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Martha Fuchs

geb. 01.10.1892 • gest. 08.01.1966

Im Hause Comeniusstraße 20-21 lebte von 1951 bis 1966 die erste Oberbürgermeisterin der Stadt Braunschweig Martha Fuchs. Sie wurde 1892 in Grubschütz bei Bautzen geboren und wuchs in einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie auf. 1919 heiratete sie den Redakteur Georg Fuchs. Mit ihrem für die sozialdemokratische Zeitung „Volksfreund“ tätigen Mann und seinen Kindern zog sie 1923 nach Braunschweig.

1925 wurde die Sozialdemokratin Martha Fuchs zur Stadtverordneten in Braunschweig und 1927 zum Mitglied des Braunschweigischen Landtags gewählt. In beiden Gremien widmete sie sich vornehmlich der Bildungs- und Schulpolitik. Sie war als Gewerbeaufseherin im Braunschweigischen Staatsdienst tätig, bis sie die Nationalsozialisten 1933 zur Niederlegung ihrer politischen Ämter und zur Aufgabe des Berufes zwangen. Wegen ihrer aktiven Widerstandsarbeit wurde Martha Fuchs im August 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Im April 1945 gelang ihr während eines Überführungsmarsches die Flucht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sie ihre politische Arbeit in Braunschweig fort, wurde im Dezember 1945 Ratsfrau, im Januar 1946 Mitglied des Braunschweigischen Landtages und 1946 Ministerin für Wissenschaft und Volksbildung. Damit war Martha Fuchs die erste Ministerin im westlichen Nachkriegsdeutschland. Nach der Gründung des Landes Niedersachsen wurde Martha Fuchs 1947 Niedersächsische Staatskommissarin für das Flüchtlingswesen.

Nach erneuter Wahl in den Rat der Stadt 1952 wurde sie 1954 in den Niedersächsischen Landtag und 1959 zur ersten Oberbürgermeisterin in der Geschichte Braunschweigs gewählt. Dieses Amt hatte sie bis 1964 inne. Während ihrer fünfjährigen Amtszeit setzte sie sich erfolgreich für den Wiederaufbau Braunschweigs ein, insbesondere für die Schaffung von Wohnraum, Schulen und Krankenhäusern sowie den Bau der Stadthalle. 1960 beschloss der Rat der Stadt mit einer Mehrheit von zwei Stimmen den Abbruch des im Krieg stark zerstörten Braunschweiger Schlosses. Trotz dieser politischen Mehrheitsentscheidung  hat sich Martha Fuchs als Oberbürgermeisterin aktiv für den Erhalt der historisch wertvollen Teile der Fassade und der Reiterstandbilder eingesetzt.

Martha Fuchs wurde 1962 mit dem Großen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und 1964 mit dem Großen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt sie die Ehrenbürgerwürde der Stadt Braunschweig.

Martha Fuchs starb 1966 in Braunschweig.

Für die Förderung der Tafelrealisierung im Stadtraum danken die Projektpartner Frau Isolde Saalmann.

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