Ein Kompetenzzentrum für digitale Infrastruktur

Digitalisierung ist längst kein Modewort mehr. Vor allem das Leben in Städten verändert sie schnell und nachhaltig. Doch gerade auf engstem Raum steht die Schaffung einer digitalen Infrastruktur vor zahlreichen Herausforderungen. Wer könnte sich diesem Thema also besser annehmen als ein großer, lokaler Energieversorger, der naturgemäß bereits ein Spezialist im Vernetzen vor Ort ist? Und so hat BS|ENERGY nun eine Tochter mit innovativem Startup-Charakter gegründet: Ziel von KOM|DIA ist die Transformation Braunschweigs zur Smart City.

© BS|ENERGYDas KOM|DIA-Team mit Geschäftsführer Dr. Volker Lang (2. von links). Jan-Ole Dittberner (5. von links) kümmert sich als Projektmanager bei KOM|DIA um die Geschäftsfelder Glasfaser und Breitband.

„Wir stehen im Energiesektor vor wachsenden Herausforderungen, die Digitalisierung verändert und flankiert unser Hauptgeschäftsfeld zunehmend“, erklärt mir Jan Ole Dittberner. "Wir werden uns daher von einem reinen Energieversorger in einen umfassenden Infrastruktur-Dienstleister wandeln.“ Man möchte sich als Energieversorger also nicht mehr nur auf die klassischen Felder beschränken, sondern auch dem breiten Themenspektrum der digitalen Infrastruktur die gebührende Aufmerksamkeit widmen – und beides auf intelligente Weise miteinander verknüpfen. So entstand die Idee zur Gründung eines eigenen Kompetenzzentrums für digitale Infrastruktur.

Kompetenzen bündeln und Synergien schaffen

Mit KOM|DIA bündelt BS|ENERGY in Kooperation mit ihren Gesellschaftern Veolia, Thüga AG aus München und der Stadt Braunschweig nun seine Kompetenzen im Bereich Smart City in einem innovativen Unternehmen. Dabei kann die KOM|DIA auf das Thüga-Netzwerk von über 100 Stadtwerken zurückgreifen und Innovationen, die innerhalb der Thüga-Gruppe entwickelt wurden, für Braunschweig nutzbar machen.

© BS|ENERGY440 Kilometer Glasfaserkabel sind bereits im Stadtgebiet verlegt.

„Zu unserer Vision zählt beispielsweise, dass jeder in Braunschweig einen Highspeed-Internetanschluss auf Glasfaserbasis hat“, erzählt mir Dittberner. Der Ingenieur ist bereits seit 2014 bei BS|ENERGY und seit Anfang des Jahres als Projektmanager bei KOM|DIA, wo er für die Geschäftsfelder Glasfaser und Breitband zuständig ist. „Und da müssen wir glücklicherweise nicht bei Null anfangen, denn das Glasfasernetz von BS|ENERGY misst bereits 440 Kabelkilometer und ist damit das größte im Stadtgebiet.“

Öffentliches WLAN und Highspeed-Internet im Stadtgebiet, zahlreiche Lademöglichkeiten für E-Autos und ebenso intelligent wie nachhaltig vernetzte Geräte – vom Ablesen der häuslichen Stromzähler per Funk bis zur Füllstand-Anzeige in Mülltonnen zum bedarfsorientierten Leeren, um unnötige Fahrten zu vermeiden. Zu diesem Zweck entwickelt bei KOM|DIA ein Team aus Ingenieuren, IT-Spezialisten und Business-Experten ganzheitliche Lösungen in den vier Kernbereichen öffentliches WLAN, Internet of Things, Glasfaser und Elektromobilität. „Wir verbinden unsere Startup-Mentalität mit den Ressourcen und dem Know-how eines leistungsfähigen Energieversorgers“, fasst Dittberner die Vorteile der in dieser Form deutschlandweit einzigartigen Konstellation zusammen.

Von Braunschweigern für Braunschweiger

Doch woran werkelt man bei KOM|DIA denn nun ganz konkret? Eines der vier Hauptgeschäftsfelder ist das sogenannte Internet der Dinge auf Basis von LoRaWAN, einem energiesparenden Funkstandard für kleine Datenmengen, den KOM|DIA im gesamten Stadtgebiet ausbaut. Sein Alltagsbezug ist so naheliegend wie praktisch: Von Strom- und Wasserzählern über Abwasserkanäle und Mülltonnen bis hin zu bautechnischen und medizinischen Überwachungsfunktionen im Smart Home – mit einem Funksensor ausgestattet, muss nicht mehr aufwändig von Hand abgelesen werden und es ergeben sich viele neue Möglichkeiten. „Beim Internet der Dinge geht es darum, Analoges möglichst einfach digital nachzurüsten. Städtische Infrastruktur muss so in Zukunft weniger verkabelt werden“, erklärt mir Dittberner und schwärmt: „Da gibt es eine Riesenfülle von praktischen Anwendungsfeldern. Wir haben bisher etwa 70 identifiziert, die wir nun schrittweise prüfen.“

© Peter Sierigk / BS|ENERGYEin Mitarbeiter bei der Installation einer LoRaWan-Antenne auf dem Dach von BS|ENERGY.

Noch mehr Begeisterung dürfte bei vielen Braunschweigern der Ausbau desblitzschnellen Glasfaser-Internets sowie der Ladeinfrastruktur für E-Mobile auslösen. Und allem voran die Zahl von kostenlosen WLAN-Hotspots in der City. Ganze 26 davon gibt es bereits. Doch damit nicht genug: KOM|DIA prüft aktuell, wie das öffentliche WLAN weiter ausgebaut werden kann – an frequentierten öffentlichen Plätzen aber auch für Gewerbetreibende wie Einzelhandel und Cafés. So ließe sich ein nahtloser Übergang vom öffentlichen Raum hin zu den Innenräumen der teilnehmenden Geschäfte realisieren. „Der Kunde braucht sich dann in der Braunschweiger Innenstadt nur noch einmal einzuloggen und hat überall WLAN. Aktuell planen wir einen Piloten, um den Kundennutzen gemeinsam mit Testkunden zu verifizieren“, sagt Dittberner.

Und das sei es auch, worum es dem Team von KOM|DIA letztlich bei aller Innovationslust gehe: „Wir schauen immer aus der Perspektive des Kunden: Was braucht er wirklich? Das ist unser vorrangiges Ziel“, erklärt mir Dittberner und freut sich: „Alle hier im Team sind Braunschweiger. Wir entwickeln daher einfach immer mit dem Gedanken, was wir uns selbst für unser Leben in der Stadt wünschen.“

Text: Stephen Dietl, 23.09.2019