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Jödebrunnen

Die Wasserquellen des Östlichen Ringgebiets

Wenn wir heute den Wasserhahn aufdrehen, sprudelt aus ihm frisches Trinkwasser aus dem Harz. Dies war zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch ganz anders. Nur drei Quellen sogenannte Jödebrunnen (Jugendbrunnen im Hinblick auf die dauernde Frische des Wassers) in der Umgebung der mittelalterlichen Stadt Braunschweig konnten gutes und reichliches Trinkwasser abgeben. Heute noch bekannt ist der Jödebrunnen an der Broitzemer Straße, der mit einer 2000 m langen Wasserleitung den Altstadt- und Kohlmarktbrunnen mit Wasser versorgte. Die beiden anderen Quellen lagen in unserem Stadtteil und sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Deshalb möchte ich auf diese Brunnen näher eingehen.

Der Hägener Jödebrunnen vor dem Fallersleber Tore im moorigen Grund, rings von der Weide des Hagenbruches umgeben, wurde seit 1332 als erster in Braun-schweig von den Bürgern des Hagens genutzt, die das Wasser mittels hölzerner Pipenrohre (hölzerne Wasserleitungen) bis zum Hagenmarkt hinunterleiteten. Diese Quelle war im Rechteck von 24,0 m Länge und 5,6 m Breite durch starke Bohlenwände eingefasst bei einem Wasserstand von 1,30 m. Die rund 1100 m lange hölzerne Gefälleleitung begann mit einem inneren Durchmesser von 142 mm und hatte am Auslauf noch einen lichten Querschnitt von 82 mm. Bei einem günstigen Höhenunterschied von etwa 5 m konnte eine reichliche Wassermenge von maximal 2,3 cbm pro Stunde gewonnen werden.

Geradewegs floss das Wasser unter der Fallersleber Straße entlang und füllte zunächst einen großen Wasserstein nördlich der Katharinenkirche. Ein Kalksandstein in Größe von 1,70 X 3,0 m, rund 0,75 m hoch, ist als Schöpfbecken aus einem Stück bis heute an alter Stelle erhalten, nur trat nach 1823 an Stelle des alten Pipenlaufes der wasserspeiende ruhende Löwe, der nach einem Modell von J. A. Schadow zusammen mit den vier Löwen am Monument des Löwenwalles gegossen worden ist. Der Brunnen wurde 2003 auf dem Bauhof eingelagert, konnte aber dank einer Spendenaktion 2012 wieder aufgestellt werden.

Auf dem Hagenmarkt selbst sprudelte das Wasser aus einem hölzernen Wasserpfosten ins Schöpfbecken. Im Jahre 1407 ist hier ein kunstvoller Brunnen mit der heiligen Katharina gesetzt worden. 1814 wurden die 70 Zentner Metall des Brunnens eingeschmolzen und sollten zu Kanonen gegossen werden. Leider vergeblich, denn das Metall war zu weich und dafür nicht brauchbar. Im Jahre 1874 wurde dann der heutige große Marktbrunnen mit der Gestalt Heinrichs des Löwen errichtet. Die Brunnen hatten einen dauernden Wasserzufluss, der aber durch einen Absteller am Jöderunnen in Trockenperioden unterbrochen werden konnte.

Der dritte Jödebrunnen, lag in der Feldmark Riddagshausen zwischen dem Moor-teich und dem Lünischteich. Dieser Brunnen hätte der Versorgung mit Quellwasser dem Weichbild Altewiek oder auch dem Schloss im Grauen Hofe dienen können. Zu vermuten ist, dass die der Stadt vorgelagerten Höhen Streitberg und Giersberg, deren höchste Stellen um 13 m bzw. 7 m über dem Quellgebiet liegen, einer Verlegung von Pipenleitungen allzu hinderlich waren. Der damalige Lünischteich, ein ehemaliger Fischteich des Klosters, endete am nördlichen unteren Rand des heutigen Gartenvereins Lünischhöhe. Etwas höher gelegen stand dort seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts das Feldhüterhaus, die „Mückenburg". Der Feldhüter übte damals eine Polizeifunktion aus, um Beschädigungen oder Diebstähle auf den Feldern zu verhindern. Eine Teilfläche des Teiches wurde um 1924 zu einer öffentlichen Badeanstalt ausgebaut, deren Reste heute noch vorhanden sind.

Der Moorteich im Bereich des Gartenvereins Mückenburg gelegen, wurde zugeschüttet. Die Quelle selbst ist noch vorhanden, sie ist in einem Gully eingefasst, liegt auf der Rasenfläche hinter der Infotafel am Riddagshäuser Weg und ist über ein Rohrsystem mit dem Lünischteich verbunden.

Der Hägener Jödebrunnen kam in den Besitz der Molkerei in der Wiesenstraße, und wurde von ihr mit weiteren Brunnen genutzt. Die ursrüngliche Quelle liegt heute verborgen unter dem Görge Frischmarkt.

Ein Unikum waren weitere Quellen in unserem Stadtbezirk. Um 1887 ist man in der Nähe der heutigen Stresemannstraße bei Erdbohrungen auf eine Solequelle gestoßen. Braunschweig - ein Solbad - Man geriet ins Schwärmen! Leider war diese Quelle nicht sehr ergiebig - wie auch die salzhaltige Quelle im Bereich des Gartenvereins Soolanger - und so versickerten damalige hochtrabende Träume buchstäblich im Sande!