrik Braunschweig – die diesen Geschäftsbereich 1971 in die GE Healthcare Buchler GmbH und Co. einbrachte – durch ein von ihm entwickeltes Verfahren zum weltweit ersten Hersteller sogenannter radioaktiver Leuchtmassen. Sie fanden bereits im Ersten Weltkrieg auf Schiffs- und Flugzeugarmaturen sowie Zifferblättern Anwendung.

In Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistungen ernannte die Technische Hochschule Braunschweig Giesel 1903 zum Professor ehrenhalber und verlieh ihm 1916 die Ehrendoktorwürde. Friedrich Oskar Giesel verstarb an den Folgen einer durch seine Forschungsarbeiten hervorgerufenen Krebserkrankung.

Für die Förderung der Tafelrealisierung im Stadtraum danken die Projektpartner dem Kiwanis-Club Braunschweig e.V.

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