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Jasperallee - Tillsche Häuser

Hagen- und Altewiekring durchqueren das östliche Ringgebiet von Nord nach Süd. In Ost – West-Richtung dominiert die Jasperallee (früher Kaiser Wilhelm Straße). Sie wurde nach dem Berliner Vorbild „Unter den Linden“ von Ludwig Winter konzipiert. 1889 war die Brücke über die Oker fertig gestellt und 1894 der erste Bauabschnitt bis zum Hagenring vollendet. 1906 folgte der Abschnitt bis zur Wilhelm Bode Straße. Die Bebauung mit mehrgeschossigen Doppel- und Reihenhäusern genügte mit ihren historistisch geprägten Gebäuden hohen bürgerlichen Wohnansprüchen.
Zwischen Steinbrecherstraße und der Kreuzung Altewiekring sind zu beiden Seiten vom Architekten und Bauherrn Julius Till einheitliche Häuser errichtet worden. Heute noch erhalten sind auf der Nordsei-te(Jasperallee 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26 und auf der Südseite 66, 67 und 70, 71). Im Krieg zerstört sind die Simse und viele Ausschmückun-gen der Balkone und Erker. Die dreigeschossigen Wohnhäuser mit Sechs bis Siebenzimmer Etagenwohnungen waren so entworfen, dass der Eindruck einer einzigen langen Fassade erzeugt wurde, die in der Mitte und an den Enden durch besondere betont war.

© (Wolfgang Zinecker)Kreuzung Hagenring / Kaiser-Wilhelm-Straße

Das Gebäude Jasperallee Nr. 27 an der Kreuzung Jasperallee - Hagenring ist das nördliche Eckhaus des dreigeschossigen Wohnblocks. Eigentümer des 1891 fertig gestellten, in Parzellen aufgeteilten Blocks, waren mehrere Bauunternehmer, Besitzer von Nr. 27 war Maurermeister Japke. Die Mieter der Sieben- bis Zehn- Zimmer- Wohnungen (bis 350 qm) gehörten dem Bildungs- bzw. Großbürgertum an, wie z.B. Landgerichtsdirektor Bode, Generalmajor a.D. Gottschalck oder der Kaufmannsfamilie Faillard. Bei Offizieren der in der Nähe liegenden Kasernen waren die Wohnungen begehrt.

© Horn,W Foto 2015Tillsche Häuser Nordseite

Der Till'sche Wohnblock erlitt im zweiten Weltkrieg Bombenschäden. Beim Wiederaufbau waren große Wohnungen nicht mehr gefragt. In zwei Häusern richtete man das „Hotel zur Oper“ ein. Weitere Gebäude wurden von der „Oskar- Kämmer- Schule“ und der Ballettschule „Berger-Heubner“ genutzt. Das Eckhaus Nr. 27 wurde in den 50er Jahren vorwiegend für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst gebaut. Heute gehört es der "Wohn- und Zweckbau eGmbH". Hier lebte in den fünfziger Jahren Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, an ihn erinnert eine Gedenktafel am Haus. Der Fritz-Bauer Platz zwischen Dom und Staatsanwaltschaft bekam vor kurzem den Namen. Außer Fritz Bauer haben bekannte Braunschweiger Persönlichkeiten darin gewohnt, wie der beliebte Schauspieler Willy Steegen und der bekannte Tenor Josef Hopferwieser. Er startete seine Karriere nach seinem Engagement 1964/67 am Braunschweiger Staatstheater. Als Hopferwieser 1992 ein Gastspiel in "Pique Dame" gab, hat er die Bewohner im Haus besucht, die er noch kannte.