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VGH-Preis – Die Begründung der Jury

"Fürstlicher Service – die Stadtbibliothek Braunschweig"

Stadtbibliothek Braunschweig - Außenansicht© Stadtbibliothek Braunschweig


"In der Stadtbibliothek Braunschweig ist der Kunde König – oder besser gesagt der Leser Herzog. Dieser Vergleich entspringt nicht nur der fürstlichen Unterbringung im Braunschweiger Schloss, sondern vor allem auch dem wahrhaft fürstlichen Service, mit dem die Bibliothek ihre Kundschaft im Schloss empfängt – eine Kundschaft aller Altersstufen und aus allen Bildungsbereichen.

Mit den Jüngsten fängt es an: Die Bibliothek leistet vorbildliche Kinder- und Jugendarbeit. So werden Kindergartengruppen aus Stadt und Region regelmäßig durch die Bibliothek geführt. Auf diese Weise bevölkern tagtäglich rund 60 Kinder die schönen hellen und freundlichen Räume der Bibliothek. Es sind Kinder, die nachmittags mit ihren Familien wiederkommen, weil sie die bei ihnen entfachte Begeisterung für die Bibliothek auf ihre Eltern, Großeltern oder ihre älteren Geschwister übertragen. Für jeden professionellen „Leseförderer“ ein echter Erfolg, denn gerade an Eltern aus bildungsfernen Schichten ist in Sachen Buch und Lesen schwer heranzukommen.

Mit Schulen aller Sparten kooperiert die Bibliothek effektiv: Die ABC-Schützen jeder Grundschule der Stadt werden gemeinsam mit ihren Lehrern durch die Bibliothek geführt, und jedes Kind bekommt ein Buch als Geschenk überreicht. Die Bibliothek trägt auch verantwortlich das Projekt „Lesestart“ gemeinsam mit Sponsoren und ortsansässigen Kinderärzten. In diesem auch in anderen Städten der Bundesrepublik erfolgreichen Projekt werden Eltern von Neugeborenen durch verschiedene Informationen über die Bibliothek und über Bücher mit der Bedeutung des Lesens vertraut gemacht. Außerdem gibt es ein erstes Lesebuch zum „begreifen“ für das Neugeborene. Diese – wie manch andere Aktion – wird großzügig durch ortsansässige Sponsoren gefördert.

Die Stadtbibliothek unterstützt das Lesen in allen Lesens- und Lebensbereichen. Insbesondere in der Jugendarbeit, bei der sich die Leseförderung besonders schwierig gestaltet, ist die Bibliothek auf erstaunliche Weise erfolgreich. Erfolgreich ist sie vor allem in der Förderung männlicher Jugendlicher, denen in besonderen Bereichen unter anderem „coole“ Konsolenspiele zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise gelingt es der Bibliothek zunehmend, die „Genderfalle“ wenigstens teilweise zu umgehen und über kleine Umwege einen Bezug zur Bibliothek herzustellen.

Jugendlichen der Oberstufe werden für ihre Abiturvorbereitung Handapparate angeboten, Schüler weiterführender Schulen schreiben mit Unterstützung der Bibliotheksmedien ihre Facharbeiten. Am Nachmittag wird Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen ein gutes Spielprogramm geboten. Überhaupt ist das kulturelle Bibliotheksprogramm ganz außerordentlich vielseitig und findet übrigens auch in den Ferien statt. Die Folge ist: Die Bibliothek hat in der schulfreien Zeit keine „Nutzungslöcher“ zu beklagen, im Gegenteil – die Benutzung in der so genannten „saure- Gurken-Zeit“ steigt sogar an.

Internetplätze in der Stadtbibliothek Braunschweig© Stadtbibliothek Braunschweig

Erwachsene Leser finden in ihrer Bibliothek ein reichhaltiges Medienprogramm zur Unterhaltung, darüber hinaus aber auch ein breit gefächertes Angebot alter und neuer Medien, besonders aus den Geisteswissenschaften. Die Braunschweiger Stadtbibliothek befindet sich als eine der wenigen deutschen kommunalen Bibliotheken in der glücklichen Lage, auch als wissenschaftliche Bibliothek Angebote unterbreiten zu können, da die ehemalige wissenschaftliche Stadtbibliothek in die heutige integriert ist.

Auf diese Weise ist es der Stadtbibliothek Braunschweig möglich, ihre Bürger ein Leben lang zu begleiten. Dies gilt mittlerweile nicht nur für die Einwohner der Stadt und ihrer Umgebung. Die hervorragenden Angebote an Medien und Service haben sich herumgesprochen und dazu geführt, dass sich der Einzugsbereich der Nutzer der Stadtbibliothek bis Magdeburg und Hannover erstreckt.

Die Stadtbibliothek Braunschweig besitzt also eine große Akzeptanz in allen Bevölkerungskreisen, wozu zweifellos auch ihre Unterbringung im wieder errichteten Schloss in der Stadtmitte gehört. Diese Unterbringung hat für die Bibliothek viele Serviceleistungen erst möglich gemacht, und so hat sich der Synergieeffekt von ansprechenden und anspruchsvollen Räumen und einem weit gefächerten Angebot in der Weise bemerkbar gemacht, dass die Benutzungsziffern, etwa in Gestalt von Ausleihzahlen, Besucherzahlen und Neuanmeldungen exorbitant gesteigert, ja in der Regel verdoppelt werden konnten. Ein Rückgang dieser Steigerungen ist auch in den ersten Monaten des Jahres 2010 nicht in Sicht, vielmehr zeichnet sich das Gegenteil ab.

Die Stadt Braunschweig hat mit ihrer Entscheidung, die Stadtbibliothek als Einheits bibliothek im Schloss Braunschweig unterzubringen, eine wegweisende, vorbild liche Entscheidung getroffen – ganz im Sinne der Bibliothek und ihres hochengagierten Teams unter der Leitung von Dr. Annette Haucap- Naß. Nicht zuletzt profitieren davon die Menschen aller Altersstufen und Bildungsschichten.

Aus diesen Gründen kann man die Braunschweiger Stadtregierung, vor allem aber die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und der Region zu dieser Bibliothek nur beglückwünschen. Mit einer dauerhaften Unterstützung der Bibliothek in materieller wie in ideeller Hinsicht investiert die „Stadt der Forschung“, wie Braunschweig sich zu Recht nennt, in einer Weise in die Zukunft, wie dies kaum besser möglich ist. Die Investitionen in die Stadtbibliothek rechnen sich und sie zahlen sich aus.

Die Stadtbibliothek Braunschweig hat ihre Chancen trotz begrenzter materieller Ressourcen in Zeiten schwerer Finanzkrisen auf vorzügliche Weise genutzt; ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten vorbildliche Bibliotheksarbeit.

All dies hat die Jury einstimmig dazu bewogen, der VGH-Stiftung zu empfehlen, die Stadtbibliothek Braunschweig auf besondere Weise auszuzeichnen. Insbesondere ihre gelungenen Angebote im Bereich der Kinderund Jugendarbeit will die VGH-Stiftung mit dieser Auszeichnung würdigen. Sie überreicht der Stadtbibliothek Braunschweig in diesem Zusammenhang 6.000 Euro, auch zur Ermunterung, den eingeschlagenen beispielhaft guten Weg weiter zu beschreiten.

Dr. Georg Ruppelt"