Carl Wilhelm Heinrich Caspari
geb. 29.11.1805 • gest. 03.05.1880
Im Haus mit der damaligen Adresse Kleine Burg 1, heute überbaut vom Landgerichtsgebäude, lebte Heinrich Caspari, Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig von 1848 bis 1879.
Als Sohn einer Arztfamilie wurde Heinrich Caspari 1805 in Braunschweig geboren. Er besuchte das Martino-Katharineum und das Collegium Carolinum. Ab Mitte der 1820er Jahre studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen. Im Jahr 1833 wurde er zum Kreisgerichtsassessor in Helmstedt und Blankenburg ernannt. Acht Jahre später folgte seine Versetzung an das Herzogliche Amtsgericht in Wolfenbüttel, bevor er schließlich 1847 die Stelle des Polizeidirektors in Braunschweig antrat.
Der Stadtmagistrat und die Stadtverordnetenversammlung wählten Caspari nach der Pensionierung von Stadtdirektor Wilhelm Bode am 29. April 1848 zum Braunschweiger Oberbürgermeister. Während seiner Amtszeit veränderte die zunehmende Industrialisierung die Stadt Braunschweig. Die rasch wachsenden metall- und zuckerverarbeitenden Betriebe zogen viele Arbeitskräfte nach Braunschweig, deren Bedarf an Wohnraum zur Stadterweiterung führte. Caspari regte Umstrukturierungen innerhalb der kommunalen Verwaltung in den 1850er Jahren an. Neben neu geschaffenem Wohnraum wurde die städtische Infrastruktur durch zentrale Versorgungsleitungen mit ständiger Gas- und Wasserzufuhr sowie Müll- und Abwasserentsorgung verbessert. Mit dem sogenannten „Caspari-Vertrag“ von 1859 verhandelte Caspari eine dauerhafte Bezuschussung der Stadt aus der Landeskasse. Dadurch sicherte er Braunschweig sowohl die Erhaltung der Okerbrücken und Wallpromenaden als auch die Unterhaltung von Straßen, Plätzen und der Straßenbeleuchtung durch das Land.
Neben wohltätigem Engagement im Großen Waisenhaus Beatae Mariae Virginis und der Großen Witwen- und Waisen-Sozietät gestaltete Caspari die Stadt auch kulturell. Unter anderem war er Mitglied im Ausschuss zur Errichtung des Lessingdenkmals am Lessingplatz und der Gaußstatue am Inselwall. Für die Feier zum 1000-jährigen Bestehen der Stadt, aufgrund damaliger Quellen auf das Jahr 1861 datiert, befürwortete Caspari auch die Gründungen des Stadtarchivs, des Städtischen Museums und der Stadtbibliothek, die bis heute zu drei erinnerungskulturell bedeutenden Institutionen der Stadt zählen.
Für seine Verdienste um Braunschweig in seiner einunddreißigjährigen Amtszeit als Oberbürgermeister ernannte ihn die Stadt 1879 zum Ehrenbürger. Ein Jahr später starb Caspari im Alter von 74 Jahren. Das Caspari-Viertel im Nördlichen Ringgebiet ist nach ihm benannt.
