EN

Stadtplan 1915/16

Stadtplan 1915/16

Kartentechnik und Gestaltung der Karte

In den Jahren 1915/16 bearbeitete die Vermessungsabteilung im städtischen Tiefbauamt diese „Kriegsausgabe“ des Stadtplans. Herausgegeben wurde er von der Firma F. R. Lange in Braunschweig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es üblich, die kartographische Zeichnung als Lithographie zu erstellen. Ein mehrfarbiges Kolorit sorgt für eine graphische Trennung von Bebauungen, Gewässern und Grünflächen. Darüber hinaus werden Wälder, Parks, Friedhöfe, Obst- und Kleingärten sowie Wiesen und Rasenflächen durch zusätzliche Symbole voneinander unterschieden.

Alle Linienelemente sind in schwarzer Farbe gedruckt. Das gilt gleichermaßen für die Kartenschrift und sämtliche Symbole. Kommt es zu einer Überlagerung dieser Objekte – wie es z. B. bei Straßenbahngleisen und den Namen der Straßen der Fall ist – , dann wird die Lesbarkeit des Stadtplans dadurch stark beeinträchtigt.

Zur Geländedarstellung sind im Stadtplan lediglich einzelne Höhenpunkte eingetragen. Auf Höhenlinien wurde verzichtet. Einzelne Erhebungen der Wallanlagen entlang der Okerumflut sind jedoch durch Böschungsschraffen dargestellt. Auch der Nußberg ist auf diese Art plastisch hervorgehoben.

Die Karte als Spiegel der Stadtgeschichte

© © Stadt Braunschweig, Abteilung Geoinformation, 2013Ausstellungstafel Zeitpläne

Die mit der Industrialisierung in der Zeit um die Jahrhundertwende einhergehenden Veränderungen werden im Stadtplan sichtbar. Dargestellt sind Industrie- und Gewerbeflächen, erschließende Verkehrsinfrastruktur und Siedlungsbau.

Die Darstellung vieler Straßen mit gestrichelter Linienführung weist sie als „künftige Straßen“ aus. Dadurch wird auch deutlich, dass der Stadtplan bereits im Jahre 1915 ein wichtiges Planungsinstrument war. Ein Eisenbahnring erschließt die Gewerbeflächen am Stadtrand. Die verzeichneten Namen der ansässigen Betriebe machen die Lage der Gewerbeflächen deutlich – darunter auch Betriebe mit überregionaler Bedeutung wie beispielsweise die Jüdelsche Eisenbahnsignal-Bauanstalt, die Firma Büssing, die Braunschweigische Blechwarenfabrik, das Librawerk und andere.

Die Eisenbahnlinien waren auf die lokalen Bedürfnisse der Industrie ausgerichtet. Eine Anbindung an das Fernverkehrsnetz wurde bereits zur damaligen Zeit durch die ungünstige Situation des Kopfbahnhofs behindert. Überlegungen zur Verlegung des Bahnhofs sind in der Karte durch vielfältige Trassenplanungen dokumentiert. Vorhandene und geplante Eisenbahnflächen, wie der Abstellbahnhof im Südwesten sowie der Verschiebe- und der Werkstättenbahnhof im Südosten, weisen im Verhältnis zur gesamten Stadtfläche eine beachtliche Größe aus.

Die Bedeutung der Luftfahrt als neue verkehrstechnische Dimension belegt das Ausweisen von Flächen für eine „Fliegerstation Braunschweig“ südlich der Broitzemer Straße und ein „Landungsplatz für Luftfahrzeuge“ auf dem Großen Exerzierplatz östlich der Salzdahlumer Straße.