Aus Tradition innovativ

Seit 50 Jahren produziert die HOFFMANN Maschinen- und Apparatebau GmbH in Lengede ihre weltweit gefragten Filteranlagen für Kühlschmierstoffe. Ursprünglich ein klassischer, mittelständischer Handwerksbetrieb, bodenständig und traditionsbewusst. Doch der internationale Erfolg kommt nicht von ungefähr, sondern ist vorausschauender Innovation zu verdanken. Und so hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren auch eine digitale Transformation durchlaufen: Dieselben bewährten Fachkräfte arbeiten heute in einem hochmodernen, digitalisierten Arbeitsumfeld – effizienter und produktiver als je zuvor.

© Hoffmann GmbHUnternehmer Tobias Hoffmann (rechts) und Technischer Leiter Dr. Philipp Krenkel erläutern die digitalisierten Abläufe.

Ob Auto oder Windkraft: Überall finden sich mechanische Getriebe, deren wichtigste Bausteine extrem genau gefertigte und zugleich hoch belastungsfähige Zahnräder sind. Bei ihrer Herstellung entstehen Hitze und Abrieb, die mit Hilfe von Kühlschmierstoffen weggespült werden. Dabei wird Öl mit hohem Druck zwischen Schleifmaschine und Werkstück gepumpt. Hier kommen in der metallverarbeitenden Industrie weit verbreitete Geräte ins Spiel, deren Existenz den meisten jedoch unbekannt sein dürfte: Hocheffiziente Filteranlagen, die das Öl kontinuierlich säubern und kühlen – bis zu 10.000 Liter pro Minute.

© Hoffmann GmbHHaupteingang des Traditionsunternehmens HOFFMANN mit Sitz in Lengede.

„Unsere Anlagen filtern und kühlen das Öl und stellen es der Maschine anschließend wieder zur Verfügung“, erklärt Tobias Hoffmann, Geschäftsführer und Sohn von Georg Hoffmann, der den Vorläufer des heutigen Unternehmens 1971 in Braunschweig gründete. Dank dieser Technik kann das Öl nonstop im Kreislauf sein und länger verwendet werden: „Ein Liter Kühlschmierstoff kostet bis zu sechs Euro. Je besser unsere Anlagen, desto mehr wird am Ende nicht nur die Umwelt, sondern auch der Geldbeutel des Kunden geschont.“ Und die HOFFMANN’sche Expertise hat sich herumgesprochen: So finden sich Filteranlagen aus Lengede heute in Fabriken rund um den Globus – von Europa und den USA über Südamerika bis nach China.

Individuell und effizient

„Unser Unternehmen war für sein Wachstum immer gezwungen, intelligent zu rationalisieren und Arbeitsgänge zu vereinheitlichen“, erinnert sich Hoffmann. „Das betrifft natürlich erst mal die innerbetriebliche Organisation, Buchhaltung und Warenwirtschaft, beginnt beim Weggang von Papier und reicht bis zu reinen Bildschirmarbeitsplätzen mit CAD-Anwendungen, digitalen Kommunikationsstrukturen und Lagerbeständen in Echtzeit“, so der studierte Diplomkaufmann. „Das ist ein fortlaufender Prozess, der schon vor 20 Jahren eingeleitet wurde.“ Auch Bewerbungen seien nur noch in digitaler Form möglich.

© Hoffmann GmbHDie interaktiven Baupläne sind während der Montage auf großen Bildschirmen bedienbar und mit dem lichtgesteuerten Entnahmesystem gekoppelt.

Doch die Digitalisierung macht auch vor dem handwerklichen Produktionsablauf nicht halt: „Unsere Kunden erwarten von uns individuelle Lösungen, denn fast jede Filteranlage mit Kühler ist kundenspezifisch“, fasst der 55-Jährige zusammen. „Zugleich müssen wir als Industriebetrieb mit vielen handwerklichen Verrichtungen im internationalen Wettbewerb aber darauf achten, dass sich die aus der Flexibilität entstehende Komplexität nicht negativ auf die Produktivität auswirkt. Die Digitalisierung hilft uns dabei enorm.“

© Hoffmann GmbHEin Mitarbeiter wird durch gut sichtbare Lichtsignale an den Regalfächern durch den Montageprozess geführt.

„Wir müssen individuelle Produkte so wirtschaftlich herstellen wie Serienprodukte“, erklärt Dr. Philipp Krenkel, Technischer Leiter bei HOFFMANN. „Das haben wir durch die Einführung einer modularen Produktstruktur erreicht. Man kann sich das wie einen Lego-Baukasten vorstellen.“ Dank hoher Standardisierung der einzelnen Bauteile können die Anlagen in kürzerer Zeit zusammengesetzt werden. Und eine lichtgesteuerte Warenentnahme beschleunigt diesen Ablauf: Der Mitarbeiter wird vom Computer durch den Montageprozess geleitet und durch Lichtsignale immer an das Regal gelotst, in dem sich das nächste Teil befindet. „Auf diese Weise entsteht quasi ein geführtes Ineinanderstecken von Bauteilen“, so der promovierte Maschinenbauer, der 2015 über eine Projektarbeit an der TU Braunschweig zu HOFFMANN kam.

Ein fortlaufender Prozess

Die umfassende Modernisierung geschah jedoch nicht von heute auf morgen, sondern ist das Resultat eines jahrelangen Prozesses: „Statt Geld für externe Berater auszugeben, haben wir über mehrere Jahre alle Arbeitsabläufe selbst analysiert“, erzählt Hoffmann. „Dabei wurden die Ideen der kompletten Belegschaft gesammelt, sodass jeder einbezogen war. Denn sowas kann nur funktionieren, wenn die Mitarbeiter es als sinnvoll erachten.“ Auf diese Weise wurden auch Ängste vor einem Wegfall von Arbeitsplätzen genommen, denn die Steigerung der Produktivität sichert sie langfristig, wie die Realität beweist: Inzwischen hat HOFFMANN über 230 Beschäftigte, davon 24 Auszubildende in sieben Berufsbildern.

© Hoffmann GmbHRegalfächer mit computergesteuerten Lichtsignalen (Pick by Light) aus der Nähe.

Doch haben sich durch die Digitalisierung die Anforderungen an die Mitarbeiter wie auch an Bewerber verändert. Grundfertigkeiten in Anwenderprogrammen müssen mit entsprechenden Zertifikaten nachgewiesen werden. „Und wir bilden natürlich auch die Belegschaft kontinuierlich fort“, so Hoffmann. „Da unsere Soft- und Hardware immer auf dem neusten Stand ist, muss auch das Wissen aller Beteiligten up-to-date sein.“ Und so wurde am Ende des Modernisierungsprozesses der älteste Mitarbeiter erfolgreich an die modernste Maschine gestellt, um zu beweisen, „dass die Maßnahme nicht erfolgt, um die Älteren loszuwerden, und es wirklich für jeden zu schaffen ist.“

Die großen Veränderungen beschränken sich nicht nur auf den Entwicklungsprozess, sondern beschäftigen auch die Führungsebene, erklärt Dr. Krenkel: „Die Führungskräfte werden nun weniger dafür benötigt, jeden Arbeitsablauf zu organisieren und sich um Kleinigkeiten zu kümmern. Denn die Produktion ist vordefiniert und die Mitarbeiter agieren dank aller relevanten Informationen auf den Bildschirmen selbständiger.“ Es bedurfte einiger Umgewöhnung, doch nun können sich die Führungskräfte viel mehr auf das konzentrieren, wofür sie ausgebildet sind: die Kompetenzen der Mitarbeiter fördern und sich kreativ in die Verbesserung der Arbeitsprozesse einbringen.

„Zusammenfassend erkennt man, dass der Innovationsprozess kein Ende hat“, so Hoffmann. Angesichts der Corona-Situation sei es aber noch wichtiger, effizient und innovativ zu bleiben. Dennoch macht man sich um die Zukunft in Lengede keine ernsthaften Sorgen: „Kühlschmierstoffe müssen immer gereinigt werden. Wenn es keine Verbrennungsmotoren mehr gibt, werden Zahnräder für die Getriebe von Elektroautos und Windkraftanlagen hergestellt. Und nicht zuletzt in den Bereichen Abwasser, Pharmazie und Medizin benötigt man immer bessere Filteranlagen“, weiß der Familienunternehmer und verrät gewohnt vorausschauend: „Damit beschäftigen wir uns natürlich jetzt schon.“

Text: Stephen Dietl, 14.07.2020